Frühe Social-Media-Nutzung verschlechtert Schulleistungen

Kinder, die bereits vor der neunten Klasse ein Social-Media-Konto eröffnen, erzielen später im Durchschnitt schlechtere schulische Leistungen. Zu diesem Ergebnis kommt eine im Fachblatt «Nature Human Behaviour» veröffentlichte Studie aus Italien. Die Forschenden um Marco Gui von der University of Milano-Bicocca in Mailand befragten mehr als 5.000 Schülerinnen und Schüler und werteten deren spätere Leistungstests aus.

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Verglichen wurden Kinder, die schon in der sechsten, siebten oder achten Klasse ein Konto bei TikTok, Instagram, Facebook oder anderen sozialen Netzwerken hatten, mit Jugendlichen, die mindestens bis zur neunten Klasse warteten. Die frühe Nutzergruppe schnitt in Mathematik und in der Muttersprache Italienisch schlechter ab. Außerdem wiederholten diese Schülerinnen und Schüler häufiger eine Klasse. In Englisch zeigten sich dagegen keine Leistungsunterschiede.

Die Forschenden vermuten, dass englischsprachige Inhalte auf sozialen Plattformen das informelle Erlernen der Sprache fördern könnten. Die möglichen Ursachen für die insgesamt schwächeren Leistungen untersuchte die Studie jedoch nicht. Frühere Forschung verweist unter anderem auf Ablenkung, eine geringere Lernzeit und eine mögliche Überlastung des Arbeitsgedächtnisses. Das Forschungsteam berücksichtigte nach eigenen Angaben auch das Bildungsniveau der Eltern sowie den sozialen und wirtschaftlichen Hintergrund der Familien.

Klaus Zierer, Ordinarius für Schulpädagogik an der Universität Augsburg, hält die Leistungsunterschiede für erheblich. Zwischen Jugendlichen, die in der sechsten Klasse ein Social-Media-Konto eröffneten, und Jugendlichen mit einem Konto ab der neunten Klasse habe der Abstand in späteren Tests einem halben Schuljahr entsprochen. María Paz Prendes Espinosa, Professorin für Bildungstechnologie an der University of Murcia in Spanien, warnt dagegen vor zu einfachen Schlussfolgerungen. Verbote allein könnten die Probleme nicht lösen. Entscheidend sei eine Bildung, die junge Menschen zum kompetenten Umgang mit Technologie befähige.

(dpa)