Christoph Urban

Kurzbiographie des Nominierten in der Kategorie Lokales & Zusammenhalt

Christoph Urban, Jahrgang 1992, hat in Regensburg Philosophie, Politikwissenschaft und Germanistik studiert. Ein Nebenjob bei der EishockeyNEWS und Gastvorträge von Kurt Kister, Stefan Kornelius und Ulrich Schmid an der Uni machten ihn neugierig auf Journalismus, sodass er ein Volontariat in der Stadtredaktion des Straubinger Tagblatts begann, wo er anschließend als Redakteur arbeitete. Inzwischen leitet er die neu aufgebaute Digital- und Seite-3-Redaktion der Mediengruppe Attenkofer, wo er die Nachrichtenseite idowa.de weiterentwickelt und größere Recherchen in Bayern mit seinem Team für die Seite 3 der Zeitungen der Mediengruppe umsetzt.

Portrait Christoph Urban
privat

Im Interview

Wie entstand die Idee zu Ihrem Beitrag und wie haben Sie recherchiert?

Nach dem ersten Ausbruch aus der Hochsicherheitsklinik in Straubing nach etwa 30 Jahren war viel Verunsicherung in der Stadt zu spüren. Klar, schließlich hatten die Ausbrecher einen Mitarbeiter schwer verletzt und als Geisel genommen. Aber ich las und hörte in Gesprächen, „solche“ sollten weggesperrt bleiben, die Patienten dort hätten doch wohl ihre Rechte verwirkt, am besten solle man das mit ihnen machen, was sie ihren Opfern angetan hatten. Mich hat diese Rohheit fassungslos gemacht. Und ich habe bemerkt, dass Leute, die so etwas sagen, nicht wissen und gar nicht wissen wollen, was es mit der Psychiatrie und den Patienten dort auf sich hat. Viel bequemer: pauschal verteufeln. Darum wollte ich darüber berichten, was hinter den Mauern der Klinik passiert. Die Menschen, die Täter und Patienten zugleich sind, in dieser Differenziertheit zeigen.

Vor welchen Herausforderungen standen Sie dabei?

Die erste Herausforderung war: da überhaupt reinzukommen. Hier half, dass ich in der Lokalredaktion jahrelang über die Klinik berichtet und der neue Leiter uns als vertrauenswürdig kennengelernt hatte. In einem Hintergrundgespräch bot er an, bevor ich fragen konnte: „Sie bekommen einen Schlüssel, schauen sich um und schreiben, was Sie wollen, ich vertrau Ihnen da.“ Damit war eigentlich alles gesagt. Es folgten trotzdem noch vier Monate Verhandlung mit dem Bezirk, dem Träger der Klinik, bis ich im Februar 2025 reindurfte.

Ich war an vier Tagen einer Woche in der Klinik, hatte wie versprochen einen Schlüssel für jede Tür, konnte machen, was ich wollte, und sprechen, mit wem ich wollte. Es war teils einschüchternd und überwältigend, aber man will ja – irgendwie, egal wie – mit Text und Bildern entkommen, darum steckt man das weg. Und: Alle Mitarbeiter waren warmherzig, hilfsbereit, zugewandt, das half enorm. Herausgetragen habe ich 75.000 Zeichen Notizen, aus denen ich dann noch die Geschichte schälen musste.

Von wem wurden Sie unterstützt?

Von Roland Schulz, Simon Kunert, meiner Redaktion.

Was braucht ein herausragender Artikel?

Neugierde, einen verständigen Blick, frische Sprache. Wärme. Zumutung. Lauterkeit.

Was erwarten Sie von der Preisverleihung?

Die Nominierung empfinde ich als große Ehre, auf alles Weitere freue ich mich jetzt einfach.

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