55 Angriffe auf Journalisten
Der Bericht „Nahaufnahme“ von Reporter ohne Grenzen (RSF) zeigt die angespannte Lage der Pressefreiheit in Deutschland. 2025 zählte die Organisation 55 Angriffe auf Medienschaffende und Redaktionen. Obwohl diese Zahl unter der des Vorjahres liegt, bleiben Einschüchterung, Gewalt und die Delegitimierung journalistischer Arbeit zentrale Bedrohungen.
Gewalt und Einschüchterung im Arbeitsalltag
Die meisten Übergriffe geschahen bei Demonstrationen, Parteiveranstaltungen oder Protesten. Ein erheblicher Teil der Gewalt kam aus dem rechtsextremen Milieu, weitere Angriffe fanden auf Palästina-solidarischen Demonstrationen statt. Die Vorfälle konzentrierten sich vor allem auf Berlin und mehrere ostdeutsche Bundesländer. RSF registrierte zudem sechs Cyberattacken. Der Deutsche Journalisten-Verband betont, dass besonders freie Journalisten als Solo-Reporter gefährdet sind und empfiehlt Recherchen in Teams sowie effektiven Polizeischutz.
Polarisierung, Plattformen und KI
Der Bericht beschreibt auch die zunehmende Polarisierung der Medienlandschaft im Kontext internationaler Konflikte wie dem Gaza-Krieg. Journalisten berichten von digitalem Hass, Hetze und öffentlicher Herabwürdigung. RSF kritisiert zudem den wachsenden Einfluss großer Plattformen und den Einsatz von KI-Systemen. Automatisierte Zusammenfassungen in Suchmaschinen könnten die Reichweite und Werbeeinnahmen von Medien schmälern und damit ihre wirtschaftliche Basis gefährden. Auch der Medienpolitik der Bundesregierung bescheinigt RSF bislang geringe Fortschritte bei der Stärkung von Journalismus und Meinungsvielfalt.
Der BDZV setzt sich für die mentale Gesundheit von Journalistinnen und Journalisten ein: Er unterstützt das von Netzwerk Recherche und dem Dart Centre Europe initiierte Hilfsangebot Helpline. Es bietet Journalistinnen und Journalisten mit psychosozialen Belastungen ein niedrigschwelliges, präventives Unterstützungsangebot.
https://netzwerkrecherche.org/helpline/
Quelle: dpa, RSF