Wie KI die lokale Berichterstattung stärkt

Wie bleibt lokale Nähe erhalten, wenn Redaktionen unter Ressourcen- und Kostendruck stehen? Die Madsack Mediengruppe setzt auf ein KI-gestütztes Modell für „kleine lokale Texte“. Beim Special Chefredaktionen der BDZV-Digitalkonferenz beBETA stellte Christian Eißner, Leiter redaktionelle Partnerschaften beim RND, das Projekt vor. Der Ansatz: KI übernimmt standardisierte Kurzmeldungen, Redaktionen konzentrieren sich stärker auf exklusive Geschichten und tiefgehende Recherchen.

Auditorium beim Special Chefredaktionen der beBETA 2026
BDZV/Zumbansen Bereits zum 3. Mal trafen sich die Entscheider aus den Redaktionen beim Special Chefredaktionen auf der #beBETA.

Ausgangspunkt war eine Entwicklung vieler Lokalredaktionen: Journalistische Ressourcen fließen zunehmend in digitale Premium-Inhalte, während kleine Meldungen aus Dörfern und Gemeinden oft auf der Strecke bleiben. Auch, weil sie zu viel Kapazität binden. „Wir wollen die Redaktion auf das Finden von Geschichten fokussieren. Doch Leserinnen und Leser vermissen kleine Nachrichten aus ihrem Heimatort“, erklärt Eißner. „Deshalb wollen wir wieder mehr in die Orte schauen und aus den eingehenden Meldungen kleine Nachrichten machen“.

Gerade in der Printzeitung besteht Bedarf an kurzen Meldungen und Service-Inhalten, die oft als „Füllstoff“ für Seitenspalten dienen. Manche Lokalausgaben benötigen täglich deutlich mehr Texte als die digitalen Angebote.

Mensch entscheidet, KI schreibt

Der Workflow bleibt redaktionell gesteuert: Pressemitteilungen, Vereinsberichte oder Veranstaltungsinformationen werden zunächst von Redakteuren geprüft und sortiert. Die Redaktion entscheidet, ob eine Meldung verworfen, zu einer kurzen KI-Meldung verarbeitet oder als Anstoß für eigene Recherchen genutzt wird. Geeignete Inhalte durchlaufen dann einen automatisierten KI-Workflow, der veröffentlichungsfähige Kurztexte erstellt. „Im Hintergrund evaluieren wir den Prozess kontinuierlich“, sagt Eißner. Vor der Veröffentlichung kontrolliert die Redaktion die fertigen Meldungen.  

Das Modell verfolgt mehrere Ziele: mehr Meldungen aus kleinen Orten und damit zufriedenere Print-Leser, Entlastung der Redaktionen von Routineaufgaben und mehr Fokus auf journalistische Kernarbeit. Eißner spricht von einer „Renaissance der Dörfer“, mehr sublokaler Nähe, effizienteren Print-Abläufen und zusätzlicher Zeit für originären Inhalte.

KI als Infrastruktur für Lokaljournalismus

Die KI-generierten Texte werden für Lokalteile, Sonderseiten, Vereinsberichterstattung und E-Paper-Angebote genutzt. Bis September 2026 soll das von den beiden Projektverantwortlichen Daniel Schiffner, Head of AI, Madsack Mediengruppe, und Steffi Gollasch, Leiterin regionale Seitenproduktion RND, entwickelte Modell auf alle Madsack-Titel ausgeweitet werden. Langfristig sind auch längere Formate und weitere Anwendungsfälle geplant.  

Das Projekt zeigt, wie KI journalistische Ressourcen neu verteilt. Die zentrale Frage lautet nicht, ob KI Texte schreiben kann, sondern wie sie Kapazitäten für Recherche, Einordnung und exklusive Inhalte schafft.