Welte warnt vor Extrempositionen bei KI
Philipp Welte, scheidender Vorstandsvorsitzender des Medienverbands der freien Presse (MVFP), hat die Medienbranche zu mehr Gelassenheit im Umgang mit Künstlicher Intelligenz aufgerufen. „Mein Eindruck ist, dass wir in unserer Branche in der Beurteilung von KI zu sehr zwischen Paranoia und Euphorie pendeln“, sagte Welte im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa). „Keines von beidem halte ich für gerechtfertigt.“ Der Beginn der Wertschöpfung der Branche bleibe der menschliche Gedanke. Technologie helfe bei der Verarbeitung, ersetze aber nicht den Menschen.
Mit Blick auf die Debatte um den Thüringer Ministerpräsidenten Mario Voigt sagte Welte, Voigt sei seiner Verantwortung für den veröffentlichten Text „ganz offensichtlich nicht gerecht geworden“. Voigt wird vorgeworfen, mehrere Reden und Gastbeiträge mit Hilfe von KI erstellt zu haben. Es seien falsche Zitate veröffentlicht worden. Die Entscheidung der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, einen Gastbeitrag Voigts zu depublizieren, sei deshalb „absolut korrekt“ gewesen.
Die größere Herausforderung für die Medienbranche sieht Welte bei Suchmaschinen, die ihren Nutzern mit Hilfe von KI-Systemen Antworten liefern, die auf journalistischen Inhalten basieren. „Und die Reichweiten, die heute über KI-generierte Antworten von Google zu unseren journalistischen Angeboten zurückfinden, liegen im Promillebereich.“ Das stelle die Refinanzierung journalistischer Inhalte grundsätzlich infrage.
(dpa)