MVFP stellt sich neu auf
Der Medienverband der freien Presse (MVFP) hat Lars Joachim Rose am 30. Juni 2026 in Berlin einstimmig zum neuen Vorstandsvorsitzenden gewählt. Der Verleger der Mediengruppe Klambt folgt auf Philipp Welte, der nach vier Jahren nicht erneut kandidierte. Dem für vier Geschäftsjahre gewählten Vorstand gehören außerdem Dr. Alfons Schräder als Vorstand und Schatzmeister sowie Thomas Hass, Holger Knapp, Detlef Koenig, Elisabeth Varn und Frank Zeithammer an. Thomas Hass und Elisabeth Varn rücken neu in das Gremium ein.
Rose verband die Wahl mit dem Ruf nach größerer Geschlossenheit der Zeitschriftenverlage. Kein Verlag könne die Fragen von Plattformmacht, Sichtbarkeit, Refinanzierung und KI allein lösen, sagte er. Thomas Hass sprach sich dafür aus, die politische Arbeit auf Plattformen, KI-Anbieter, Kartellrecht und stabile Marktzugänge zu konzentrieren.
Beim Medienforum der freien Presse im Allianz Forum Berlin warb Nathanael Liminski, Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales sowie Medien des Landes Nordrhein-Westfalen und Chef der Staatskanzlei, vor rund 230 Gästen für politische Maßnahmen zugunsten wirtschaftlich unabhängiger Verlage. „Die beste Absicherung journalistischer Unabhängigkeit und redaktioneller Vielfalt ist wirtschaftliche Unabhängigkeit“, sagte Liminski. Er unterstütze den „Berliner Appell“ von 350 Verlagen, der unter anderem einen Belastungsstopp für die Presse, fairen Pressevertrieb im Internet, ein zeitgemäßes Pressekartellrecht und Schutz vor KI-Ausbeutung fordert.
Die weiteren Panels zeigten, wie eng die politischen Forderungen mit redaktionellen und wirtschaftlichen Fragen verbunden sind. In der Journalismus-Debatte stand weniger die bloße Effizienz von KI im Vordergrund als die Frage, wie Redaktionen Glaubwürdigkeit, Fehlerkultur und journalistische Priorisierung sichern. Journalismus dürfe sich nicht darauf beschränken, Inhalte neu zu kompilieren. Seine Aufgabe bleibe es, Widersprüche zu erkennen, relevante Geschichten zu gewichten und Vertrauen durch menschliche Urteilskraft zu schaffen.
Im Wirtschafts-Panel ging es um die Rolle journalistischer Umfelder im Werbemarkt. Einig waren sich die Diskussionsteilnehmer, dass Verlage den Wert journalistischer Umfelder gegenüber der Werbewirtschaft betriebswirtschaftlich mit deren besonderer Werbewirkung und nicht gesellschaftspolitisch begründen sollten. Kunden dürften sich nicht von intransparenten Plattform-Kennzahlen blenden lassen. Zugleich bleibt die strukturelle Asymmetrie gegenüber großen Plattformen bestehen. Das freie Internet müsse auffindbar und buchbar bleiben; verlässliche journalistische Angebote könnten dabei auch im Umfeld KI-gestützter Produkte an Bedeutung gewinnen.
Den Abschluss bildete das wissenschaftliche Resümee von Prof. Dr. Bernhard Pörksen. Er beschrieb die Entwicklung als neues Medienökosystem, in dem Big Tech zu Big AI werde. Für die freie Presse ergebe sich daraus eine doppelte Aufgabe: Sie müsse technologische Veränderungen nutzen, ohne Kontrolle über Inhalte, Archive und Vertrauen zu verlieren, und zugleich auf Regulierung drängen, damit journalistische Arbeit auch unter den Bedingungen digitaler Gatekeeper wirtschaftlich tragfähig bleibt.