Telefonmarketing für Presseabos gefährdet

Union und SPD diskutieren im Bundestag über die Einführung einer Bestätigungspflicht für telefonisch abgeschlossene Abonnements. Sollte diese auch für gedruckte und digitale Presseabonnements gelten, erwarten Verlage erhebliche Verluste bei Abos und Einnahmen.  Der BDZV warnt vor den negativen Folgen für die Finanzierung journalistischer Angebote und einer Schwächung verlässlicher Informationsquellen.

Symbolbild Office Telefon
Canva / BDZV

Auswirkungen auf Abonnements

Die Branche befürchtet, dass bis zu 90 Prozent der telefonisch gewonnenen Abonnements wegfallen, wenn Kunden ihre Verträge zusätzlich schriftlich bestätigen müssten. Viele Verlage sind auf Telefonmarketing angewiesen, um Menschen zu erreichen, die digital schwer zugänglich sind, besonders im ländlichen Raum. Eine zusätzliche schriftliche Bestätigung der geschlossenen Abonnements würde nicht nur die demokratische Infrastruktur und Informationsversorgung schwächen, sondern auch erhebliche Einnahmeverluste für die Presse bedeuten. Bundesweit könnten bis zu 800.000 Presseabos pro Jahr gefährdet sein. Die Verlage betonen, dass es bei telefonisch geschlossenen Presseabos kaum Beschwerden gibt. Die rund 2.000 gemeldeten Beschwerden betreffen nur etwa 2,5 Promille der Abschlüsse.

Regulierung und medienpolitische Einordnung

Das Telefonmarketing im Pressebereich ist bereits streng reguliert. Es gelten geprüfte Qualitätsstandards, Dokumentationspflichten und gesetzliche Widerrufsrechte.  Die Verlage bekennen sich ausdrücklich zu dieser Qualitätssicherung.

Angesichts wachsender Desinformation, sinkender Werbeeinnahmen und zunehmender Plattformabhängigkeit wäre eine zusätzliche bürokratische Belastung und finanzielle Schwächung der Presse das falsche Signal - zumal sich die Koalition zu „fairen Regulierungs- und Refinanzierungsbedingungen für private Medien“ verpflichtet hat.

Der Koalitionsvertrag sieht eine Bestätigungslösung vor, legt jedoch nicht fest, für welche Branchen sie gelten soll. Der BDZV fordert, gedruckte und digitale Presseabonnements von der Regelung auszunehmen oder ganz auf die zusätzlichen bürokratischen Vorgaben zu verzichten.