Paul Weinheimer
Kurzbiographie des Nominierten in der Kategorie Gesellschaft & Dialog
Paul Weinheimer, Jahrgang 1994, studierte Soziologie im Master in Hamburg und Prag und schrieb seine Abschlussarbeit zur Risikosoziologie von Niklas Luhmann. Er ließ sich an der Reportageschule ausbilden, um danach unter anderem frei für Die ZEIT, die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die Süddeutsche Zeitung und chrismon zu arbeiten. Seine Reportagen führten ihn in verwahrloste Hundeheime in der Türkei oder an den Ballermann, wo er junge Evangelikale beim Missionieren begleitete. Seit 2026 ist er Redakteur im Gesellschaftsressort der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Für seine Texte wurde er mehrfach ausgezeichnet.
Im Interview
Wie entstand die Idee zu Ihrem Beitrag und wie haben Sie recherchiert?
Meine Themen kommen meist zu mir. So war es auch bei diesem. Das Profil von „Kronkorken Frank“ tauchte in meinem Instagram-Feed auf. Zunächst dachte ich, dass es zu nischig sei: ein Kronkorken-Sammler. Dann habe ich aber schnell verstanden, dass die Hintergrundgeschichte ein Thema behandelt, das sehr viele Menschen in der Gesellschaft betrifft: die Pflege eines Angehörigen und die damit einhergehende Einsamkeit.
Vor welchen Herausforderungen standen Sie dabei?
Es war nicht immer einfach, den notwendigen professionellen Abstand zu wahren. Gerade bei Geschichten, die tief in die Lebenswelt und Biografie einer Person eintauchen, verschwimmen die Grenzen zwischen Nähe und Distanz schnell. Einerseits zeigt das, dass man dem Protagonisten wirklich nahekommt. Andererseits ist es ein Warnsignal, denn spätestens beim Schreiben muss man wieder einen Schritt zurücktreten.
Wie wurden Sie unterstützt?
An meinen Pitch haben zunächst nur wenige geglaubt. Von verschiedenen Redaktionen erhielt ich Absagen. Für die chrismon-Redaktion war die Geschichte jedoch von Anfang an erzählenswert. Dort habe ich die Zeit und den Raum bekommen, sie aufzuschreiben. Dafür bin ich sehr dankbar. Unterstützt haben mich außerdem meine Eltern, die sich jede Recherche geduldig anhören. Mein Dank gilt auch meiner Freundin Theresa Weise und meinem Freund Erik Hlacer. Und ganz besonders Mario Wezel: Er hat die Geschichte nicht nur fotografiert, sondern sie auch immer wieder mit mir reflektiert und weitergedacht.
Was macht für Sie persönlich guten Journalismus aus?
Dass man offenbleibt. Dass man sich Zeit nimmt, um wirklich zuzuhören und nachzudenken. Dass man an gute Geschichten glaubt, auch, wenn es andere nicht tun.
Was braucht ein herausragender Artikel?
Er muss nicht klug klingen durch die Worte, die in ihm stehen, sondern durch das, was er aussagt.
Was erwarten Sie von der Preisverleihung?
Einen schönen Abend und gute Gespräche.