Empfehlen Sie uns weiter
  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Facebook übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Twitter übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Hier können Sie mittels unseres Service-Formular eine Seite empfehlen. Es werden keine persönlichen Daten gespeichert.

Rede von Dr. Hermann Balle, Erster Vorsitzender des Verbands Bayerischer Zeitungsverleger (VBZV), beim Printgipfel anlässlich der Medientage München am 19. Oktober 2006

(Es gilt das gesprochene Wort!)

Der VBZV veranstaltet mit dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger diese Veran­staltung nunmehr seit vielen Jahren gemeinsam, und so ist es mir auch im diesen Jahr wie­der eine besondere Ehre und Freude, Sie in so großer Zahl hier in München versammelt zu sehen. Sie unterstreichen mit ihrer Anwesenheit und ihrem Interesse an dieser Veranstal­tung, dass wir trotz aller Herausforderungen – mit denen wir uns heute ja befassen wollen – als Printmedien nicht out sind, sondern dass wir leben und dass wir bereit sind, die mediale Zukunft unserer Gesellschaft mit zu gestalten. Wenn immer wieder Weissagungen zitiert werden, die das Jahr 2043 als letztes Erscheinungsjahr des gedruckten Wortes sehen wol­len, dann könnten solche Visionen suggerieren, dass die Zeitungen zu den Verlierern des Fortschritts gehören würden. Dabei sind Druck und Vertrieb der Zeitung ja immer nur ein Teil unserer Wertschöpfungskette, deren wesentlichster Teil jedoch nach wie vor und über Jahr­zehnte, teilweise sogar über Jahrhunderte hinweg in der in unseren Häusern produzierten publizistischen Leistung bestanden hat und auch weiterhin besteht. Das Sammeln, Sichten, Aufbereiten und Kommentieren von Nachrichten war und ist unser eigentliches Metier, Druck und Vertrieb waren und sind nur unsere Transportmittel, mit denen wir zu unseren Usern kommen konnten und auch immer noch kommen. Es gilt also, die Chancen, die neue Tech­niken uns bieten, zu erkennen, zu begreifen, das Internet uns nutzbar zu machen, um nicht zu den Verlierern des technischen Fortschritts zu gehören. So soll dieser Printtag, die an­schließende Podiumsrunde sowie die weiteren Panels des heutigen Tages Sie auf span­nende und interessante Diskussionen zum Thema: „Neue Wettbewerber, neue Produkte, neue Bedingungen“ einstimmen.

 

Wenn der Slogan die Frage nach den neuen Wettbewerbern, neuen Produkten und Bedin­gungen stellt, spricht er zugleich den Wandel der Branche an und wie wir darauf reagiert haben und in Zukunft antworten sollen – dies gilt es u.a. heute zu diskutieren.

 

Noch vor fünf Jahren, bei den Medientagen 2002, lautete unser Thema „Von Visionen und Marktrealitäten“. Im Jahr 2003 haben wir uns beim Printgipfel gefragt „Und was kommt nach der Krise?“ 2004 und 2005 haben wir uns über neue Produkte und die Erschließung neuer Märkte Gedanken gemacht. Heute sprechen wir schon über neue Wettbewerber, die unsere Ideen bei der Entwicklung neuer Produkte und der Erschließung neuer Märkte aufgegriffen haben, teilweise, das muss ich – etwa mit Blick auf die Rubrikanzeigen - zugeben, auch weitergedacht und praktikabel gemacht haben.

 

Allein die Themenstellung der Medientage 2006 konstatiert jedoch folgerichtig: Wir haben bisher unsere Hausaufgaben gemacht und sind weiterhin im Spiel!

 

Aus meiner Sicht verwundert dies nicht: Die Zeitungen sind nicht nur das Urgestein unter den Massenmedien, sondern aus meiner Sicht sogar das Herzstück. Zugleich können wir nicht mehr alleine von Zeitungshäusern sprechen. Medienhäuser wäre die zutreffendere Be­schreibung, denn die Zeiten, in denen wir Verleger uns auf die Verbreitung von Printproduk­ten beschränkt haben, gehören lange schon der Vergangenheit an.

 

Durch die neuen digitalen Technologien zur Verbreitung unseres Kernprodukts, nämlich der journalistisch aufbereiteten Information, sind neue, zusätzliche Verbreitungswege, also neue Medien entstanden, für die wir die entsprechenden Produkte wie Online-Angebote, SMS-Dienste, aber auch Audio- und Video-Berichte etc. entwickeln.

 

Parallel dazu zeichnet sich eine Verschmelzung von Digital-Technologie in einem einzigen mobilen Endgerät zum Empfang von Inhalten und Angeboten jeder Art ab. Im Zuge dieser Konvergenz wird es bald möglich sein, die verschiedenen Informationsangebote aufgrund der allen gemeinsamen digitalen Codierung über - selbstständige - zentrale Zugangsplatt­formen zu nutzen. Ich glaube, es liegt auf der Hand, welche  Bedeutung diese Informations­drehscheiben haben werden: Von hier aus wird gesteuert werden, welches Informationsan­gebot zu welchen Konditionen verbreitet werden wird.

 

Die ursprünglich den Medien eigene Funktion und Aufgabe kommt mir persönlich in der gan­zen Diskussion hingegen zu kurz, denn die Medien, allen voran die Zeitungen, haben eine nicht zu unterschätzende Funktion in der bundesdeutschen Demokratie, aus der sich zum Beispiel die Verpflichtung zu einer seriösen und unabhängigen Berichterstattung ableitet. – Ich frage Sie nun: Werden wir dieser Verpflichtung zur Unabhängigkeit noch uneinge­schränkt gerecht werden können, wenn die Verbreitung von Informationen von reinen Platt­formbetreibern nur noch nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten gesteuert wird? Und darf die Politik daher die Neuverteilung der elektronischen Infrastruktur ausschließlich nach reiner Wirtschaftlichkeit bewerten? Ich denke: nein!

 

In der Vergangenheit habe ich mich gegenüber der Politik dafür eingesetzt, dass die Zei­tungsverleger mehr Möglichkeiten erhalten, mit ihrem Know-how und mit ihrem Anspruch auf Seriosität für Qualität in den Bereichen Rundfunk und Fernsehen zu bürgen. Daran halte ich fest. Daher halte ich es für dringend geboten, die Zeitungshäuser bei der jetzt anstehenden Vergabe der für digitale Informationsangebote nötigen Ressourcen besonders zu berück­sichtigen, um diese nicht im analogen Gap zu versenken.

 

Bei dem von unserem Verband in der vergangenen Woche veranstalteten Informationstag zum Thema „Konvergenz und Digitalisierung der Medien“ war die Rede von der „Verände­rung als Konstante“. Rückblickend auf die vergangenen Jahre möchte ich das unterschrei­ben.

 

Wichtig ist aber, dass die Zeitungshäuser am gesellschaftlichen und technischen Wandel uneingeschränkt teilhaben können und lernen. Dann besteht nämlich die Gewähr, dass auch die Aussicht auf völlig neue Marktbedingungen, mit „neuen Wettbewerbern, neuen Produkten und neuen Bedingungen“, uns nicht schrecken kann, sondern wir vielmehr auch weiterhin die zukünftige Entwicklung mitgestalten. Konkret bedeutet dies aber auch Änderungsbedarf in den Landesmediengesetzen bzgl. der Teilhabe der Verlage am Rundfunk, eine Bevorzugung der Verbreitung medialer Inhalte in der Regulierung von Rundfunk und Telekommunikation und insgesamt einer mittelstandsfreundlichen Politik.

 

Die Veränderung und Einbringung der Verlage in die mediale Zukunft nützt uns allen: dem Produkt Tageszeitung, der Gesellschaft und damit letztlich auch der Politik.

 

Daher lassen Sie uns heute damit anfangen und starten wir mit einer guten und interessan­ten Diskussionsrunde, zu der ich jetzt an den Moderator Frank Thomsen weiter gebe.

 

 

Grußwort des Leiters der Bayerischen Staatskanzlei, Staatsminister Eberhard Sinner, zum Printgipfel der Medientage München am 19. Oktober 2006

(Es gilt das gesprochene Wort.)

 

Ich begrüße Sie zum traditionellen Printgipfel der Medientage München.

 

Gebeutelt? Krisenverliebt? Oder marktüblicher Wandel mit großen Chancen? Die Einschätzungen über die Lage der Printmedien haben eine große Bandbreite. Die Äußerungen, die aus der Print-Branche zu hören sind, sind zum Teil dramatisch – aber sicher auch überspitzt.

 

Einig sind wir uns aber wahrscheinlich alle, dass im Mediensektor sehr weit reichende Veränderungen stattfinden, die insbesondere den Print-Bereich sehr stark beeinflussen.

 

     

  • Was der Print-Branche in den vergangenen Jahren stark zugesetzt hat, war die Entwicklung der Werbeerlöse. Hier scheint die Talsohle durchschritten zu sein. Von einer Trendwende wird man deswegen dennoch wohl noch nicht reden können.

     

  • Noch weit reichender dürften die Veränderungen im Medienkonsum sein. Die demographische Entwicklung und das veränderte Leseverhalten bescheren vielen Tageszeitungen leider kontinuierliche Auflagenrückgänge, nicht drastisch, aber schleichend.

     

  • Die Konkurrenz ist mannigfach. Die Digitalisierung der Medien schreitet voran. Eine wachsende Zahl von Endgeräten geht einher mit immer neuen Angeboten. Die Nutzer erwarten immer individuellere Möglichkeiten der Mediennutzung – zu Recht heißt das Motto der diesjährigen Medientage „Medien auf Abruf“.

 

Wo bleiben da die Printmedien?

 

Nicht erst seit heute wird in der Branche angesichts dieser Bedrängnis oft über Umstrukturierung, Stellenabbau und Sparpakete diskutiert.

 

Personalabbau als Antwort wäre aber mit Sicherheit viel zu defensiv. Natürlich lässt sich darüber reden, ob sich in dem Bereich der Verwaltung nicht die eine oder andere Einsparung vornehmen lässt. Aber Stellenabbau in der Redaktion? Hier müssen schon eher die Alarmglocken klingen. Die Gefahr eines Qualitätsverlusts wäre groß. Würde damit nicht gerade ein wichtiger Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Angeboten aufgegeben?

 

Damit sind wir meines Erachtens direkt beim entscheidenden Punkt. Einsparungen und Synergieeffekte könnten in bestimmtem Umfang Sinn machen. Aber viel wichtiger ist es, das Produkt selbst zukunftsorientiert zu positionieren. Die spannende Frage ist doch: Welche spezifischen Vorteile meines Printprodukts muss ich so weiterentwickeln, dass der Kunde mein Printprodukt anderen Angeboten vorzieht?

 

Ohne Zweifel haben die elektronischen Medien ihren Charme und handfeste Pluspunkte. Schnelligkeit, Interaktivität, schnelle Serviceangebote online, die Möglichkeit der Nutzer, sich selbst und ihr Wissen einzubringen, machen diese Angebote attraktiv. Dies umso mehr, als sie inzwischen längst auch mobil verfügbar sind und der Phantasie beim Ausbau dieser mobilen Angebote fast keine Grenzen gesetzt sind.

 

Aber Anlass für Panik besteht nicht. Die Medienmacher im audiovisuellen Bereich können ein Lied davon singen, dass die technische Realität nicht immer oder noch nicht  immer mit den theoretischen Möglichkeiten übereinstimmt. Insbesondere das Internet hat seine Tücken. Lange Ladezeiten oder auch ein gelegentlicher Absturz des Computers sind dabei nur Petitessen.

 

Aber zwei viel wesentlichere Punkte dürften dazu beitragen, dass das Internet nicht außer Konkurrenz läuft. Das eine ist die Unübersichtlichkeit der Informationsflut, das andere die eingeschränkte Qualitätskontrolle.

 

     

  • Die Vielzahl der Angebote, die man beim ersten Suchen findet, und die Vielzahl der Angebote, von denen man weiß, die man aber nicht findet, wenn man sie braucht, macht vielen Nutzern zu schaffen. Ganz zu schweigen von dem Zeitfaktor. Statt der schnellen Information hat schon mancher Nutzer viele Impulse für langes Surfen erhalten!
    Demgegenüber geben die Printmedien Orientierung, treffen eine Vorauswahl an Informationen und bieten dem Leser einen verlässlichen „Navigationsrahmen“.

     

  • Und was ist mit der Seriosität der Angebote? Der Vorteil, dass sich die Nutzer im Internet selbst einbringen können, hat auch eine Kehrseite. Die Qualifikation des Verfassers, wenn er überhaupt erkennbar ist, ist nicht selten unüberprüfbar. Ganz anders in den Printmedien. Die Redaktionen müssen für die Qualität ihrer Berichterstattung gerade stehen. Oft sind die Namen der Redakteure für die Leser ein Gütesiegel. Dies ist ein Vorteil, der nicht nur den Printprodukten im ursprünglichen Sinne zueigen ist. Sie können ihn auch in eigenen Online-Angeboten geschickt einsetzen.

 

Die Printmedien können der Konkurrenz deshalb vor allem zwei Antworten geben:

 

     

  1. Sie gestalten ihr Printprodukt attraktiv und stellen die bekannten Qualitätsmerkmale heraus.
  2. Sie nutzen die neuen elektronischen Möglichkeiten für eigene, interessante Angebote.

 

Sie haben in der Vergangenheit immer wieder bewiesen, dass Sie sich Herausforderungen mit Erfolg stellen können. Ich bin davon überzeugt, dass Sie die neuen Chancen auch in Zukunft nutzen werden. Ich wünsche Ihnen dafür die nötige Kreativität, Ausdauer und gelegentlich auch den erforderlichen Mut.

 

Wir, die Bayerische Staatsregierung, unterstützen Sie dabei. Sie wissen, dass Sie mit uns einen verlässlichen Ansprechpartner in Sachen Medienpolitik haben. Auch beim elektronischen Handelsregister haben wir eine Übergangsfrist zugunsten der Zeitungen erreicht. Wir hätten gerne gemeinsam eine noch längere Übergangsfrist vorgesehen und haben uns bis zuletzt dafür eingesetzt. Aber die jetzt beschlossene Regelung ist doch ein deutlicher Fortschritt gegenüber dem ursprünglichen Entwurf.

 

Mit unserer neuen Cluster-Strategie setzen wir diesen Weg zukunftsorientiert fort. Bayern ist Medienstandort Nummer eins in Deutschland. Ziel unserer Cluster-Strategie ist es, die spezifischen Standortstärken in den Bereichen Print und Audiovisuelle Medien noch weiter auszubauen. Dazu wollen wir im Dialog mit Ihnen und anderen Medienmachern Antworten auf die offenen Fragen der rasanten Entwicklungen im Medienbereich finden. Im Mittelpunkt steht dabei vor allem die noch intensivere Vernetzung zwischen Unternehmen, Aus- und Fortbildungseinrichtungen, Wissenschaft und Politik. Ich möchte Sie herzlich einladen, dieses Angebot zu nutzen und sich aktiv in diesen Prozess einzubringen. Mein Kollege Erwin Huber und ich haben uns zu diesem Zweck schon mit vielen von Ihnen in Verbindung gesetzt. Ich bin überzeugt davon, dass wir mit einer Reihe interessanter Veranstaltungen gute Impulse für eine zukunftsorientierte Medienentwicklung setzen können.

 

Jetzt wünsche ich uns eine interessante Diskussionsrunde und Ihnen allen gewinnbringende Gespräche auf den Medientagen München 2006!