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Theodor Wolff

geboren am 2. August 1868, gestorben am 23. September 1943

„Wer eine große Zeitung leitet, muss immer auf der Suche nach neuen Talenten, neuen Persönlichkeiten sein. Die Entdeckerfreude ist vielleicht die beste Freude, die er sich schaffen kann, und sie ist doppelt kostbar wegen ihrer Seltenheit.“

Theodor Wolff, 1926

 

Von Bernd Sösemann

Der Sohn des aus Grünberg (Schlesien) nach Berlin gezogenen jüdischen Textilkaufmanns Adolph W. und der Recha W., geb. Davidsohn (Tochter eines Arztes aus Danzig), hatte drei Geschwister. Nach einem kurzen Gymnasialbesuch (Mittlere Reife) begann er eine kaufmännische Lehre an der Tageszeitung seines Cousins Rudolf Mosse, dem "Berliner Tageblatt".

Mit Reisefeuilletons, Literatur- und Theaterberichten erregte er Aufmerksamkeit in Berlin, mit mehreren Romanen, Feuilletonsammlungen und Schauspielen auch weit über die Stadtgrenzen hinaus. Theater in Berlin, München, Kopenhagen und Wien führten seine Stücke erfolgreich auf. Er gründete mit Otto Brahm, Samuel Fischer und Maximilian Harden den Theaterverein "Die Freie Bühne", übersetzte aus dem Französischen und machte Jens Peter Jacobsen in Deutschland bekannt.

1894 wurde er Pariser Korrespondent des "B.T.". Durch seine präzise Berichterstattung über die Dreyfus-Zola-Prozesse stiegen die Zeitungsauflage und sein Ansehen. Der Aufenthalt in Frankreich formte sein politisches Weltbild, ließen Parlamentarisierung und später auch Demokratisierung zu seinen Hauptzielen werden. 1902 heirate Wolff die Schauspielerin Marie Louise Anna Hickethier (1872 - 1956); die drei Kinder wurden evangelisch getauft und von einem katholischen Hauslehrer erzogen.

Wolff wurde 1906 von Mosse in die Berliner Chefredaktion geholt. Er formte das "B. T." zum fortschrittlich-liberalen Hauptblatt Deutschlands um, das auch im Ausland hoch eingeschätzt wurde. Für die Redaktion gewann er u.a. Alfred Kerr, Rudolf Olden, Ernst Feder, Erich Dombrowski, Paul Scheffer, Fred Hildenbrandt, Victor Auburtin, Kurt Tucholsky, Joseph Roth, Alfred Einstein als Autoren. Im Weltkrieg 1914/18 sprach sich Wolff gegen den annexionistischen Kurs der Reichsregierungen aus. Er gründete im November 1918 zusammen mit Alfred Weber und Otto Fischbeck die "Deutsche Demokratische Partei", kritisierte die Räteherrschaft, die Annahme des Versailler Vertrags und griff mit zwei Büchern in die Debatte über die Kriegsschuldfrage ein. 1926 trat er wegen eines fundamentalen Dissenses mit seinen liberalen Parteifreunden in der Kulturpolitik (sog. Schmutz- und Schundgesetz) aus der Partei aus. Diesen Schritt registrierte die Öffentlichkeit ebenso aufmerksam wie seine wiederholten Aufforderungen, eine Front der Demokraten gegen KPD und NSDAP zu bilden. Wolff unterstützte Stresemanns Politik, Antisemitismus und "Judenfrage" bildeten für ihn keine Themen.

In der Endphase der Weimarer Republik sah er von den Nationalsozialisten die größte Gefahr ausgehen und empfahl öffentlich, die SPD zu wählen. Wolff musste nach dem Reichstagsbrand unter Lebensgefahr fliehen; am 27.10.1937 erkannt ihm das nationalsozialistische Regime die deutsche Staatsbürgerschaft ab. Schließlich fand Wolff in Frankreich Exil. In Nizza verfaßte er literarische und historische Werke sowie Erinnerungen. Am 23.5.1943 verhafteten ihn Italiener und lieferten ihn an die Gestapo aus, die den kranken Mann in den Tod trieb. Sein Grab findet sich in der Ehrenreihe des Jüdischen Friedhofs in Berlin-Weißensee.

Bernd Sösemann hat unter dem Titel "Theodor Wolff. Ein Leben für die Zeitung" eine Biografie des Journalisten veröffentlicht.