Clara Geilen
Kurzbiographie der Nominierten in der Kategorie Lokales & Zusammenhalt
Clara Geilen, geboren 1998 in Leipzig, studierte bis 2023 Rechtswissenschaften an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Schon als Abiturientin interessierte sie sich für den Journalismus, ließ sich aber davon abraten, in diese Richtung zu studieren. Nach dem Examen festigte ein Praktikum bei der Mitteldeutschen Zeitung ihren Wunsch, Lokalreporterin zu werden. 2023 begann sie ihr Volontariat bei der Leipziger Volkszeitung, in dessen Rahmen der nominierte Artikel entstand. Seit September 2025 ist sie Lokalreporterin im Landkreis Nordsachsen.
Im Interview
Wie entstand die Idee zu Ihrem Beitrag und wie haben Sie recherchiert?
Die Initialzündung für den Text kam durch den starken Anstieg sexueller Gewalt in der Polizeilichen Kriminalstatistik. Wir wollten das Phänomen anhand einer persönlichen Geschichte darstellen. Die Protagonistin des Texts kannte ich aus der Gerichtsverhandlung, die ein Jahr zuvor stattgefunden hatte - ihre besondere Geschichte und herausragende Stärke war mir in Erinnerung geblieben. Ich schrieb ihre Anwältin an und zu meinem Glück und meiner Überraschung wollte die Betroffene sprechen.
Vor welchen Herausforderungen standen Sie dabei?
Herausfordernd war bei unserem Gespräch, eine professionelle Distanz zu wahren. Vielleicht ist das aber bei solchen Begegnungen auch gar nicht vollständig möglich und vielleicht auch nicht immer ratsam, weil es eine Nähe und Vertrauensbasis braucht, um so eine Geschichte überhaupt zu teilen.
Von wem wurden Sie unterstützt?
Unterstützt wurde ich beim Endspurt maßgeblich von meinem Kollegen Josa Mania Schlegel, der mir bei der Textarbeit unter die Arme gegriffen hat.
Was macht für Sie persönlich guten Journalismus aus?
Menschliche Geschichten sind erzählenswert, aber es braucht auch immer Menschlichkeit auf Seiten der schreibenden Person. Journalismus ist vermutlich aktuell mehr denn je ein Balanceakt. Wir dürfen nicht zu voyeuristisch werden, gleichzeitig kämpft die gesamte Branche um jeden Klick und am Ende um jede Leserin und jeden Leser - wir müssen uns da selbst immer wieder kontrollieren, dass wir den richtigen Ton treffen.
Was braucht ein herausragender Artikel?
Auch wenn es kein Universalrezept ist: Eine persönliche Geschichte ist nie austauschbar, sie bleibt in Erinnerung und sie schafft es bestenfalls, komplexe Probleme eindrücklich darzustellen. Ich hoffe, dass mir das mit dieser Arbeit ein Stück weit gelungen ist.