Empfehlen Sie uns weiter
  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Facebook übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Twitter übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Hier können Sie mittels unseres Service-Formular eine Seite empfehlen. Es werden keine persönlichen Daten gespeichert.

Rede von BDZV-Präsident Helmut Heinen anlässlich der Einweihung des Hauses der Presse am 21. September 2000 in Berlin

Sehr geehrter Herr Regierender Bürgermeister Diepgen,

sehr verehrte Frau Bundesministerin Däubler-Gmelin,

sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete aus Bund und Ländern,

meine sehr verehrten Damen, sehr geehrte Herren, liebe Gäste,

 

ich begrüße Sie - auch im Namen von Dr. Hubert Burda, Präsident des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger, der hier neben mir steht - auf das herzlichste bei uns im Haus der Presse.

Wir freuen uns sehr, dass Sie heute in so großer Zahl den Weg hierher gefunden haben. Tatsächlich haben wir, als in den vergangenen Tagen immer mehr Zusagen zu unserer kleinen Einweihungsfeier in der Geschäftsstelle eintrafen, sogar überlegt, draußen ein Zelt aufzuschlagen.

Aber dann gelangten wir doch zu der Überzeugung, dass Sie, sehr geehrte Damen und Herren, ja schließlich um unseres neuen Hauses willen gekommen sind. Und so bitte ich diejenigen, die sich im Moment ein bisschen gedrängt stehen, um ein Quäntchen Geduld. Ganz bewusst halten wir es heute mit dem Reden kurz. Danach haben Sie Gelegenheit, das Gebäude vom Archiv bis zu den Konferenzräumen zu besichtigen. Die Mitarbeiter von BDZV und VDZ - und nicht zu vergessen natürlich auch unser Landesverband Berlin und Brandenburg als derzeit jüngster Mitbewohner im Haus - werden Sie gerne herumführen.

Der Umzugsbeschluss für Berlin fiel in unseren Gremien in gottlob nicht seltener Einmütigkeit, denn es sollte ja wieder an den Ort gehen, an dem das politische Herz dieser Republik schlägt und wo der Vorläufer des Verbandes Ende des vorletzten Jahrhunderts gegründet worden war. Vier Jahrzehnte lang war Berlin politische und geistige Heimat der deutschen Zeitungsverleger, bis die Nazis der freien Presse ein Ende bereiteten.

Es gibt also einen Neuanfang in Berlin, und das gilt auch für die Inhalte unserer Arbeit. Denn der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Aus einer vor allem standespolitisch orientierten Organisation wurde ein Verband, der sich zusätzlich immer stärker auch als Dienstleistungs- und Beratungsunternehmen für die Mitglieder versteht.

Auch sind dabei die Dimensionen, in denen wir denken, größer geworden. Längst schon geht es ja für uns nicht mehr allein um die gedruckte Zeitung, sondern um alle nur denkbaren, insbesondere elektronischen Vertriebswege, über die sich erfolgreich und ertragreich Nachrichten verbreiten lassen.

Heute Abend ist weder der Ort, noch die Zeit, ausführlich über die politischen Herausforderungen und Probleme zu sprechen, die uns in Brüssel, hier in Berlin oder in den Ländern beschäftigen. Der BDZV ist auf vielen Feldern gefordert, seien es die von den Zeitungen bis heute nicht wirklich verkrafteten schweren Belastungen durch das 630-Mark-Gesetz, die Auseinandersetzungen um EU-weite oder nationale Werbeverbote oder etwa die aus unserer Sicht nicht immer praxisgerechte Diskussion um das Urheberrecht. Dies sind Probleme, die wir in vielen Fällen mit den Zeitschriftenverlegern teilen: Mein Kollege Hubert Burda wird dazu gleich auch noch einiges sagen.

Dieses Haus ist ein Haus der Printmedien. Es wird immer deutlicher, dass unsere Printmedien in steigendem Maß die Träger der seriösen Information sind und Tag für Tag eine wichtige Plattform bilden für den öffentlichen Diskurs unserer demokratisch verfassten Gesellschaft. Unsere Maßstäbe sind Qualität und Kompetenz und gesellschaftliche Verantwortung. Dafür stehen wir jetzt und in Zukunft.

Und dies tun wir zukünftig von Berlin aus. Das Selbstverständnis unserer Verbände soll auch unser neues Haus signalisieren. Modern, offen, transparent und klar gegliedert ist unser "Haus der Presse", und wir wünschen uns, dass neben dem BDZV, dem Verband Deutscher Zeitschriftenverleger und dem Verein der Zeitungsverleger in Berlin und Brandenburg auch noch weitere Medienorganisationen hier einziehen werden.

Wohl jeder von uns, der einmal ein Haus gebaut hat oder für ein Bauprojekt verantwortlich war, weiß, welche Unbilden auf einen Bauherren so alles einstürmen können. Ich erinnere mich unter anderem an Trennwände, die unversehens 20 Zentimeter zu kurz ausgefallen waren; an Versorgungsleitungen, die, ohne, dass ein Amt davon wusste oder dass es auf Karten vermerkt worden wäre, unter unserem Baugrundstück zum Vorschein kamen oder an eine tonnenschwere Betonplatte aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, auf die wir bei den Aushubarbeiten stießen. Eigentlich rechneten wir täglich mit der Nachricht, dass das seit mehr als fünf Jahrzehnten vermisste Bernsteinzimmer nun in der Markgrafenstraße 15 wieder aufgefunden worden sei.

Dass wir heute schließlich doch - unter Einhaltung der Bauzeit UND DES BUDGETS - in einem fertigen, funktionierenden Bürohaus stehen können, dafür gilt es jetzt ganz herzlich zu danken. Stellvertretend für die vielen, die zum Gelingen der Idee, zum Bau und zum Ausbau unseres Hauses der Presse beigetragen haben, danke ich an erster Stelle dem Axel Springer Verlag, der uns das Grundstück zu einem mehr als fairen Preis verkauft und uns darüber hinaus in jeder Art und Weise unterstützt hat. Wann immer wir Rat und Hilfe bei der Raumplanung, Einrichtung oder Logistik am neuen Standort benötigten, konnten wir auf das Haus Axel Springer und seine engagierten Mitarbeiter zählen.

Danken möchte ich auch Herrn Franz Schulz, dem Bezirksbürgermeister von Kreuzberg, der uns die Baugenehmigung zügig erteilt hat, und Herrn Schuster vom Bauamt, der darüber wachte, dass dann auch alles seine Richtigkeit hatte.

Gebaut wurde das Haus der Presse von der Firma Züblin. Stellvertretend für die vielen Maurer, Zimmerer, Maler, Elektriker und Fliesenleger, die mehr als ein Jahr lang Hand anlegten, danke ich den beiden Bauleitern Dominique Rendler und Markus Kolb. Wir sehen heute Ihre gute Arbeit!

Wenn ich vorhin sagte, dass wir nicht nur fast pünktlich, sondern vor allen Dingen auch im Rahmen unseres Budgets fertig geworden sind, dann verdanken wir das vor allen Dingen einem Mann, der unseren Bau von A bis Z betreut und immer wieder den schnellen Draht zwischen Bonn und Berlin gespannt hat: Das ist Jochen Unkelbach.

Und unser ganz besonderer Dank gilt natürlich dem Architekten Jo Franzke, der unseren Wünschen so eine anmutige feste Form gab. Herr Franzke kommt aus Frankfurt am Main und hat, wenn ich das richtig sehe, mit dem Haus der Presse sein erstes Bauwerk für Berlin realisiert?

Lieber Herr Franzke, kommen Sie doch bitte eben einmal kurz zu uns, damit Sie jeder hier auch sehen kann.

Meine Damen und Herren, Herr Franzke wird Ihnen im Anschluss an die Reden gewiss auch gerne für Fragen zu unserem Haus zur Verfügung stehen. Zunächst einmal aber mein Fazit für heute:

Unser neues Haus der Presse soll ein Ort der Begegnung, des Gesprächs werden - für Verleger und Journalisten ebenso wie für Vertreter von Politik, Kultur und Wirtschaft. Heute Abend haben wir, denke ich, schon einen erfolgreichen Schritt in diese Richtung unternommen. Fühlen Sie sich (trotz der erfreulichen Enge) wohl bei uns. Noch einmal herzlich willkommen. Und nun, Herr Diepgen, haben Sie das Wort.

 

 

 

Statement von Dr. Burda, Präsident des VDZ anläßlich der Einweihung des Hauses der Presse

Berlin, 21. September 2000 

Statement von Dr. Burda, Präsident des VDZ anläßlich der Einweihung des Hauses der Presse

"Starke Interessenvertretung der gedruckten Medien in Berlin"

I. BDZV und VDZ - die starke Interessenvertretung in Berlin

Der VDZ und der BDZV haben durch ihre Entscheidung, sich gemein-sam in Berlin niederzulassen, einen entscheidenden Schritt zur Wahrung der Interessen der deutschen Verlage unternommen. Gerade in Berlin findet mehr Politik und Öffentlichkeit statt als in jeder anderen Stadt Deutschlands. Berlin ist nicht nur die Hauptstadt der Politik, Berlin ist nun auch die Hauptstadt des Lobbying. Auch im Bereich der Medien geht Berlin nach vorne. Lieber Herr Regierender Bürgermeister Diepgen, Sie sagten es bereits anläßlich der letzten Generalversammlung des VDZ 1999: "Berlin ist auf dem besten Wege, wie schon in der Vergangenheit wieder eine Stadt der Medien zu werden". Mit dem Umzug der Verbände haben Sie einen weiteren Meilenstein hinzugewonnen.

Der Umzug von Bonn nach Berlin bringt nicht nur geographische Nähe zu politischen Institutionen. Durch die kluge Entscheidung beider Ver-bände, unter ein gemeinsames Dach zu ziehen, haben sie ihre Kräfte im Sinne einer effizienten Interessenvertretung gebündelt. Ich möchte an dieser Stelle all denjenigen danken, die sich für das Haus der Presse eingesetzt haben, insbesondere den beiden Geschäftsführern Herrn Schulze für den BDZV und Herrn Fürstner vom VDZ aber auch der Stadt Berlin, die es ermöglicht hat, unsere beiden Verbände aufzunehmen. Ebenso sei dem Axel Springer-Verlag für seine tatkräftige Unterstützung gedankt.

II. Die gedruckten Medien erobern die Meinungsführerschaft

Wir vertreten eine Mediengattung, die gut unterwegs ist. Durch die wachsende Bedeutung der Neuen Medien ist auch unsere Position stärker geworden. Viele neue Titel, gerade im Internet-Bereich entstehen durch die Neuen Medien. Die Online-Zeitschriften haben mittlerweile eine Gesamtauflage von über 1,5 Millionen verkauften Exemplaren.

Auch das Werbevolumen steigt. Die Zeitschriften konnten im vergan-genen Jahr erneut ihre Bruttowerbeumsätze deutlich erhöhen, und zwar um 5,2 %.

Die Zeitschriften haben sich neben den Neuen Medien hervorragend be-hauptet. Von einer Verdrängung kann gar nicht die Rede sein. Im Ge-genteil! Im Rahmen der kürzlich veröffentlichten Imagestudie "Fame" aus dem Verlag Milchstraße geht hervor, das Internetnutzer mehr Zeitschrif-ten lesen und weniger Fernsehen als der nationale Durchschnitt.

In unserer schnelllebigen Zeit haben die gedruckten Medien eindeutig Wettbewerbsvorteile gegenüber anderen Medien. Printmedien werden in dem zunehmend undurchsichtig werdenden Dickicht von Informationen zu Orientierungspunkten. Sie liefern nicht nur Inhalte wie andere Medien, sondern auch den dazugehörenden Kontext, indem sie Informationen strukturieren und einordnen.

Inhaltlich haben Zeitungen und Zeitschriften bei den für unsere Gesell-schaft relevanten Themen die Meinungsführerschaft erlangt. Es sind die gedruckten Medien, die Themen bestimmen, redaktionell begleiten, strukturieren und dadurch eine öffentliche Debatte auslösen.

III. Große gemeinsame Aufgaben - wachsam bleiben

Damit Zeitungen und Zeitschriften auch weiterhin ihren wichtigen Beitrag für die Demokratie und Wirtschaft leisten, müssen wir, die Verbände, wachsam sein. Nehmen Sie nur die Bemühungen von Arbeitsminister Riester um ein neues Betriebsverfassungsgesetz, bei dem die Mitbe-stimmungsrechte ausgeweitet werden sollen. So soll z.B. in Betrieben, die weniger als 5 Beschäftigte haben, auch das Recht auf Personalver-tretung gelten. Dies betrifft vor allem kleine Unternehmen wie z.B. die sogenannten Start-ups, die in vielen Märkten die Hoffnungsträger von morgen darstellen. Teamworker, Projektarbeiter und begehrte Spezialis-ten bedienen sich in der modernen Arbeitswelt ohnehin anderer Formen der Einflußnahme. Wir dürfen mit derartigen zusätzlichen administrativen Hürden unsere Wettbewerbsfähigkeit gerade im internationalen Kontext nicht gefährden.

Mit Befremden haben wir auch die Initiative aus Baden-Württemberg wahrgenommen. In diesem Bundesland denkt man darüber nach, nicht nur die Offenlegung der Eigentumsverhältnisse für die Verlage verbind-lich festzuschreiben, sondern auch für die Journalisten eine Statutenre-gelung einzuführen (z.B. bei der Berufung des Chefredakteurs). Hierzu existiert bereits ein Gesetzesentwurf. Unser Regionalverband, der SZV, hat hier schnell reagiert und sich vehement gegen diesen Entwurf aus-gesprochen. Ich möchte an dieser Stelle Herrn Reisch ausdrücklich für sein Engagement in dieser Sache danken.

Aufmerksam beobachten wir zudem die Entwicklungen im Urheberver-tragsrecht. Wir Verleger werden uns angesichts der Revolution der neu-en Medien weiter dafür einsetzen, die verlegerseitigen Urheberrechte zu erhalten und zu schützen.

Oder nehmen Sie den Entwurf zum Europa-Grundrechtekatalog, der - ähnlich wie das Grundgesetz - die Grundrechte der Europäer festlegen soll. Wir haben mit Erstaunen und Befremden festgestellt, dass dort nur die "Medienfreiheit" und die auch nicht uneingeschränkt gewährleistet werden soll. Wir halten dies für sehr gefährlich, gerade in Zusammen-hang mit den zunehmenden Verletzungen der Pressefreiheit, die wir auch in Europa beobachten können.

Dies sind nur einige Beispiele für die Notwendigkeit einer wachsamen und effizienten Interessenvertretung. In vielen Bereichen stehen der BDZV und der VDZ eng zusammen. Dies gilt im übrigen auch für die Werbeverbote, die uns gleichermaßen bedrohen.

In Deutschland haben wir unsere Interessenvertretung mit der Eröffnung des Hauses der Presse neu geordnet. Wir müssen aber auch gemein-sam darüber nachdenken, wie wir unsere Kräfte in Brüssel stärker bün-deln können. Gerade die Brüsseler Republik wird aus deutscher Sicht oftmals unterschätzt. Wir erleben durch die ständig fortschreitende Glo-balisierung der Märkte eine Tendenz hin zu globaleren Netzwerken auch bei der Politik. Viele komplexe Sachverhalte - nehmen Sie z.B. die Um-weltpolitik - können heute nur noch auf internationaler Ebene behandelt werden. Dies gilt auch für uns Medien. Weit mehr als 50 % der für Verla-ge relevanten Gesetze werden heutzutage auf europäischer Ebene ge-macht.

Besonders freut mich das gemeinsame Engagement von BDZV und VDZ bei der Einrichtung von Pressemonitor.de. Dort haben sich die Verlage und Verbände zwecks Zweitverwertung von redaktionellen Inhalten zu-sammengetan. Der mit großen Investitionen vorbereitete und 2001 an den Start gehende elektronische Pressespiegel ermöglicht es den Nut-zern, auf die redaktionellen Beiträge aller größeren Zeitungen und Zeit-schriften zuzugreifen. Dies ist ein entscheidender Schritt in die digitale Zukunft.

Schließlich sollten wir den Standort Berlin dafür nutzen, den Dialog zwi-schen den Verbänden und der Öffentlichkeit zu fördern. Das Haus der Presse bietet sich als Plattform hierfür hervorragend an. Wir streben an, in diesen Räumen Events zu organisieren. Insbesondere denke ich an Veranstaltungen zur Pressefreiheit, die immer noch in vielen Ländern mit Füßen getreten wird.

Ich wünsche diesem Haus und Ihren Bewohnern viel Erfolg in ihrer für unser Land so wichtigen Arbeit.

Dr. Hubert Burda

Präsident des VDZ