BDZV und MVFP unterstützen transatlantische Initiative für freie und unabhängige Presse
Europäische und kanadische Presseverbände fordern zum EU-Kanada-Gipfel wirksamen Schutz journalistischer Inhalte im KI-Zeitalter zur Stärkung der demokratischen Souveränität
Der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) und der Medienverband der freien Presse (MVFP) beteiligen sich an einer transatlantischen Koalition europäischer und kanadischer Presseverbände. Im Vorfeld des EU-Kanada-Gipfels in Montréal fordert die Koalition die Europäische Union und Kanada auf, sich in ihrer gemeinsamen Erklärung zu Rahmenbedingungen für freie, unabhängige und wirtschaftlich tragfähige Pressemedien zu bekennen. Anlass ist unter anderem die ungehemmte und ungezügelte Nutzung journalistischer Inhalte durch KI-Systeme, etwa für Zusammenfassungen, ohne dass Verlage deren Verwendung ausreichend nachvollziehen und kontrollieren können. Die Koalition fordert deshalb mehr Transparenz, wirksam durchsetzbare Rechte und eine faire Vergütung für die Nutzung dieser Inhalte. Zugleich geht es darum, eine unabhängige und vielfältige Informationslandschaft in Europa und Kanada zu bewahren – als Grundlage einer lebendigen demokratischen Öffentlichkeit.
Nachfolgend dokumentieren BDZV und MVFP die gemeinsame Pressemitteilung der Koalition in deutscher Übersetzung.
Europäische und kanadische Zeitungs- und Zeitschriftenverlage setzen sich gemeinsam für Pressevielfalt ein
Am Vorabend des 21. EU-Kanada-Gipfels, der am 29. und 30. Oktober in Montréal stattfindet, geben Tausende Zeitungs- und Zeitschriftenverlage aus Europa und Kanada die Gründung einer transatlantischen Koalition bekannt. Sie fordern Kanada und die Europäische Union auf, in die gemeinsame Gipfelerklärung ein klares Bekenntnis zu Rahmenbedingungen aufzunehmen, die freie, unabhängige und wirtschaftlich tragfähige Medien sowie vertrauenswürdigen professionellen Journalismus stärken.
Der Koalition gehören die European Newspaper Publishers’ Association (ENPA) und die European Magazine Media Association (EMMA) mit nationalen Mitgliedern an, darunter die Alliance de la presse d’information générale (APIG), der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) und der Medienverband der freien Presse (MVFP). Hinzu kommen der European Publishers Council (EPC), News Media Europe, News Media Canada und Magazines Canada, die zahlreiche weitere nationale und regionale Verbände vertreten.
Die Koalition betont, dass sich die Gesetzgebung mit dem technologischen Wandel weiterentwickeln muss – insbesondere mit Blick auf künstliche Intelligenz (KI). Stärkere Schutzvorkehrungen sollen Verlagen wirksame Möglichkeiten geben, die Nutzung ihrer Inhalte zu genehmigen, nachzuvollziehen und ihre Rechte durchzusetzen. Das ist entscheidend für eine freie, vielfältige und wirtschaftlich tragfähige Presse. Große Technologieunternehmen üben zunehmend Druck auf das Medienökosystem aus und gefährden damit langfristig die Zukunft des unabhängigen Journalismus – eines Grundpfeilers von Demokratie, Grundfreiheiten und informierter öffentlicher Debatte.
Errungene Rechte schützen und durchsetzen
Als Antwort auf die wachsenden Herausforderungen haben sowohl die Europäische Union als auch Kanada Regelungen zum Schutz der freien Presse eingeführt. Dazu zählen das Leistungsschutzrecht für Presseverlage und Kanadas Online News Act. Auch der AI Act der EU trägt der Notwendigkeit Rechnung, im KI-Zeitalter Rechtmäßigkeit, Rechenschaftspflicht und Transparenz sicherzustellen.
Künstliche Intelligenz: eine unmittelbare Herausforderung für die Medienbranche
Der rasante Aufstieg neuer Technologien – darunter KI-generierte Zusammenfassungen in Suchmaschinen – stellt Medienunternehmen auf beiden Seiten des Atlantiks vor große Herausforderungen. Wo geeignete Regeln und Transparenz bei der Durchsetzung von Rechten fehlen, nutzen nicht identifizierte KI-Bots und -Agenten Presseinhalte in großem Umfang ohne Genehmigung oder Vergütung.
KI-generierte Zusammenfassungen halten Leserinnen und Leser von den Websites der Presseverlage fern und schöpfen Werte ab, die die Verlage geschaffen haben. Die Folge sind erhebliche Verluste bei der digitalen Reichweite sowie bei Abonnement- und Werbeerlösen. Das untergräbt eine wichtige Grundlage der Geschäftsmodelle der Verlage und schwächt ihre Fähigkeit, verlässlichen, vielfältigen und am öffentlichen Interesse orientierten Journalismus zu finanzieren. Nötig sind stärkere Schutzvorkehrungen, mit denen Verlage die Nutzung ihrer Inhalte wirksam genehmigen, nachverfolgen und ihre Rechte durchsetzen können.
Gemeinsames Engagement für starke und unabhängige Medien
Die Koalition wird sich gemeinsam für ein transparentes KI-Ökosystem einsetzen, das geistiges Eigentum schützt, Lizenzierungen erleichtert und eine faire Vergütung der Verlage sicherstellt. Dabei müssen die Verlage die volle Kontrolle über ihre Inhalte und den daraus entstehenden Wert behalten.
Transparenzanforderungen sollten auch Rechte an der nachgelagerten Datennutzung erfassen. Zu den Initiativen der Branche gehört der von der SPUR-Koalition entwickelte Standard zur Inhalts-Telemetrie. Er bietet eine praktische Grundlage für interoperable Verfahren, mit denen die Nutzung von Inhalten nachvollziehbar wird. So erhalten Verlage die Informationen, die sie benötigen, um weiter innovativ zu sein, ihre Geschäftsmodelle anzupassen und fundierte Lizenzentscheidungen zu treffen.
Gemeinsame Erklärung der Koalitionsmitglieder: „Unsere Zeitungen und Zeitschriften verfolgen eine gemeinsame Aufgabe: Sie informieren, vermitteln Wissen und tragen zur öffentlichen Debatte bei. Diese Arbeit verursacht Kosten und hat einen Wert. Wenn Plattformen unsere Inhalte ohne Genehmigung oder Vergütung nutzen, schwächt das nicht nur die Verlage, sondern auch unsere Demokratien. Der Gipfel in Montréal bietet Europa und Kanada die Gelegenheit zu zeigen, dass sie gemeinsam für unabhängige und wirtschaftlich tragfähige Medien eintreten.“
Über die Koalition
Die Koalition vereint die European Newspaper Publishers’ Association (ENPA) und die European Magazine Media Association (EMMA) mit nationalen Mitgliedern, darunter die Alliance de la presse d’information générale (APIG), der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) und der Medienverband der freien Presse (MVFP). Hinzu kommen der European Publishers Council (EPC), News Media Europe, News Media Canada und Magazines Canada. Gemeinsam vertreten sie Tausende Zeitungs- und Zeitschriftentitel auf beiden Seiten des Atlantiks.