VNP setzt auf KI für die „Renaissance des Lokalen“

Der Verlag Nürnberger Presse (VNP) automatisiert große Teile seiner redaktionellen Produktion mit Künstlicher Intelligenz – und will damit den Ausbau lokaler Berichterstattung sichern. Während viele Häuser ihre lokalen Angebote reduzieren, verfolgt der VNP den gegenteiligen Ansatz: „Wir arbeiten an einer Renaissance des Lokalen“, sagt Armin Jelenik, stellvertretender Chefredakteur der Nürnberger Nachrichten.

Konferenz Chefredaktionen
Stephan Schütze

Im Zentrum steht die Automatisierung der gesamten Produktionskette. Über ein Upload-Tool können Vereine, Organisationen und freie Mitarbeitende Texte und Bilder einstellen. KI-Systeme unterstützen bei der Texterstellung und prüfen Inhalte automatisiert auf mögliche Unstimmigkeiten. Eine Layout-Engine platziert die Beiträge anschließend selbstständig auf den Seiten.

Besonders weit ist die Automatisierung im Lokalsport. Ergebnisse und Tabellen aus regionalen Ligen werden automatisiert übernommen, verarbeitet und direkt an die Druckerei übermittelt. Gleichzeitig baut der Verlag digitale sublokale Angebote aus. Die Rubrik „Mein Ort, meine Nachrichten“ auf NN.de zeige, dass der Bedarf an verlässlichen Informationen aus dem direkten Lebensumfeld hoch sei, so Prozess- und Redaktionsmanager Maximilian Wachter.

Nach Angaben des Verlags sank der personelle Aufwand für die Zeitungsproduktion durch die neuen Prozesse um rund 90 Prozent. Vier Blattmacher erstellen heute das komplette tägliche Printprogramm mit bis zu 150 Seiten. Früher waren dafür bis zu 43 Mitarbeitende im Einsatz.

Der VNP versteht KI dabei ausdrücklich nicht als Einzelprojekt, sondern als Teil der operativen Infrastruktur. Systeme kommen inzwischen auch im Aboservice, bei Mailings und im Anzeigenverkauf zum Einsatz. Ziel sei es, Freiräume für Recherche, digitale Produkte und journalistische Qualität zu schaffen.