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11. Oktober 2001 | Allgemeines

Zeitungsverleger würdigen Rolle der Medien nach Terroranschlägen in den USA

Neun Journalisten mit dem Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnet

Die deutschen Zeitungsverleger haben die Rolle der Medien bei der Berichterstattung über die terroristischen Anschläge in New York und Washington vom 11. September ausdrücklich gewürdigt. „Es gab sie eben nicht, die falschen, lauten Töne, den unreflektierten Schrei nach Vergeltung“, erklärte das Ehrenmitglied im BDZV-Präsidium und Vorsitzender des Kuratoriums Theodor-Wolff-Preis, Rolf Terheyden, vor mehr als 150 Vertretern aus Medien, Politik, Kultur und Wissenschaft bei der Verleihung der Theodor-Wolff-Preise am 9. Oktober 2001 im Palais Schaumburg in Bonn.

Gerade die Zeitungen hätten mit ihrer umfassenden Hintergrundberichterstattung für Reflexion und Einordnung des Geschehenen gesorgt; dies hätten Fernsehen und Hörfunk unter dem Druck der permanenten Live-Berichterstattung nicht leisten können. Terheyden appellierte an die Medien, besonnen und kritisch zu bleiben. Bei der Berichterstattung über Terroranschläge dürften keine Feindbilder aufgebaut werden. Die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit und die Wahrung der Menschenwürde seien oberste Gebote. In diesem Zusammenhang wies er darauf hin, dass im Zuge der weiteren Entwicklung mit Zensur und Nachrichtensperren zu rechnen sei. Journalisten seien dann auf das angewiesen, was militärische Sprecher mitteilten. In dieser Auseinandersetzung stünden Journalisten dann täglich vor einem ethischen Dilemma und auch vor der Gefahr, „vereinnahmt zu werden“.

 

In diesem Zusammenhang wies Terheyden auch auf den Deutschen Presserat hin, der die Journalisten aufgefordert habe, besonnen und kritisch zu bleiben. Die Medien dürften bei der Berichterstattung über Terroranschläge keine Feindbilder aufbauen. Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit seien oberste Gebote der Presse. „Diesen Appell sollten wir Medienmacher uns immer wieder vor Augen halten. Nicht nur, wenn es um Extremsituationen geht, sondern täglich“, forderte Terheyen.

 

Der Geschäftsführer der Bonner Zeitungsdruckerei und Verlagsgesellschaft H. Neusser GmbH, Werner Hundhausen, begrüßte in Vertretung des kurzfristig erkrankten Verlegers Hermann Neusser jun. die Gäste und erinnerte an die Bedeutung des Palais Schaumburg in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Der Bonner „General-Anzeiger“ war in diesem Jahr Gastgeber der Preisverleihung, die mit einem Get-together auf Terrasse und Freitreppe des ehemaligen Kanzleramts endete, wo bis in die 70er Jahre hinein die offiziellen Fotos der jeweils neu gewählten Regierung entstanden.

 

Weiterer Höhepunkt neben der eigentlichen Preisverleihung war ein Gespräch des langjährigen ZDF-Chefredakteurs Klaus Bresser mit Bestseller-Autor Christian Graf von Krockow über den „Zauber des Gedruckten“ – zugleich Titel eines am selben Tag erschienenen Buchs aus dem Schleswig-holsteinischen Zeitungsverlag in Flensburg. Auch hier warfen die Ereignisse des 11. September in den USA ihre Schatten. „Mit Skepsis“ nehme er Nachrichten immer zur Kenntnis, berichtete etwa Graf Krockow. Die „Skepsis“ sei umso mehr angebracht in Kriegs- und Krisenzeiten, wo Zensur und interessengeleitete Berichterstattung das Bild der Nachrichten verzerren könnten. Krockow plädierte an alle Verfasser von Texten, gleichgültig ob für Zeitungen, Zeitschriften oder Bücher, nach Anschaulichkeit der Darstellung, Klarheit der Sprache und Redlichkeit in der Recherche zu streben. Besonders würdigte er die Rolle der lokalen und regionalen Zeitungen in Deutschland. In einer immer stärker globalisierten Welt hätten sie auch in Zukunft eine hohe Bedeutung für die Selbstvergewisserung ihrer Leser.

 

Die Preisträger

 

Neun Journalisten wurden mit dem Journalistenpreis der deutschen Zeitungen – Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnet. Geehrt wurden auch die jeweiligen Chefredaktionen und Verlage, die solche großartigen journalistischen Arbeiten ermöglichen und fördern. Den mit 11.000 Mark dotierten Preis in der Kategorie „Essayistischer Journalismus“ erhielt Heribert Prantl für seinen Beitrag „Lob der Provinz“. Das Porträt von Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl zu dessen 70. Geburtstag erschien in der „Süddeutschen Zeitung“, München. Die mit je 9.000 Mark dotierten Preise in der Sparte „Allgemeines“ gingen an folgende Journalisten: Jana Simon für ihren Artikel „Broszehls Leben“ („Der Tagesspiegel“, Berlin); Joachim Rogosch für seinen Beitrag „Timo spricht drei Sprachen mit den Fingern“ in der „Stuttgarter Zeitung“ sowie Thilo Knott und Michael Thiem für ihre spannende Reportage „Illegale Ware aus dem globalen Doping-Dorf“, die von der „Esslinger Zeitung“ veröffentlicht wurde. Silke Lambeck, Frank Schauka sowie Suska Döpp und Jens Meifert erhalten den ebenfalls mit 9.000 Mark dotierten Journalistenpreis der deutschen Zeitungen – Theodor-Wolff-Preis in der Kategorie „Lokales“. Lambeck („Berliner Zeitung“) wurde preisgekrönt für eine brillante Erzählung über die wechselvolle Geschichte eines Kreuzberger Hauses. Weiter würdigte die Jury die Reportage „Neulich am See“ von Schauka in der „Märkischen Allgemeinen“, Potsdam, und den Beitrag „Preisnachlass bis zu 23 Prozent“, von Suska Döpp und Jens Meifert, der in der „Kölnischen Rundschau“ gedruckt wurde.

 

An der Ausschreibung des Preises hatten sich 338 Journalisten beteiligt. Der unabhängigen Jury zum Journalistenpreis der deutschen Zeitungen – Theodor-Wolff-Preis gehören an: Gernot Facius (Autor „Die Welt“, Berlin), Dr. Helmut Herles (Chefkorrespondent „General-Anzeiger“, Bonn), Herbert Kolbe (Chefredakteur „Emder Zeitung“), Ralf Lehmann (Chefredakteur a.D., Hattingen), Stephan Richter (Chefredakteur Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag, Flensburg), Herbert Riehl-Heyse (leitender Redakteur „Süddeutsche Zeitung“, München), Dr. Klaus Rost (Chefredakteur „Märkische Allgemeine“, Potsdam), Jost Springensguth (Chefredakteur „Kölnische Rundschau“) sowie Dr. Uwe Vorkötter (Chefredakteur „Stuttgarter Zeitung“).

 

Die preisgekrönten Beiträge hat der BDZV in einer Broschüre dokumentiert, die unentgeltlich abgegeben wird

Ansprechpartner:
Babette Machner,
Telefon 030/726298-240,
E-Mail: machner(at)bdzv.de

Die Rede von Rolf Terheyden anlässlich der Preisverleihung ist auf der Homepage des BDZV (www.bdzv.de Rubrik Pressemitteilungen) abrufbar.

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