Instagram und Facebook bergen Suchtrisiken
Die Europäische Kommission sieht bei Instagram und Facebook nach vorläufigen Ergebnissen einer zweijährigen Untersuchung zu große Suchtrisiken für Kinder und Jugendliche. Sie treibt deshalb das Verfahren gegen den Mutterkonzern Meta voran. Der Konzern muss auf die Vorwürfe reagieren. Kann er sie nicht entkräften oder nimmt er keine Änderungen vor, könnte die Kommission eine Strafe von bis zu sechs Prozent des Jahresumsatzes verhängen. Bei Meta wären das mehr als 12 Milliarden Euro.
Kritik an Plattformfunktionen
Die Kommission kritisiert insbesondere das endlose Scrollen, das automatische Abspielen immer neuer Videos und stark personalisierte Empfehlungen. Auch Benachrichtigungen, die Nutzerinnen und Nutzer wiederholt auf die Plattformen zurückholen, gelten der Behörde als problematisch. Nach ihrer Einschätzung richten die Algorithmen die Auswahl der Inhalte zu stark an der Nutzerinteraktion aus.
Die bisherigen Maßnahmen von Meta zum Schutz Minderjähriger und vulnerabler Erwachsener reichen aus Sicht der Kommission nicht aus. Zeitmanagement-Funktionen wie Tageslimits oder Pausenzeiten ließen sich leicht deaktivieren. Andere Angebote der Kindersicherung seien nur wirksam, wenn Eltern über ausreichende technische Kenntnisse verfügten und sich eingehend mit den Funktionen beschäftigten. Als mögliche Änderungen nennt die Behörde die standardmäßige Abschaltung des endlosen Scrollens und der automatischen Videowiedergabe, wirksame Bildschirmpausen sowie weniger interaktionsorientierte Empfehlungen.
Weitere Verfahren
Parallel läuft ein weiteres EU-Verfahren gegen Meta. Dabei geht es um die Durchsetzung des in den Nutzungsbedingungen festgelegten Mindestalters von 13 Jahren. Meta kündigte zuletzt an, Künstliche Intelligenz (KI) stärker einzusetzen, um das Alter von Kindern und Jugendlichen auf Instagram, Facebook und Threads zu kontrollieren. Auch gegen TikTok läuft wegen möglicher Suchtrisiken ein Verfahren. Die Ergebnisse dürften in die Debatte über gesetzliche Altersgrenzen und mögliche Social-Media-Verbote für Minderjährige einfließen.
(dpa)