BDZV-Vermarktungsgipfel: Andree warnt vor „Digitalokratie“ durch Plattformmacht

Zum Auftakt des BDZV-Vermarktungsgipfels am 14. April 2026 in Berlin hat Prof. Dr. Martin Andree vor einer strukturellen Verschiebung der digitalen Öffentlichkeit gewarnt. In seiner Keynote „Krieg der Medien – Dark Tech und Populisten übernehmen die Macht“ zeigte er eindringlich die Gefahren einer zunehmenden Dominanz weniger Plattformen und forderte strukturelle Reformen für ein offenes Netz.

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BDZV

Plattformen kontrollieren Sichtbarkeit

Die Analyse zeigt: Wenige globale Anbieter bündeln maßgeblich den digitalen Traffic. Durch Netzwerkeffekte, geschlossene Systeme und fehlende Haftung für Inhalte haben die Plattformen Strukturen geschaffen, die Wettbewerb und Sichtbarkeit von Inhalten prägen. Für Medien entstehe ein Spannungsfeld: Reichweite gebe es vor allem innerhalb der Plattformen – allerdings zu deren Bedingungen.

Diese Plattformlogik verändere die digitale Öffentlichkeit grundlegend, so Andree: „Demokratische Öffentlichkeit wird ersetzt durch digitalokratische Öffentlichkeit“. Diese Entwicklung wirke sich negativ auf die Vielfalt journalistischer Angebote und die Sichtbarkeit unabhängiger Medien aus. Zugleich betonte er, dass regulatorische Ansätze wie eine Digitalabgabe allein nicht ausreichten, solange Fragen der Sichtbarkeit und Verbreitung ungeklärt blieben.

Konkrete Reformvorschläge für mehr Wettbewerb

Im Zentrum des Vortrags standen konkrete Ansätze zur Neuordnung des digitalen Ökosystems. Denn, so Andree, Maßnahmen wie die diskutierte Digitalabgabe für Tech-Konzerne reichten allein nicht aus. Aber mit ein paar Maßnahmen „wäre es leicht, das Internet zu befreien“.

Notwendig seien offene Standards für Plattformen, um Inhalte plattformübergreifend zugänglich zu machen. Ebenso fordert er mehr Freiheit bei der Verlinkung, damit Medien Nutzer direkt erreichen können. Weitere Vorschläge zielen auf strukturelle Eingriffe: eine klare Trennung von Infrastruktur und Inhalten sowie Obergrenzen für Marktanteile im digitalen Raum. Ergänzend spricht sich Andree für ein Verbot der Monetarisierung strafbarer Inhalte aus.

Diese Maßnahmen könnten aus seiner Sicht überwiegend regulatorisch umgesetzt werden, etwa im Rahmen eines Medienstaatsvertrags. „In meinen Augen ist der Zustand unserer digitalen Öffentlichkeit nicht verfassungskonform“, so Andree – und fragt, warum dagegen niemand vor das Bundesverfassungsgericht ziehe. „82 Prozent aller Menschen in Deutschland lehnen digitale Monopole ab“, so Andree. „Warum handeln wir nicht danach?“.