Empfehlen Sie uns weiter
  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Facebook übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Twitter übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Hier können Sie mittels unseres Service-Formular eine Seite empfehlen. Es werden keine persönlichen Daten gespeichert.

02. April 2007 | Allgemeines

Zeitungsmarken, Märkte und Medienpolitik

Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker zu Gast beim Treffen der deutschsprachigen Verlegerverbände

Die wirtschaftliche Lage der Presse, Erwartungen junger Zielgruppen an die Zeitung, Innovationen im redaktionellen Angebot und kreative Werbemöglichkeiten – print wie online – sowie aktuelle medienpolitische Herausforderungen standen im Zentrum des Treffens der Präsidien der deutschsprachigen Verlegerverbände am 29. und 30. März 2007 in Luxemburg.

SONY DSCSONY DSCWie stark der Medienwettbewerb sowohl im Leser- als auch im Anzeigenmarkt durchschlägt, machte Alvin Sold, der Vorsitzende des luxemburgischen Verlegerverbandes (ALEJ), deutlich. Während die Entwicklung der verkauften Auflagen in Deutschland und der Schweiz leicht rückläufig ist, kann Luxemburg eine stabile Auflage und Österreich sogar ein Wachstum vorweisen. Bei den Reichweiten ergibt sich folgendes Bild: Deutschland 73,7 Prozent, Luxemburg 66,5 Prozent, Österreich 72,7 Prozent, Schweiz 77,5 Prozent. Große Unterschiede zwischen den Ländern zeigen sich bei den Marktanteilen der Zeitungen am gesamten Werbeaufkommen. Während Luxemburg einen Anteil von 43 Prozent und Schweiz von 36 Prozent aufweisen, hinken Österreich (26 Prozent) und Deutschland hinterher.

SONY DSCSONY DSCEuropapolitische Themen standen im Zentrum der Rede und eines anschließenden Austauschs mit dem luxemburgischen Premierminister Jean-Claude Juncker. Während die Zeitungsverleger, allen voran ENPA-Präsident Valdo Lehari jr., Kritik an der Reglementierungspolitik der EU gegenüber der Presse äußerten, bezog Juncker bei den Themen Product Placement sowie Werbeverbote bei Tabak und Werberestriktionen bei Alkohol keineswegs klar Position. Ja, es müsse bei diesen Themen klare Regeln geben, so Juncker; konkreter wurde er nicht. Dafür war er umso deutlicher bei den anderen Themen. Die EU bezeichnete er als „Erfolgsgeschichte“. Gleichwohl sei ihm das jüngste Jubiläumsfest in Berlin angesichts der aktuellen Probleme zu feierlich geraten. Als drängende Herausforderungen, die nur EU-weit zu lösen seien, nannte Juncker Energiepolitik, Klimaschutz und Verbrechensbekämpfung. In diesem Zusammenhang forderte er die Medien auf, die Idee eines Vereinten Europas noch besser zu transportieren. Dabei lieferte der Staatschef, der auch dem Herausgebergremium der in Bonn erscheinenden Wochenzeitung „Rheinischer Merkur“ angehört, ein Bekenntnis zur Zeitungspresse im Vergleich zur schnelllebigen Fernsehkultur: „Wer langsam liest, versteht besser.“

Michael Grabner, der als scheidendes Mitglied des BDZV-Präsidiums zum letzten Mal bei dem internationalen Austausch dabei war, präsentierte das Thema „Leserreporter der ‚Saarbrücker Zeitung’“ als eine neue Spielart redaktioneller Aktivitäten. Dabei schicken die Leser SMS, E-Mails und Fotos – honorarfrei. 4.000 Fotos von Lesern, davon 1.000 verwertbar und 500 tatsächlich in der Zeitung veröffentlicht, so lautete die Bilanz 2006 in Saarbrücken, von wo aus das Projekt auch zur in Cottbus erscheinenden „Lausitzer Rundschau“ sowie zum „Trierischen Volksfreund“ exportiert wurde. Das Projekt sei ein durchaus interessantes Instrument zur Leser-Blatt-Bindung, so Grabner.

29/03/2007 FP 16:47 SPECIAL TAGEBLATT
MONDORF LES BAINS PARC HOTEL RENCONTRE DEUTSCHSPRACHIGE VERLEGERVERBANDE
FOTO FABRIZIO PIZZOLANTE29/03/2007 FP 16:47 SPECIAL TAGEBLATT MONDORF LES BAINS PARC HOTEL RENCONTRE DEUTSCHSPRACHIGE VERLEGERVERBANDE FOTO FABRIZIO PIZZOLANTEAuf große Resonanz bei den Präsidiumsmitgliedern der deutschsprachigen Verlegerverbände stieß der Vortrag von Axel Dammler, Geschäftsführer des Münchner Marktforschungsunternehmens Iconkids & Youth, über Einstellungen und Verhalten jugendlicher Zielgruppen und damit verknüpfte Handlungsmöglichkeiten der Zeitungen. Die meisten Jugendlichen suchten „große Gefühle“, dies mache es für das eher rational und nüchtern ausgerichtete Medium Zeitung schwierig. Außerdem sei die Jugend „multioptional in einem Multiangebot“. Anders als zu Hochzeiten der „Bravo“ gebe es kein Bekenntnis mehr zu einem Medium und keine tiefe Markenbindung. Außerdem seien Jugendliche pragmatisch und überlegten genau, wofür sie – gerade bei Medien – Geld ausgäben. Das Internet, so Axel Dammler, sei längst zum Leitmedium der Jugendlichen avanciert. Der PC mit Internetflatrate sei das Medienzentrum im Jugendzimmer. Das Internet sei spontan, vielfach chaotisch, unkonformistisch und es gebe fast alles gratis her. Diese Kriterien wirkten auf die Jugendlichen anziehend. In diesem Umfeld müsse die Zeitung ihre Nische finden, wobei sie durchaus gute Voraussetzungen habe: Aktualität, Lokalität, Orientierungsfunktion.

Über Möglichkeiten, die Markenstärke der Zeitung zu pflegen und auszubauen, berichtete der Anzeigenleiter der in Graz erscheinenden „Kleinen Zeitung“, Gerhard Valeskini. Dabei beeindruckte er mit innovativen Produkt- und Marketinglösungen seines Unternehmens. So bietet die „Kleine Zeitung“ bald – gemeinsam mit einem Hersteller – ein „Leserreporterhandy“ und verwandelt Kreuzworträtsel oder Bilderrätsel in innovative Anzeigenprodukte.

Über den Erfolg der laufenden Zeitungskampagne in Deutschland berichtete BDZV-Vizepräsident Karlheinz Röthemeier. Unter dem Motto „Die Zeitungen. Wer liest, versteht“ hätten sich mehr als 180 Verlage mit einer Gesamtauflage von fast elf Millionen Exemplaren beteiligt. Die Gemeinschaftsaktion habe bereits nach wenigen Monaten nachweislich dazu beigetragen, das Image der Zeitungen in der Öffentlichkeit zu verbessern. Auch innerhalb der Branche sei die Aktion sehr gut angekommen.

29-03-2007 special le quotidien  mondorf-les-bains orangerie reception editeurs-juncker
alain rischard29-03-2007 special le quotidien mondorf-les-bains orangerie reception editeurs-juncker alain rischardÜberaus erfolgreich ist auch die Kampagne des österreichischen Verlegerverbandes VÖZ, deren Claim „Keine Zeitung. Keine Ahnung“ an Direktheit kaum zu übertreffen ist. Aufgrund des großen Echos in der Öffentlichkeit und der Begeisterung aller Zeitungsverlage mitzumachen, wurde jetzt die zweite Motivstaffel gestartet, wie VÖZ-Geschäftsführer Wolfgang Chmelir darstellte. Außerdem gibt es neue Radio- und auch Kinospots sowie Postkarten und T-Shirts mit den besten Sprüchen der Kampagne. Diese lauten beispielsweise:

Fidel Castro – Das ist doch dieses Motoröl Keine Zeitung. Keine Ahnung.

Bluetooth – Ich bleibe lieber bei meiner Zahlbürste Keine Zeitung. Keine Ahnung.

 

Fotos: Schopf/Pizzolante

zurück