Szenarien-Studie skizziert Erlösverluste bis 2035
Die publizistische Medienbranche könnte bis 2035 erhebliche Erlösverluste verzeichnen. Ein Gutachten von Prof. Dr. Christian Zabel und Prof. Dr. Ulrike Rohn im Auftrag von ARD, ZDF und Deutschlandradio beschreibt vier mögliche Entwicklungen des deutschen Medienmarkts. Bezogen auf die Werbe- und Vertriebserlöse von 2024 reichen die modellierten Rückgänge von 10 Prozent im günstigsten bis 43 Prozent im ungünstigsten Szenario. Der Unterschied beträgt 8,5 Mrd. €. Die Szenarien stellen keine Prognosen dar.
Auch die Zahl professioneller Journalistinnen und Journalisten könnte bis 2035 um 12 bis 50 Prozent zurückgehen. Für den Nutzungsanteil hiesiger publizistischer Anbieter zeigen die Szenarien Rückgänge von 18 bis 47 Prozent, für das TV-Auftragsvolumen von 5 bis 31 Prozent. Allen Szenarien gemeinsam ist die Annahme, dass Plattformen und KI-Anbieter zentrale Zugänge zum Publikum kontrollieren und die Zahlungsbereitschaft für digitale Inhalte gering bleibt.
Grundlage des Gutachtens sind 57 ausgewertete Studien und daraus abgeleitete 51 Trends. Diese wurden von 34 Experten hinsichtlich ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit und ökonomischen Bedeutung bewertet. Schätzungen von 13 Experten dienten anschließend dazu, zentrale Marktgrößen für die Szenarien zu beziffern.
Die Autoren sehen vor allem in der Regulierung internationaler Plattformen, erleichterten Kooperationen und neuen Geschäftsmodellen Handlungsmöglichkeiten. Sie nennen unter anderem Vergütungsmodelle für die KI-Nutzung publizistischer Inhalte, gemeinsame technische Infrastrukturen und neue Angebote für Communities. Auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk soll nach ihrer Auffassung stärker mit privaten Medienunternehmen kooperieren und gemeinsame Infrastrukturen entwickeln.