Karolina Benedyk

Kurzbiographie der Nominierten in der Kategorie Lokales & Zusammenhalt

Karolina Benedyk, Jahrgang 1995, studierte Rechtswissenschaften in Trier. Nach dem Studium lebte und arbeitete sie in Israel, bevor sie während der Coronapandemie ihre Promotion abschloss. Ihre ersten journalistischen Erfahrungen sammelte sie als Porträtkoordinatorin beim Tagesspiegel Background und fand so als Quereinsteigerin in den Journalismus. Mit dem Heinz-Kühn-Stipendium recherchierte sie in Kenia, mit dem Internationalen Journalisten-Programm (IJP) in Krakau, Polen.

Portrait Benedyk
Tetyana Chernyavska

Im Interview

Wie entstand die Idee zu Ihrem Beitrag und wie haben Sie recherchiert?

Durch einen Leserbrief. Darin erwähnt Gerd-Rolf Rosenberger sogenannte „Tandemfahrten“. Ich konnte mir darunter zunächst nichts vorstellen. In Gesprächen mit ihm und der Familie wurde klar, dass sich dahinter eine außergewöhnliche Geschichte verbarg: die besondere Freundschaft zwischen einem schwer behinderten Mann und seinem Pfleger. Während der Recherche habe ich erfahren habe, wie selten so etwas ist.

Vor welchen Herausforderungen standen Sie dabei?

Die größte Herausforderung bestand darin, Alexander von Friedrichs nicht auf seine schwere Behinderung zu reduzieren. Er spricht nicht und reagiert auf fremde Menschen gestresst. Wie porträtiert man eine Person, die nicht antwortet? Wie lernt man jemanden kennen, der gestresst ist von Fremden? Ich führte viele Gespräche mit der Familie. So entstand ein Vertrauensverhältnis, das es mir ermöglichte, auch Alexander von Friedrichs kennenzulernen. Bei den gemeinsamen Tandemfahrten zeigte sich schließlich eine ganz andere Seite von ihm: Er war glücklich und sang aus voller Kehle.

Von wem und/oder wie wurden Sie dabei unterstützt?

Unterstützt wurde ich vor allem von meinen Kollegen im Ressort. Sie haben die Geschichte hinter dem Thema immer wieder kritisch hinterfragt. Erst dadurch wurde sie mir klar. Einen wesentlichen Beitrag leistete zudem die Familie. Sie gewährte mir sehr offene Einblicke in ihr Leben und nahm sich viel Zeit für Gespräche. Nach der Veröffentlichung sagte mir die Familie von Friedrichs, sie sei selbst überrascht gewesen, wie viel sie eigentlich preisgegeben habe. Für dieses Vertrauen bin ich sehr dankbar.

Was macht für Sie persönlich guten Journalismus aus?

Er findet nicht am Schreibtisch statt, sondern auf der Straße. Er macht abstrakte und komplexe Themen über Geschichten greifbar. Und er verbindet Recherche mit einer Erzählweise, die hängen bleibt.

Was braucht ein herausragender Artikel?

Eine klare These oder Fragestellung. Er muss faktentreu recherchiert sein. Entweder erzählt er eine völlig neue Geschichte, oder zeigt ein Thema aus einer Perspektive, aus der die Leserinnen und Leser es noch nicht betrachtet haben. Gleichzeitig lebt er von einer eigenen Sprache und einer Erzählweise, die der Geschichte gerecht wird. Wirklich gelungen ist ein Artikel dann, wenn er nicht mit dem letzten Satz endet, sondern im Kopf bleibt und Gespräche, Gedanken oder Fragen auslöst.

Was erwarten Sie von der Preisverleihung?

Vor allem freue ich mich auf den Austausch mit Kolleginnen und Kollegen. Die Nominierung empfinde ich als große Anerkennung. Alles Weitere ist ein schöner Bonus.

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