So steigern Redaktionen ihre Relevanz
„Wir glauben an guten Journalismus, der Menschen bereichert.“ Mit diesem Satz eröffnete BDZV-Journalismus-Vorstand Lambert Lensing-Wolff die BDZV-Konferenz Chefredaktionen im Lensing Media Port in Dortmund – und setzte damit den Leitgedanken des Tages.
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Redaktionen den Wert von Journalismus im Alltag sichtbarer machen können: durch relevante Inhalte, nützliche Produkte, den Aufbau von Vertrauen, Nähe zu den Menschen vor Ort sowie Marken und Communities, die authentisch sind.
Journalismus muss spürbaren Mehrwert bieten, sich als Medienmarke differenzieren und zugleich im Digitalen schneller wachsen, um zukunftsfähig zu bleiben. „Wir müssen die Menschen mit starken Marken und eigenen Communities an uns binden, bevor sie in den digitalen Plattformen abdriften“, so Lensing-Wolff.
Praxisnahe Beispiele
Wie das gelingt, zeigten die Vorträge mit konkreten Beispielen: Faktenchecks stärken das Vertrauen in Medien, Datenjournalismus ermöglicht detaillierte und automatisierte Berichte, etwa zu Wahlergebnissen. Audioformate fördern die Kundenbindung, während KI-Tools redaktionelle Abläufe effizienter gestalten. Neue Produkte wie Dossiers oder KI-generierte Zusammenfassungen bieten Nutzern zusätzlichen Mehrwert.
Doch Frank Dopheide warnte: „Wer KI nur als Effizienzbooster nutzt, verschenkt ihre Möglichkeiten. “ Es gehe darum, den Wert journalistischer Produkte zu steigern. Nicht allein die redaktionelle Qualität zählt, sondern auch Bekanntheit, Vertrauen, Akzeptanz und Identifikation prägen den Wert einer Medienmarke.
Zur Identifikation tragen auch die Chefredakteure und -redakteurinnen selbst bei. „Menschen vertrauen Menschen. Sie müssen als personifizierte Marke sichtbar werden. Denn Sie selbst sind Türöffner und Ankerperson“, riet der Markenspezialist den Anwesenden.
Für die Rolle regionaler Medien fand er pointierte Worte: „Lokalmedien sind das Einhorn unter den Zirkuspferden und Ackergäulen.“
Antworten auf den Plattformdruck
Gleichzeitig wurden die Risiken klar benannt: Plattformen lenken Aufmerksamkeit um, Suchmaschinen verändern Reichweiten und bedrohen Geschäftsmodelle. Die Teilnehmenden diskutierten über mehr Zusammenarbeit zwischen Verlagen, ein höheres Digitalisierungstempo, größere Unabhängigkeit von Big Tech und digitale Souveränität in Europa.
Besonders prägend war der offene, auch selbstkritische Austausch in Dortmund. Erfahrungen teilen, voneinander lernen, neue Ideen ausprobieren – auch darin liegt der Wert solcher Treffen.
Eines wurde deutlich: Zukunft entsteht dort, wo Journalismus Probleme löst, Orientierung bietet und konsequent vom Publikum aus denkt. Erfolgreiche Redaktionen sichern ihre Zukunft nicht durch das Verwalten des Bestehenden, sondern durch mutige Weiterentwicklung von Produkten, Redaktion und Geschäftsmodellen.