Russland „fahndet“ nach FAZ-Korrespondenten
Die russischen Behörden haben Michael Martens, Balkan-Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), zur Fahndung ausgeschrieben. Nach Angaben der staatlichen russischen Nachrichtenagentur TASS findet sich sein Name in der Fahndungsdatenbank des russischen Innenministeriums. Als Grund wird ein Strafverfahren genannt. Martens wird nach russischen Angaben unter anderem „Anstiftung zum Hass“ vorgeworfen.
Auslöser ist eine Frage, die Martens dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vor zwei Wochen auf einer Pressekonferenz in Belgrad gestellt hatte. Die FAZ bezeichnete die Frage anschließend als missverständlich formuliert, stellte sie klar und bedauerte die Formulierung.
Die FAZ sieht in der russischen Fahndung einen Einschüchterungsversuch gegen einen deutschen Journalisten und die freie Presse. Sie weist das Vorgehen als Versuch zurück, unabhängige Berichterstattung durch strafrechtliche Drohungen zu behindern. Damit richtet sich ihre Kritik ausdrücklich gegen den Einsatz staatlicher Strafverfolgung gegenüber einem Journalisten wegen seiner publizistischen Arbeit.
„Die Pressefreiheit ist nicht verhandelbar“, erklärt die FAZ. Sie gelte auch dann, wenn Fragen oder Berichte Kritik auslösten.