BVDA-Tagung diskutiert Lokaljournalismus und KI

Die Jahrestagung des Bundesverbands kostenloser Wochenzeitungen (BVDA) brachte 170 Gäste in Essen zusammen. Zu den Themen des Programms gehörten u.a. die gesellschaftliche Bedeutung des Lokaljournalismus und die Herausforderungen durch Künstliche Intelligenz. Prof. Dr. Wiebke Möhring von der TU Dortmund beleuchtete die Rolle lokaler Berichterstattung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. David Schraven von Correctiv warnte vor den Folgen zunehmender Plattformabhängigkeit.

Prof. Dr. Wiebke Möhring beim BVDA
BVDA / Bernd Brundert Prof. Dr. Wiebke Möhring bei der BVDA-Tagung 2026

Möhring verwies auf Untersuchungen, nach denen sich mehr als 80 % der Menschen für Nachrichten aus ihrer Gegend interessieren. Die Nutzung lokaler Nachrichten hänge positiv mit sozialer Integration und zivilgesellschaftlichem Engagement zusammen. Fehle lokale Presse, leide laut den von ihr vorgestellten Untersuchung die Qualität ortsbezogener Informationen. Auch Gemeinsinn und Zugehörigkeitsgefühl würden geschwächt, während Korruption und Gesetzesverstöße zunähmen.

Schraven kritisierte in seinem Impulsvortrag den Umgang großer Plattformen mit journalistischen Inhalten. Insbesondere KI-generierte Zusammenfassungen von Newslettern gefährdeten nach seiner Einschätzung den direkten Kontakt zum Publikum und damit verbundene Erlöse. Er sprach von einem „Raubmordkopier-Effekt“. Statt weiter in Plattformreichweite zu investieren, sollten Medien verstärkt auf eigene Zugangswege setzen und vor Ort Gemeinschaft und Erlebnisse schaffen.

Im Rahmen der Tagung verlieh der BVDA zudem den Durchblick-Preis 2026. Der mit 5.000 Euro dotierte erste Preis ging an Tomas Cabanis, Stefan Seitz, Roderich Trapp und Jörn Koldehoff für das „OB-Duell“ der Wuppertaler Rundschau. Die Auszeichnung wurde in diesem Jahr neu ausgerichtet und legt einen stärkeren Schwerpunkt auf publizistische Qualität und gesellschaftliche Relevanz.