Empfehlen Sie uns weiter
  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Facebook übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Twitter übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Hier können Sie mittels unseres Service-Formular eine Seite empfehlen. Es werden keine persönlichen Daten gespeichert.

04. Juni 2008 | Allgemeines

Zeitungsauflage weltweit um 2,57 Prozent gestiegen

WAN-Kongress in Göteborg: Zeitungen müssen Stärken des gedruckten Mediums weiter pflegen

Im Jahr 2007 ist die Zeitungsauflage weltweit um 2,57 Prozent gestiegen. Wie der Weltverband der Zeitungen (WAN) anlässlich seines 61. Internationalen Zeitungskongresses Anfang Juni 2008 in Göteborg mitteilte, hat sich dank der Zuwachsraten im Internet und bei Gratispublikationen auch die Reichweite deutlich erhöht.

Bei Einbeziehung der Gratiszeitungen stieg die Auflage im vergangenen Jahr weltweit sogar um 3,65 Prozent. Auf die Gruppe der Gratistitel ent­fallen mittlerweile knapp sieben Prozent der Ge­samtauflage weltweit und 23 Prozent der Auflage in Europa. Die Werbeeinnahmen der verkauften Tageszeitungen erhöhten sich 2007 im Vergleich zum Vorjahr um 0,86 Prozent (Deutschland: 0,8 Prozent). Mit einem Anteil von insgesamt 40 Pro­zent sind die Druckmedien nach wie vor der größte Werbeträger weltweit.

In knapp 80 Prozent aller Länder konnten Zei­tungen 2007 an Auflage zulegen, erläuterte WAN-Generalsekretär Timothy Balding weiter. Sogar dort, wo die verkauften Titel an Auflage verlieren – vor allem in den USA und in Westeuropa – konnten die Zeitungen ihre Reichweite erhöhen, „weil sie viele verschiedene Gratis- und Nischen­publikationen im Programm haben und ihre Multimediaplattformen rapide entwickeln“. Aufgrund der unterschiedlichen Erhebungsmethoden in den einzelnen Ländern sind Auflagenzahlen und Wer­beumsätze nur bedingt vergleichbar. Insgesamt hat der WAN für seine Marktanalyse „World Press Trends“ Zahlen und Daten aus 232 Län­dern ausgewertet. Die Ausgabe 2008 ist ab sofort erhältlich und kann über die Pariser Ge­schäftsstelle des WAN bezogen werden.

Eines der zentralen Themen des Weltkongres­ses in Göteborg war der Spagat zwischen Print und Online für die Zeitungen. Die Unternehmen sollten die Stärken des gedruckten Mediums weiter pflegen und nicht Hals über Kopf ins Inter­net flüchten, riet der Präsident des Verbands, Gavin O‘Reilly, vor rund 1.800 Verlegern und Redakteuren in Göteborg. Das Netz sei ein wun­derbarer Ort, „wenn man weiß, wonach man sucht“. Aber die Zeitungen riskierten Einnahme­verluste, „wenn wir uns frontal in die digitale Welt stürzen“. So flössen etwa 60 Prozent aller Ein­nahmen mit Onlinenachrichten an lediglich zwei Unternehmen: Google und Yahoo.

Aus Sicht des WAN-Präsidenten müssen Zei­tungsverlage wegen der ungewissen Ertrags­perspektive weiter in ihre gedruckten Ausgaben investieren. Die Branche habe jedoch erkannt, welche großen Möglichkeiten das Internet biete. Es könne keine Rede davon sein, dass Zeitungen bald ein Relikt der Vergangenheit sein würden. Doch sei es erforderlich, auch die Mittel und die qualifizierten Mitarbeiter für gedruckte und On­lineinformationen zu Verfügung zu stellen.

Prognose: 105 Milliarden Euro aus Onlinewerbung 2011

In einer anlässlich des Zeitungskongresses veröffentlichten Studie mit dem Titel „World Digi­tal Media Trends“ heißt es, dass die Einnahmen aus der Onlinewerbung einschließlich mobiler Empfangsgeräte von 2002 bis 2011 um den Faktor zwölf auf weltweit etwa 105 Milliarden Euro steigen werden. Zeitungen könnten sich daher nicht allein auf ihre gedruckten Ausgaben verlas­sen, um finanziell zu überleben. In einigen Län­dern werde das Internet innerhalb von fünf Jahren die primäre Nachrichten- und Informationsquelle sein, während Zeitungen die dominierende Posi­tion verlören, die sie mehr als 100 Jahre lang inne gehabt hätten, prognostiziert der Bericht.

Eine weitere Studie beschäftigte sich mit dem Medienkonsum von Jugendlichen. Die Untersu­chung, an der 3.500 junge Leute im Alter von 15 bis 29 Jahren aus den USA, den Niederlanden und Finnland teilnahmen, ergab, dass das Fern­sehen weiterhin die wichtigste Quelle für Nach­richten und Informationen bei jungen Leuten ist – trotz der zunehmenden Bedeutung des Internets. Zeitungen, die sich zu dieser Aufgabe bekennten, könnten die Aufmerksamkeit der Jugendlichen ebenfalls gewinnen. Im Einzelnen ergab die Stu­die unter anderem, dass junge Leute Interesse an Nachrichten haben und den Nutzen des „Infor­miertseins“ erkennen; dass regelmäßige Zei­tungsleser besser informiert, engagiert und im Kontakt mit ihrer Gemeinde sind als Nichtleser; dass Eltern (besonders Mütter) und Lehrer erfolg­reich Einfluss auf die Zeitungsleser-Karriere jun­ger Leute nehmen – Gleichaltrige hätten hinge­gen keinen Einfluss; dass redaktionelle Inhalte von Zeitungen – generell gesprochen – keine Verbindung zu den Interessen der jungen Leute haben – und meist negativ sind, wenn sie sich mit jungen Leuten beschäftigen.

Gavin O’Reilly als WAN-Präsident wiedergewählt

Anlässlich des Weltkongresses in Göteborg fanden auch Wahlen statt: Zum dritten Mal als Präsident wiedergewählt wurde Gavin O‘Reilly, Verleger der Independent News & Media PLC, Irland. In seinem Amt als Schatzmeister bestätigt wurde Fred Arp, Finanzchef der Telegraph Media Group in den Niederlanden. Neu ge­wählt in das Amt des Präsidenten des Weltforums der Chef­redakteure wurde Xavier Vidal-Folch, stellvertre­tender Geschäftsführer der spanischen Tages­zeitung „El Pais“. Er hat die Nachfolge George Brocks („The Times“, London) angetreten, der dieses Amt vier Jahre inne hatte.

China verhindert Preisübergabe

Wie der WAN bereits am 30. Mai mitteilte, ist die Familie des diesjährigen Trägers der „Golde­nen Feder der Freiheit“, Li Changqing, von chine­sischen Behörden an der Reise zur Preisverlei­hung nach Schweden gehindert worden. Beim Internationalen Zeitungskongress in Göteborg sollten Bao Dinling und Li Sidi, die Ehefrau und Tochter des Journalisten, die Ehrung anstelle des Reporters für die „Fuzhou Tageszeitung“ in der Provinz Fujian entgegennehmen. Li selbst war es nicht möglich, einen Reisepass zu erhalten; sei­ner Frau und Tochter wurden die Pässe nach kurzer Befragung am Flughafen von Peking ab­genommen. Dies sei ein „skandalöser neuer Fall von Machtmissbrauch“, kritisierte WAN-General­sekretär Timothy Balding. Nicht genug damit, dass die chinesische Regierung die freie Mei­nungsordnung unterdrücke und Dutzende von Reportern inhaftiere, verfolge sie nun auch noch deren Familien und schränke ihre Bewegungs­freiheit ein. Li Changqing war nach dreijähriger Haftstrafe (wegen angeblicher Erzeugung und Verbreitung falscher Informationen) aus dem Gefängnis entlassen worden. Der WAN hatte ihm die „Goldene Feder der Freiheit“ zuerkannt, weil der Reporter es gewagt hatte, über einen Aus­bruch des gefährlichen Dengue-Fiebers zu be­richten, bevor die Gesundheitsverantwortlichen seiner Heimatstadt die Öffentlichkeit alarmierten. Wie der WAN weiter berichtet, hat die chinesi­sche Regierung auch einen Boykott des Welt­kongresses der Zeitungen durch chinesische Medien angeordnet. Hintergrund sei die Kam­pagne des WAN, mit der China an seine Reform­versprechen im Vorfeld der Olympischen Spiele erinnert werden soll.

Zentrales Thema war auch die Pressefreiheit. In einem Bericht des WAN hieß es dazu, allein in Lateinamerika seien in den letzten sechs Mona­ten vier Journalisten ermordet worden. Die Re­gion sei „von generellem Mangel an Respekt vor der Pressefreiheit geprägt“. Als weitere Gebiete von besonders massiven Behinderungen journa­listischer Arbeit nannte der Bericht den Nahen Osten, Nordafrika sowie auch das südliche Afrika. Seit November 2007 starben weltweit 28 Journa­listen einen gewaltsamen Tod bei der Ausübung ihrer Arbeit.

zurück