Philipp Krohn

Kurzbiographie des Nominierten in der Kategorie Gesellschaft & Dialog

Philipp Krohn ist 1977 in Hamburg geboren. Auf ein Studium der Germanistik und Volkswirtschaftslehre in Heidelberg und Montpellier folgten ein Volontariat und die erste Redakteurstelle beim Deutschlandfunk. 2008 wechselte er als Wirtschaftsredakteur zur F.A.Z., verfasste je ein Buch über Popmusik („Sound of the Cities“) und über Nachhaltigkeit („Ökoliberal“). Verantwortet die Seite „Menschen und Wirtschaft“ und bildet den Nachwuchs zu Reportagen aus. Verheiratet, drei Kinder.

Portrait Philipp Krohn
Lucas Baeuml

Im Interview

Wie entstand die Idee zu Ihrem Beitrag und wie haben Sie recherchiert?

Die Themenidee ist einem glücklichen Zufall entsprungen. Als Moderator einer Diskussionsveranstaltung in Berlin platzte ich verspätet in ein Gespräch. Die zwei Teilnehmer fassten den bisherigen Verlauf freundlicherweise kurz zusammen. Eine von ihnen war die Soziologieprofessorin Claudia Neu, die seit Jahren über den Zusammenhang von Daseinsvorsorge und Demokratie forscht. Ich war sofort elektrisiert, und wir verabredeten ein Telefonat. Eines ihrer Beispiele war das Freibad in Schieder-Schwalenberg.

Vor welchen Herausforderungen standen Sie dabei?

Die Protagonistinnen und Protagonisten der Reportage waren nicht auf Anhieb begeistert, dass ein Reporter der F.A.Z. vorbeikommen würde. Zum Glück öffneten sie sich aber schnell bereitwillig und ließen alle Zugänge zum Thema zu. Als größte Herausforderung für lange Artikel in der Tageszeitung empfinde ich es, wie ich die wichtigsten Szenen, die eine Handlung bestimmen, bei knappem Zeit- und Reisebudget kompakt erleben kann. Hier hat das innerhalb von 24 Stunden funktioniert.

Von wem wurden Sie unterstützt?

Die wichtigste Kooperation war diejenige mit der Fotografin Carlotta Steinkamp. Mit ihr musste ich ebenfalls darüber nachdenken, wie die potenziell wichtigsten Bilder im Rahmen eines Tagessatzes entstehen könnten. Wir entschieden uns für den Vormittag des zweiten Tages. Mit den Bildern konnten wir den Onlineauftritt des Artikels gut gestalten.

Was macht für Sie persönlich guten Journalismus aus?

Guter Journalismus zeichnet sich durch die Zeit aus, die in seine Inhalte investiert wird: in Analysen durch eine tiefe Durchdringung von Themen, in Interviews durch genaues Zuhören und akribische Vorbereitung, in Reportagen durch sorgfältiges Durchdenken von Ton- und Bildspur, in Kommentaren durch konsistente und ruhige Abwägung und in Nachrichten durch langjährige Expertise.

Was braucht ein herausragender Artikel?

Er braucht Platz, Muße und einen leidenschaftlichen Zugang der Autorinnen und Autoren. Was diese selbst kalt lässt, wird Leserinnen und Leser nicht emotional berühren. Die ausgelöste Emotion unterscheidet Artikel, die ich zum persönlichen Nutzen gern lese, und solche, die ich nicht mehr vergesse und immer wieder hervorhole (zum Beispiel, wenn ich Volontärinnen und Volontäre zu Reportagen schule).

Was erwarten Sie von der Preisverleihung?

Von der Preisverleihung erhoffe ich mir einen ergiebigen Austausch mit Kolleginnen und Kollegen, denen in schwieriger Zeit ebenfalls an einer stabilen Zukunft des Qualitätsjournalismus gelegen ist. Um uns herum erstarkt international der Autoritarismus, während die KI uns vor eine riesige technische Herausforderung stellt. Der Dialog mit Gleichgesinnten über Redaktionen und Verlage hinweg hilft dabei, Orientierung zu finden und Werte zu festigen.

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