Reuters Digital News Report: Der Druck steigt
Der Reuters Institute Digital News Report 2026 zeigt eine weitere Verlagerung der Nachrichtennutzung auf Plattformen. Danach nutzen im Durchschnitt der 48 untersuchten Märkte 54 Prozent der Befragten soziale Medien und Videonetzwerke als Nachrichtenquelle in der vergangenen Woche. Damit liegen sie erstmals vor den Websites und Apps von Nachrichtenanbietern, die auf 51 Prozent kommen. Bezieht man KI-Chatbots ein, steigt der Anteil der Drittplattformen auf 56 Prozent. Für Verlage betrifft diese Entwicklung Reichweite, Bindung und Erlöse, weil der direkte Zugang zu eigenen Angeboten weiter unter Druck gerät.
Der Bericht stützt sich auf Daten von 97.520 Befragten. YouGov führte die Online-Befragung von Mitte Januar bis Ende Februar 2026 durch. Für Deutschland umfasst die Stichprobe 2.001 Befragte; die Internetdurchdringung gibt die Studie mit 93 Prozent an. Die Autoren weisen darauf hin, dass Online-Stichproben ältere und weniger wohlhabende Bevölkerungsgruppen eher unterrepräsentieren können.
Deutschland bleibt stärker bei TV
In Deutschland fallen die Plattformverschiebungen gemäßigter aus, sind aber sichtbar. Der Anteil derjenigen, die soziale Medien und Videonetzwerke als Hauptquelle für Nachrichten nennen, stieg um vier Prozentpunkte auf 18 Prozent; bisher war diese Nutzung dort historisch niedrig. 53 Prozent der Befragten in Deutschland sahen in der Vorwoche Online-Nachrichtenvideos; 2023 lag dieser Wert bei 45 Prozent. Zugleich gehört Deutschland mit den Niederlanden und Dänemark zu den drei Märkten, in denen TV-Nachrichten noch mehr Menschen erreichen als Online-Nachrichtenvideos.
Die Nutzung von KI-Chatbots für News liegt in Deutschland bei fünf Prozent und nahm laut Bericht im Jahresvergleich nicht zu. Im Durchschnitt aller Märkte nutzen zehn Prozent KI-Chatbots für Nachrichten, bei Unter-35-Jährigen sind es 16 Prozent. Das Nachrichteninteresse ist auch in Deutschland gesunken: 51 Prozent bezeichnen sich als äußerst oder sehr interessiert an Nachrichten. Gegenüber 2015 entspricht das einem Rückgang um 23 Prozentpunkte.
Vertrauen in Deutschland stabiler als global
Beim Vertrauen weicht Deutschland vom globalen Trend ab. Während der Anteil der Menschen, die Nachrichten meistens vertrauen, im Durchschnitt aller Märkte auf 37 Prozent sank und damit den niedrigsten Wert seit Beginn der Messung 2015 erreichte, weist der Bericht für Deutschland gegenüber 2025 ein Plus von einem Prozentpunkt aus. Die Bewertung großer Themen fällt unterschiedlich aus: Bei der Ukraine-Berichterstattung ergibt sich in Deutschland eine positive Netto-Differenz von vier Prozentpunkten zwischen guter und schlechter Bewertung. Bei Trump liegt sie bei -1, bei Inflation bei -3, bei Nahost und Klima jeweils bei -7 und bei Migration/Einwanderung bei -23 Prozentpunkten.
Für das Bezahlen von Online-News verzeichnet die Studie im 20-Länder-Korb unverändert 17 Prozent. Deutschland liegt bei elf Prozent. Gleichzeitig gewinnen alternative Zugänge an Bedeutung: Weltweit haben 27 Prozent Nachrichten von auf News fokussierten Creatoren oder Influencern genutzt. 13 Prozent sehen die meisten oder alle Nachrichtenbedürfnisse durch solche Creatoren erfüllt. In Deutschland liegt dieser Wert bei sieben Prozent. Der Bericht ordnet Creator dabei überwiegend als Ergänzung, nicht als Ersatz traditioneller Nachrichtenanbieter ein.