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Mitglieder von Jury und Kuratorium für den Theodor-Wolff-Preis schreiben ihm aus diesem Anlass

200 Tage in türkischer Haft – Unser Sonderpreisträger 2017 Deniz Yücel

 

 

­Lieber Deniz,

wie gut wäre es, mal wieder in der blauen Sofaecke im Grenzgebiet unserer Ressorts zu sitzen und über Deine Geschichten zu reden!

Wolfgang Büscher, Autor, Die Welt, Jurymitglied

 
Lieber Herr Yücel,

Bill Clinton hat einmal gesagt: "Der Weg in die Tyrannei, das dürfen wir nie vergessen, beginnt mit der Zerstörung der Wahrheit." Man könnte auch sagen: Jeder Reporter oder Korrespondent, der sich nicht einem politischen Ziel, sondern allein der Wahrheit verpflichtet fühlt, ist der natürliche Feind eines jeden Tyrannen. Deshalb waren wir uns in der Theodor-Wolff-Preis-Jury so schnell so einig wie nie zuvor: Wir wollten mit unseren Mitteln nicht einfach nur ein Zeichen setzen, sondern Protest und Empörung über Ihre Inhaftierung zum Ausdruck bringen. Die Preisverleihung liegt hinter uns, aber unser Protest geht weiter, solange Sie zu Unrecht im Gefängnis sitzen.

Herzliche Grüße, Ihr

Dr. Markus Günther, Autor, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Jurymitglied


Lieber Deniz Yücel,

die Verleihung des Theodor-Wolff-Preises soll ein Zeichen sein, das nicht in Vergessenheit gerät so lange es irgendwo auf der Welt willkürliche Maßnahmen gegen Journalisten und die Pressefreiheit gibt. Durch die Preisverleihung in Berlin, Ihre Worte aus dem Gefängnis, den bewegenden Beitrag Ihrer Frau und die vielen Unterstützer, die stellvertretend für Sie auf die Bühne kamen, gibt es über das Zeichen hinaus eine besondere Verbindung zu Ihnen. Die bleibt und hält die Gedanken wach.

Cordula v. Wysocki, Chefredakteurin Kölnische Rundschau und Jury-Vorsitzende

 
Lieber Herr Yücel,

wir kennen uns nicht persönlich. Aber ich habe Ihre Texte gelesen. Zuerst in der taz, dann in der Welt. Ich habe sie oft interessant gefunden, meinungsstark, auch überdreht. Und manchmal habe ich mich richtig geärgert, wenn Sie die ganz große Keule ausgepackt haben.  

Dennoch habe ich mich dafür ausgesprochen, Ihnen den Theodor-Wolff-Preis zu verleihen. Weil es nicht um Geschmack geht, sondern um die Freiheit. Weil wir alles dafür tun müssen, dass Journalisten frei und unbeeinflusst schreiben dürfen – auch und gerade das, was einem nicht gefällt. Selbst der kritischste Artikel, selbst die pointierteste Meinung darf dem Staat nicht als Vorwand dazu dienen,  Journalisten ins Gefängnis zu stecken - so wie das die Türkei nun seit Monaten mit Ihnen und vielen Kolleginnen und Kollegen tut. Wir müssen alles, was wir können, dafür tun, dass Ihre journalistischen Recherchen nicht als Spionage diffamiert und Ihre Kommentare nicht zur Majestätsbeleidigung aufgeblasen werden. Und das am Ende auch noch jemand glaubt. Wo es doch in Wirklichkeit nur darum geht, Sie als Geisel zu halten, für Verhandlungen der Türkei mit der Bundesregierung.

Der Theodor-Wolff-Preis soll Ihnen Mut machen durchzuhalten. Und allen anderen Journalisten auch, gerade auch Ihrer deutschen Kollegin Mesale Tolu, die mit ihrem zweijährigen Sohn im Gefängnis sitzt. Der Preis soll Ihnen zeigen, dass die Kollegen zu Ihnen stehen. Also: Halten Sie durch, sammeln Sie Gedanken, schreiben Sie sie auf.

Ich würde mich sehr freuen, mich bald wieder über Ihre Artikel ärgern zu dürfen.

Beste Grüße,

Annette Ramelsberger, Gerichtsreporterin Süddeutsche Zeitung, München, Jurymitglied


Lieber Herr Yücel,

ich hätte mir so sehr gewünscht, Ihnen bei unserer Verleihung am 21. Juni in Berlin Ihren Sonderpreis persönlich überreichen zu können. Es gilt, was ich schon an jenem Abend für Sie und alle, die in der Türkei ungerechtfertigt in Haft sitzen, sagte: Wir denken an euch, wir kämpfen für euch, wir sind für euch da! Und die Preisverleihung – die holen wir nach, versprochen.

Hermann Neusser, Vorsitzender Kuratorium für den Theodor-Wolff-Preis, Verleger General-Anzeiger (Bonn)

 

Hier gelangen Sie zur Pressemitteilung.

Fotos: Bettina Ausserhofer

Festveranstaltung Theodor-Wolff-Preis 2017 in Bildern