#beBETA 2026: „Die Honeymoon-Phase der KI ist vorbei“

Aufbruchsstimmung in Berlin – die Gegenwart ist digital

Die Aufbruchsstimmung war greifbar. Mehr als zwei Tage lang diskutierten rund 200 Verlagsmanager, Produktverantwortliche, Journalistinnen und Digitalexperten auf der #beBETA 2026 in Berlin darüber, wie Journalismus, Technologie und Geschäftsmodelle gemeinsam Zukunft gestalten können. Die zentrale Botschaft: Die Experimentierphase rund um Künstliche Intelligenz ist vorbei. Jetzt geht es darum, aus Ideen nachhaltiges Wachstum zu machen.

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BDZV/Zumbansen

KI-Euphorie ist vorbei

„Die Honeymoon-Phase bei KI ist vorbei“, brachten die Moderatorinnen Helene Pawlitzki und Laura Terberl die Stimmung auf den Punkt. Gleichzeitig zeigte die Konferenz eindrucksvoll, wie weit die Branche bereits gekommen ist: 96 Prozent der Verlage setzen KI inzwischen redaktionell ein, 64 Prozent erwarten eine stärkere Nutzerbindung durch Personalisierung und 68 Prozent rechnen damit, innerhalb der kommenden fünf Jahre den digitalen Break-even zu erreichen.

Zum Auftakt warfen Stephanie von Unruh (Geschäftsführerin NWZ Mediengruppe und BDZV-Vorstand Märkte) und Nico Wilfer (Chief Product and Sales Officer FAZ und BDZV-Vorstand Trends & Innovation) den Blick nach vorn. Ihr Appell: „Wir müssen innovativ bleiben – und dabei noch schneller, noch konsequenter und noch plattformübergreifender werden.“ Und: Trotz wachsender Herausforderungen durch KI-Plattformen und neue Gatekeeper bleibe starker Journalismus die wichtigste vertrauenswürdige Informationsquelle in einer von Desinformation geprägten Zeit.

Aufstieg zum Digital-Gipfel

Besonders eindrucksvoll schilderte Dr. Daniel Süper den digitalen Wandel von Lensing Media. Unter dem Titel „Expedition zum Gipfel“ zeichnete er den Weg des regionalen Medienhauses nach, das konsequent auf digitale Erlöse setzt. Das Ziel: 111.111 Digitalabos bis 2028. Aktuell zählt Lensing bereits 66.666 digitale Abonnements und finanziert seinen Newsroom zunehmend über digitale Vertriebserlöse. „Was wirklich über den Erfolg unseres Abomodells entscheidet, ist unser Journalismus“, ist sich Süper sicher.

„Culture eats strategy for breakfast“, zitierte er – und machte deutlich, dass erfolgreicher Wandel vor allem eine Frage von Führung, Teamgeist und Unternehmenskultur ist. Sein Credo: „Digitaler Erfolg = EIN Team.“

Tradition trifft Technologie

Wie sich Tradition und Innovation verbinden lassen, zeigte Johanna Heise von der Heise-Gruppe. Werte wie Zukunftsorientierung, Verlässlichkeit und Unabhängigkeit seien gerade im KI-Zeitalter ein Wettbewerbsvorteil. „Tradition trifft Tech“ lautete ihre Formel für nachhaltige Transformation.

Auch die Vorträge von Jessica Peppel-Schulz (Tamedia), Andreas Dengel (DFKI), Lou Grasser (Le Monde), Ignaz van Hasselt (Mather Economics), Markus Franz (ippen.ai) und Charlotte Morré (Handelsblatt) machten deutlich, dass technologische Innovation und journalistische Qualität gemeinsam die Grundlage erfolgreicher Medienangebote bilden.

Warum Newsletter Gold wert sind

Einen sehr praxisnahen Einblick lieferte Lina Timm vom RND. Sie machte deutlich, warum Newsletter längst mehr sind als Reichweiteninstrumente. Sie können der Schlüssel zur Abo-Strategie sein. „Newsletter als Produkt gedacht“ lautet die Devise. Mit inzwischen 76 lokalen Newslettern, Öffnungsraten von bis zu 70 Prozent und zwölf Millionen versendeten E-Mails pro Monat zeigt das RND, wie Loyalität und Abowachstum entstehen. 

Nicht Klickraten, sondern das Etablieren von Gewohnheiten sieht Timm als den eigentlichen Mehrwert von Newslettern. Loyale Nutzerinnen und Nutzer, die eine Medienmarke jeden Tag in ihr digitales Postfach bekommen, sind auf dem besten Wege zum Plus-Abonnement. Timms Rat für die Produktentwicklung: Prototypen schnell auf den Markt bringen, vom Feedback lernen, Produkte kontinuierlich weiterentwickeln. „Sie müssen nicht gleich mit der Hochzeitstorte starten. Lieber erst kleine Törtchen backen und die dann optimieren.“

Von Silicon Valley bis Lokaljournalismus

Weitere Impulse kamen unter anderem von Staatsminister Dr. Wolfram Weimer (siehe separater Beitrag), KI-Pionier Richard Socher aus dem Silicon Valley, Jan Freythaler und Sophie Janz vom kicker, Dr. Thorsten Schmiege von der BLM sowie Theresa Eickhoff von der VRM. Ob Paid Content, Plattformregulierung, Bewegtbild oder KI-Anwendungen: Die Bandbreite der Themen zeigte die enorme Dynamik, mit der sich die Branche derzeit weiterentwickelt.

Zukunft wird gestaltet

Die #beBETA 2026 hat deutlich gemacht: Die Herausforderungen sind groß, aber Engagement und Innovationsfreude sind es auch. Wer Technologie, Produktdenken und journalistische Qualität zusammenbringt, kann die Zukunft aktiv gestalten. Oder, um es mit einem Gedanken der Konferenz zu sagen: Die Gegenwart ist digital. Jetzt kommt es darauf an, daraus nachhaltigen Erfolg zu machen.