Abschied von Gerd Appenzeller

Gerd Appenzeller starb am 5. Februar 2026 im Hospiz in Berlin-Reinickendorf im Alter von 82 Jahren. Der Journalist, Chefredakteur und Herausgeber prägte den Tagesspiegel über viele Jahre und blieb dem Journalismus bis zuletzt treu. Seine Arbeit zeichnete sich durch Genauigkeit, Zurückhaltung und die Fähigkeit aus, zuzuhören. “Kein Lautsprecher oder unerschütterlicher Alleswisser, sondern einer, der zuhörte”, wie es in einem Nachruf der Zeitung heißt.

Portrait SW Appenzeller
Mike Wolff/Tagesspiegel

Stationen eines journalistischen Lebens

Nach einem Architekturstudium begann Appenzeller 1964 beim Südkurier in Konstanz als Volontär und Lokalredakteur. Später berichtete er als politischer Reporter, auch international. Von 1977 bis 2009 arbeitete er beim SWR im Fernsehen und parallel für die Deutsche Welle sowie im Hörfunk. 1988 wurde er Chefredakteur des Südkurier. 1994 wechselte er zum Tagesspiegel und übernahm dort Verantwortung in der Chefredaktion.

Arbeit für den Tagesspiegel

Beim Tagesspiegel wirkte Appenzeller in einer schwierigen Phase der Zeitung und förderte deren Entwicklung. Er schrieb Leitartikel, war Herausgeber und initiierte Formate wie das Wirtschaftsmagazin Berlin Maximal. Auch die Rückblende-Jury, für die der BDZV den Karikaturenpreis der deutschen Zeitungen ausschreibt, durfte einmal auf Appenzellers Expertise bei den besten politischen Karikaturen und Fotos des zurückliegenden Jahres vertrauen.

Rückkehr zum Lokalen

Nach leitenden Funktionen kehrte Appenzeller als Lokalreporter in seinen Berliner Heimatbezirk Reinickendorf zurück. Dort gründete er einen Bezirksnewsletter und berichtete bis ins hohe Alter über lokale Themen. Für ihn war Journalismus eine kontinuierliche Aufgabe und ein Handwerk mit Haltung.