„Crunchtime ist jetzt“
Madsack-Mediengipfel debattiert Zukunft des Journalismus
Rund 700 Vertreterinnen und Vertreter aus Medien und Wirtschaft haben am 11. und 12. März 2026 beim Summit „The Future of German Media“ in Hannover über die Transformation der Branche diskutiert. Die Madsack Mediengruppe etablierte die Veranstaltung in ihrer zweiten Ausgabe als Plattform für strategische Debatten und praxisnahe Lösungen im Journalismus.
„Crunchtime ist jetzt“
Madsack-CEO Thomas Düffert machte in seiner Keynote deutlich, in was für einer entscheidenden Phase sich die Branche befindet: „Die nächsten drei bis fünf Jahre entscheiden über die nächsten drei bis fünf Jahrzehnte im Journalismus.“ Print allein könne den Journalismus langfristig nicht mehr finanzieren. Zugleich wachse das Digitalgeschäft nicht schnell genug, um den Rückgang der Printumsätze auszugleichen.
Düffert setzt auf digitale Abomodelle und starke Marken: „Trusted Brands are our Future.“ Der Aufbau stabiler Kundenbeziehungen und einer emotionalen Medienmarke basiere vor allem auf zwei Faktoren: Vertrauen und Relevanz.
Medienpolitik als Transformationsrisiko
Der Verlagschef hob die unverzichtbare Rolle lokaler Medien für die Gesellschaft hervor: „Wir sind Teil der demokratischen Infrastruktur“. Doch statt diese zu sichern, bremse die Politik den digitalen Wandel. Bürokratie bedeute eine erdrückende Belastung für die Verlage und hemme unternehmerische Kraft.
Konkret nannte Düffert den politisch festgelegten Mindestlohn, das Mehrwertsteuerprivileg der Deutschen Post und die geplanten Beschränkungen beim Telefonmarketing für Presseabos als gesetzgeberische Maßnahmen mit enormen finanziellen Auswirkungen auf Medienunternehmen. Verlage könnten sich bei der digitalen Transformation nicht auf die Politik verlassen, „sondern nur auf uns selbst“, sagte Düffert. „Medienpolitik in Deutschland ist ein Transformationsrisiko.“ Dennoch bleibe es Ziel und Aufgabe, den Menschen täglich den bestmöglichen Journalismus zu bieten.
KI als redaktionelles Werkzeug
Was der Kongress deutlich machte: Technologie ist längst Teil der publizistischen Strategie. In Panels und Vorträgen zeigten Branchenvertreterinnen und -vertreter, wie technische Innovationen die Redaktionen verändern. Künstliche Intelligenz steigert die Effizienz im Journalismus und revolutioniert die Workflows in den Newsrooms.
Ippen-Chefredakteur Markus Knall sieht darin eine große Chance. „KI ist Key für Lokaljournalismus“, sagt er. KI sei ein mächtiges Werkzeug, um den Menschen mehr Berichterstattung über das Geschehen vor Ort zu liefern. Anhand eines Datenprojekts zur bayerischen Kommunalwahl demonstrierte Knall, wie Ippen.Media mit KI-Unterstützung sämtliche Wahlergebnisse ausgewertet und eine breite Berichterstattung bis ins kleinste Dorf umgesetzt hat.
Nahezu in Echtzeit konnten die Menschen über eine interaktive Karte Ergebnisse aus sämtlichen Städten, Gemeinden und Landkreisen vergleichen. „Wahlen sind das wichtigste Ereignis in der Demokratie“, so Knall. Darüber breit zu berichten und Ergebnisse transparent zu machen, stärke den Lokaljournalismus. „Je lokaler und detaillierter, desto besser.“ KI mache Journalismus relevanter, persönlicher, effizienter. „Ich blicke so positiv wie noch nie auf die Zukunft des Lokaljournalismus“, sagte Knall.
Dass mit der richtigen Ansprache auch neue Zielgruppen für digitalen Journalismus gewonnen werden, betonte Victoria Reichelt. Junge Menschen meiden nicht Nachrichten, „sie meiden Langeweile“, sagte die Moderatorin. „Das Problem ist nicht die Politik. Das Problem ist die Präsentation.“