Jost Maurin

Kurzbiographie des Nominierten in der Kategorie Wächterpreis 2026

Jost Maurin, Jahrgang 1974, ist Redakteur im Ressort Wirtschaft + Umwelt der Tageszeitung „taz“. Er schreibt schwerpunktmäßig über Landwirtschaft – vor allem über ihre Auswirkungen auf die Umwelt, über Gesundheitsrisiken durch Pestizide und über rechtsradikale Tendenzen in der Branche. Er kann sich aber auch für Themen wie die seiner Meinung nach problematische Rolle mancher Influencer und deren Plattformen begeistern. Für seine Arbeit hat er mehrere Journalistenpreise erhalten. Bevor er 2008 zur taz kam, war er Redakteur bei der Nachrichtenagentur Reuters und Volontär bei der Süddeutschen Zeitung.

Portrait Jost Maurin
Jost Maurin

Im Interview

Wie entstand die Idee zu Ihrem Beitrag und wie haben Sie recherchiert?

Ich beobachte die Agrarbranche seit fast 20 Jahren. Dort wurde immer wieder diskutiert, ob Pestizide Parkinson verursachen. Als ich von den Schwierigkeiten erfuhr, die Betroffene bei der Anerkennung ihrer Erkrankung durch die Unfallversicherung haben, habe ich zunächst mit Gewerkschaftern und Landwirten gesprochen. So kam ich auf den Protagonisten und seine Frau. Zentrale Angaben hat sie durch Dokumente belegt, die sie mir gezeigt hat. Zusätzlich habe ich mit der Berufsgenossenschaft der Landwirte, Wissenschaftlern, Bauernverbänden, Behörden, Industrielobbyisten und Umweltorganisationen gesprochen.

Vor welchen Herausforderungen standen Sie dabei?

Das Treffen mit den Protagonisten war emotional nicht leicht, weil ihre Situation sehr belastend ist. Ich habe lange überlegt, ob ich ihre echten Namen nennen sollte. Am Ende habe ich mich dagegen entschieden. Mir war wichtig zu verhindern, dass Menschen, denen es ohnehin schon schlecht geht, zusätzlich Anfeindungen wegen des Artikels erleben. Gerade in ländlichen Regionen, in denen viele Menschen einander kennen, kann das schnell passieren. Eine Herausforderung war auch, dass wissenschaftliche Stellungnahmen und Kontroversen zu Pestiziden für Außenstehende teils schwer zu verstehen sind. Aber dabei konnte ich auf jahrzehntelange Erfahrung mit solchen Themen zurückgreifen.

Von wem wurden Sie unterstützt?

Natürlich von meiner Redaktion. Die „taz“ räumt Themen rund um die Landwirtschaft traditionell mehr Platz ein als andere Zeitungen. Denn gerade meinem Ressort war schon lange klar, dass die Branche einen großen Einfluss auf die Umwelt hat, schon weil sie rund die Hälfte der deutschen Landfläche bewirtschaftet. Und nicht zuletzt: Die Landwirte ernähren uns. Sie haben auch großen politischen Einfluss, wie sich beispielsweise bei den Bauernprotesten unter der Ampelkoalition gezeigt hat.

Was macht für Sie persönlich guten Journalismus aus?

Zum Beispiel das Streben nach „Wahrheit“. Das mag banal klingen. Aber gerade in manchen neuen Medien - etwa einigen Youtube-Kanälen - scheint es diesen Anspruch nicht zu geben.

Was braucht ein herausragender Artikel?

Das Thema muss relevant sein. Es sollte von allen wichtigen Seiten kritisch recherchiert und nicht nur oberflächlich beleuchtet werden. Und es muss so erzählt werden, dass auch Menschen ohne viel Vorwissen es verstehen können.

Was erwarten Sie von der Preisverleihung?

Inspiration für meine weitere Arbeit und spannende Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen.

 

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