Europa: Reutlinger Verleger Valdo Lehari zieht sich als ENPA-Vizepräsident zurück
Valdo Lehari ist Mitte Mai zum Ehrenpräsidenten des Europäischen Zeitungsverlegerverbands ENPA ernannt worden. Der Verleger des Reutlinger General-Anzeigers und Vorsitzende des Landesverbands Südwestdeutscher Zeitungsverleger (VSZV) im BDZV, hatte der Organisation viele Jahre als Präsident und Vizepräsident gedient, Anlässlich der jüngsten turnusmäßigen Sitzung und Mitgliederversammlung der ENPA am 19. Mai in Brüssel hatte Lehari sich nicht erneut zur Wahl gestellt. An seiner Statt wurde Matthias Ditzen-Blanke, Vorstandsvorsitzender BDZV und Verlegeger u.a. der Nordsee-Zeitung in Bremerhaven, zum neuen Vizepräsidenten gewählt.
In einer Zeit großer wirtschaftlicher und politischer Herausforderungen für die Zeitungsbranche in Europa wird Valdo Lehari mit seinem Fachwissen die Übergangsphase eng begleiten. Sein Nachfolger im Amt Matthias Ditzen-Blanke beschrieb die Situation so: „Viele sehen die EU kritisch als eine Bürokratiemaschine. Für Valdo Lehari ist sie, bei aller notwendigen Kritik, über Jahrzehnte Garant für Frieden und wirtschaftliche Entwicklung. Mit seiner Ausbildung als Verfassungsrechtler ist er immer dafür eingetreten, dass diese Garantien in Brüssel auch und gerade für die Presse umgesetzt werden. Große Aufgaben, wie die Integration der Presseverlage aus Osteuropa in die politische Arbeit in Europa wurden von ihm wesentlich befördert. Die Herausforderungen durch die Digitalisierung der Gesellschaft und der Presse für Europa hat er aufgrund seiner Zeit in Stanford als einer der Ersten erkannt und von Anfang an auf die Bedeutung der entstehenden Macht digitaler US-Plattformen hingewiesen.
Im Zentrum von Leharis Wirken stand in der Folge das Engagement für gute Rahmenbedingungen einer vielfältigen digitalen Presse in Europa, machte Ditzen-Blanke weiter deutlich. Die Absenkung der Mehrwertsteuer für digitale Presseprodukte von 19 auf sieben Prozent sei sein Verdienst gewesen. An der Einführung des Presseleistungsschutzrechts habe er ebenso großen Anteil wie an mehreren erfolgreichen Wettbewerbsverfahren gegen digitale Gatekeeper und an neuen Regelwerken zum Schutz eines digitalen Europas, wie etwa dem Digital Services Act, dem AI-Act und dem Digital Markets Act. Valdo Leharis „politische Initiativen hatten immer einen zählbaren Wert für die Verlage und stehen für die positive Seite der Europäischen Union“.
Auch Dr. Jörg Eggers, BDZV-Hauptgeschäftsführer und -Vorstandsvorsitzender, charakterisierte Lehari als einen Verleger, „der über Jahrzehnte Medienpolitik geprägt hat: regional verwurzelt, europäisch denkend, verlässlich im Ton und klar in der Sache“. Vom Reutlinger General-Anzeiger über VSZV und BDZV bis zur ENPA habe Lehari immer wieder gezeigt: „Freie Presse braucht zuverlässige wirtschaftliche Grundlagen, faire Regeln, politische Unabhängigkeit und Menschen mit langem Atem. Herzlichen Dank an Valdo Lehari für diesen langen Atem!“
Zuvor hatte ENPA-Präsident Francois le Hoday Lehari als Weggefährten vieler Jahre den herzlichen Dank für die unermüdliche Arbeit zum Wohl der europäischen Presseverlegerbranche ausgesprochen. Sein Engagement sei beispiellos gewesen, sein politisches und persönliches Netzwerk legendär
Den Bogen in die Zukunft schlug Stefan Hilscher, gemeinsam mit Matthias Ditzen-Blanke und Jörg Eggers Vorstandsvorsitzender BDZV. Er sprach dem künftigen ENPA-Ehrenpräsidenten „nicht nur an dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön“ aus – „für sein außergewöhnliches und vor allem ehrenamtliches Engagement für unsere Branche in Europa“. Dieses sei, zeigte Hilscher sich gewiss, „mit seiner Ernennung zum Ehrenpräsidenten nicht beendet, zumal er den Übergang auf Matthias Ditzen-Blanke und Jörg Eggers begleiten werde. „Beiden einen guten Start in Brüssel!“