Presserat: Rekordzahl an Rügen
Erstmals hat der Deutsche Presserat 2025 über 100 öffentliche Rügen in einem Jahr ausgesprochen. Insgesamt gingen 2.636 Beschwerden ein. Die Beschwerdeausschüsse erteilten 102 Rügen, 130 Missbilligungen und 139 Hinweise. In 52 Prozent der geprüften Fälle erkannten sie Verstöße gegen den Pressekodex.
Beschwerden auf hohem Niveau
Der Presserat führt den Anstieg der Rügen vor allem auf die gestiegene Zahl der Eingaben zurück. Zudem ist das Gremium bekannter geworden, und das Einreichen von Beschwerden wurde vereinfacht. Dies erhöhte das Beschwerdeaufkommen, beeinflusste jedoch nicht die Quote der sanktionierten Fälle.
Inhaltlich betrafen die meisten Rügen Verstöße gegen die journalistische Sorgfaltspflicht. Über 40 Prozent der öffentlichen Rügen resultierten aus schwerwiegenden Fehlern in der Berichterstattung. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Schutz der Persönlichkeit. Zudem erhielt der Presserat zahlreiche Beschwerden zur Berichterstattung über den Nahostkonflikt.
Regelwerk weiterentwickelt
Im März präzisierte der Presserat seine Vorgaben zur Vermeidung und Offenlegung von Interessenkonflikten. Die überarbeitete Richtlinie konkretisiert Transparenzanforderungen bei persönlichen oder beruflichen Verflechtungen.
Seit Sommer 2025 verwendet der Pressekodex diskriminierungssensible Formulierungen. Das Regelwerk setzt auf neutrale Bezeichnungen und Doppelformen und orientiert sich am amtlichen Regelwerk der deutschen Rechtschreibung.