Trendumfrage 2026: Print läuft aus, Digital entscheidet über die Zukunft
Die neue BDZV-/Highberg-Trendumfrage 2026 bündelt die Einschätzungen von 94 Geschäftsführungen. Sie zeigen: Die Transformation ist operativer Alltag. Das gilt auch für Chefredaktionen. Wer die Zukunft seiner Redaktion sichern möchte, muss Kosten auf allen Ebenen optimieren, das journalistische Kerngeschäft im Digitalen stärken und mit KI die redaktionelle Effizienz steigern. Das Ziel: Print möglichst lange profitabel halten und gleichzeitig möglichst schnell mit digitalen Produkten wachsen.
Print ist relevant, aber endlich
Noch ist Print wichtig. Mit den Einnahmen finanziert der Großteil der Verlage den digitalen Umbau des Geschäfts. Aber Auflagen (-8%) und Werbeerlöse (-7%) sinken 2026 voraussichtlich schneller als erwartet. Trotzdem sehen knapp zwei Drittel der Verlage optimistisch in ihre wirtschaftliche Zukunft. Grund sind die zweistelligen Zuwächse im Digitalen: E-Paper und Paid Content sollen bei Abozahlen und Erlösen um bis zu 20 Prozent zulegen.
Das E-Paper wird zum strategischen Anker; bis 2030 rechnen die Häuser mit mehr Digital- als Printabos. Gleichzeitig gehen 59 Prozent davon aus, dass die gedruckte Zeitung in den kommenden 15 Jahren endet. Für Chefredaktionen bedeutet das: konsequent digital denken. Inhalte müssen zuerst für E-Paper und Plus funktionieren, und zwar in Dramaturgie, Exklusivität und Timing. Print folgt dieser Logik, nicht umgekehrt. Redaktionen dürfen nicht mehr in Ausgaben, sondern in Kundenbeziehungen denken.
Digital finanziert die Redaktion
Die Finanzierung der Redaktion wird digital entschieden. 68 Prozent der Verlage erwarten, dass digitale Erlöse in fünf Jahren die redaktionellen Kosten decken. Erste Häuser sind heute schon so weit.
Jede Ressortstrategie braucht deshalb eine klare Antwort auf die Frage: Welchen Beitrag leisten wir zu Abo-Wachstum, Nutzung und Bindung? Reichweite allein trägt das Modell nicht mehr, zumal zwei Drittel der Verlage 2026 spürbare Reichweitenverluste durch Googles KI-Angebote erwarten. Der Aufbau direkter Kundenbeziehungen über Newsletter, App und E-Paper wird zur Überlebensfrage. Chefredaktionen sollten ihre Themenauswahl daher stärker an Zahlungsbereitschaft und Zielgruppen ausrichten.
KI systematisch in Redaktion integriert
Gleichzeitig wird KI vom Pilotprojekt zur Infrastruktur. 97 Prozent der Verlage erwarten hier positive Effekte. Der größte Einfluss wird in der Redaktion gesehen, wo es um die systematische Einführung der KI-Unterstützung bei Recherche, Zusammenfassungen, Seitenproduktion, effizienteren Workflows und Personalisierung geht. Wer KI nicht organisatorisch verankert und die Redaktion schult, verschenkt Produktivität und damit Kapazitäten für journalistische Qualität.
Kostendruck bleibt hoch
Der Kostendruck bleibt hoch. Zustellung und Produktion verteuern sich weiter, viele Häuser flexibilisieren deshalb ihre Druck- und Zustellmodelle. Das heißt: Die klassische Print-Aktualität wird neu definiert, digitale Aktualität zum Standard. Chefredaktionen sollten diese Verschiebung aktiv gestalten und sie kommunikativ und redaktionell begleiten.
Keine weißen Flecken in der Zeitungslandschaft
Parallel nimmt die Konsolidierung im Markt Fahrt auf. Kooperationen entlang der Wertschöpfungskette, von Mantel bis Logistik, nehmen zu. Redaktionen tun gut daran, ihr Profil zu schärfen und gleichzeitig Standardisierbares mit anderen zu teilen. Eigenständigkeit entsteht durch Klarheit im redaktionellen Markenkern, nicht durch Alleingänge in jedem Bereich.
Keine weißen Flecken in der Zeitungslandschaft
Trotz wirtschaftlichem Druck und mehr Zusammenarbeit innerhalb der Verlagsbranche betont die Studie: Regionale Zeitungen sind flächendeckend vorhanden. Anders als beispielsweise in den USA gibt es in Deutschland keine weißen Flecken in der publizistischen Versorgung. „Konsolidierung und Kooperationen sind vor diesem Hintergrund keine Rückzugsbewegung, sondern Ausdruck aktiver Struktur- und Zukunftsgestaltung“, schreiben die Autoren.
Fazit: 2026 entscheidet sich, welche Redaktion vom Digitalwachstum profitiert und welche vom Print-Rückgang überrollt wird. Wer jetzt digital priorisiert, KI produktiv nutzt, Plattformabhängigkeit reduziert und das eigene Profil schärft, sichert die wirtschaftliche Basis und Zukunftsfähigkeit für unabhängigen Journalismus.