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08. Juni 2010 | Allgemeines

Zeitung online 2010: „Experimentieren, kooperieren und programmieren“

300 Verleger, Geschäftsführer, Chefredakteure und Verlagsleiter diskutierten in Düsseldorf multimediale Erfolgsstrategien

Es war der 18. Juni 2001, als sich erstmalig mehr als 150 Verleger, Geschäftsführer und Verlagsleiter zur Multimedia-Konferenz „Zeitung online“ in Berlin trafen. Das Wort Applikation in Zusammenhang mit Handy gab es nicht, Mobilportale waren für die meisten Zuhörer noch in weiter Ferne und Videofilme hatte eigentlich niemand auf seiner Website. Zehn Jahre später stellt sich die Situation anders dar, wie auch Dr. Richard Rebmann (BDZV-Vizepräsident und Geschäftsführer der Südwestdeutschen Medienholding), zu berichten weiß: „Mehr als 20 Verlage habe Apps für Smartphones, die Zeitungsverlage sind mit 500 Websites und 450 E-Paper-Ausgaben im Netz vertreten und 65 Prozent sind im Bereich Social Media aktiv.“ Zehn Jahre multimediale Entwicklung bedeutet aber auch zehn Jahre Multimedia-Konferenz „Zeitung online“, die in diesem Jahr am 8. und 9. Juni ihre Zelte in Düsseldorf aufgeschlagen hatten.

zo2010 rand1300 Verleger, Geschäftsführer, Chefredakteure und Verlagsleiter diskutierten auf der Jubiläums-Konferenz über digitale Geschäftsmodelle, die auch in der Wirtschafts- und Strukturkrise funktionieren; über potenzielle Inhalte und Formate für die neuen Tablet-PCs wie das iPad und den optimalen Einsatz von sozialen Netzwerken im Redaktions- und Verlagsalltag.

In seiner Eröffnungs-Keynote betonte der Publizist und ehemalige Chefvolkswirt der Deutschen Bank Professor Norbert Walter, dass die deutsche Wirtschaft in den kommenden Monaten vor wegweisenden Entscheidungen stünde: „Die Frage wird sein, entlassen die Unternehmen Fachkräfte zur kurzfristen Bilanzverbesserung oder investieren sie noch einmal in die Babyboom-Generation der Nachkriegsjahre?“ Die Empfehlung des Wirtschaftsexperten war dabei einfach wie deutlich: „Deutschland lebt von seiner Innovationskraft und nur mit gut geschulten Fachkräften werden wir unsere Position als Innovationstreiber verteidigen können.“ Seiner Ansicht nach gehört zu diesem Innovationsprozess auch der kontinuierliche Investitionsprozess in Menschen wie Technologien; ein Prozess der laut Walter in den vergangenen Jahren aber deutlich vernachlässigt worden sei. „Die Wirtschaft investiert zu wenig und das könnte schon bald negative Auswirkungen haben“, erläuterte er. Mit Blick auf die Medien betonte er dabei, dass diese die Pflicht und die Aufgabe hätten auch genau über solche Versäumnisse zu berichten. „Denn Medien und vor allem Zeitungen sind Vorwarnsysteme der Gesellschaft, die komplizierte Zusammenhänge transparent machen“, so der Ökonom abschließend.

Applikationen für iPad und Co. müssen „oma-sicher“ sein

Dass derartige Transparenzmachungsprozesse schon bald auf ganz anderen Endgeräten als „toten Bäumen“ oder im Internet dargeboten wer­den, darin waren sich die 300 Teilnehmer und 20 internationalen Referenten einig. Zwar könne heute noch niemand voraussagen, wie schnell iPad, WeTab und Co. den Markt verändern be­ziehungsweise wie gelungene Formate für derar­tige Tablets aussehen werden, meinte Zeitungs­designer Lukas Kircher, doch eines stehe fest: Weder mit 1-zu-1-Kopien der gedruckten Zeitung noch mit Duplikaten der Verlags-Websites werde sich auf dem iPad ein Blumentopf gewinnen lassen. „Wer auf diesen Geräten Erfolg haben will, muss seine Angebote ‚oma-sicher‘ und verführerisch machen“, so Kircher. Dazu müsse sich die Navigation de facto selbst erklären und Inhalte in „nie gekannter Art und Weise multimedial aufbereitet sein“. „Der Kern des Journalismus ist es doch, Menschen durch Storytelling zu unterhalten und zu verführen“, so Kircher weiter.

 

 

Volksfest-TV und Abiturblog sorgen für Reichweite und Lesernähe

 

OLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERA.Wie eine derartige Aufbereitung aussehen könnte, stellte Meinolf Ellers von dpa-infocom mit einer iPad-Appliklation für die „Frankfurter Rundschau“ vor. Viele Fotos, verknüpfte Videofilme, zweispaltiges Magazinlayout und die aus der Tageszeitung gekannte „Weiterblätterrichtung von rechts nach links“, so ließen sich die Eckpfeiler dieses Angebots zusammenfasssen. „Diese Tablets sind die erste Gerätegeneration, die alle Mediengattungen nutzbar machen“, führte der Verlagsexperte Ellers aus. Deshalb sei es wichtiger denn je, „zu experimentieren, kooperieren und programmieren“, meinte Medienwissenschaftler und Strategieberater Robin Meyer-Lucht. Nur wer frühzeitig Erfahrungen - seien es eigene oder in Kooperationen gewonnene - mache, werde am Ende erfolgreich sein, so Ellers.

„Und im Experimentieren, Forschen und Weiterentwickeln liegt eine der Stärke der Zeitungen“, diagnostizierte Hans-Joachim Fuhrmann, Mitglieder der BDZV-Geschäftsleitung, bei der Abendveranstaltung im Oldtimerhaus „Meilenwerk“ in Düsseldorf. Wie die Automobilbranche beweise die Zeitungsbranche seit mehr als 400 Jahren ein Höchstmaß an Kreativität, Innovationsgeist und Enthusiasmus, so der BDZV-Kommunikationschef.

Wie mit innovativen Konzepten auch ganz neue Vertriebskanäle für die Redaktion nutzbar gemacht werden können, wussten Christian Lindner, Rainer Kurlemann und Uwe Ralf Heer von der „Rhein-Zeitung“, „RP-Online“ und „Heilbronner Stimme“ am zweiten Kongresstag zu berichten. Social Media und Web-TV sind in den drei Häusern tragende Säulen des Erfolgs. Als eines der ersten regionalen Verlagshäuser hat die Koblenzer „Rhein-Zeitung“ den Kurznachrichtendienst Twitter zur Recherche und Vermarktung flächendeckend eingesetzt. „Nach einem etwas schwierigen Start werden wir mittlerweile über Twitter mit Hinweisen und Recherchetipps überhäuft“, freute sich Lindner. Sein Geheimnis des Erfolgs: „Eine Social-Media-Kampagne kann nur gelingen, wenn sie von der Chefetage getragen wird und diese mit guten Beispiel vorangeht.“ Mittlerweile habe die Zeitung 40 Twitter-Accounts eingerichtet, die von annähernd 18.000 Usern beobachtet werden. Mit „Volksfest-TV“ hat die „Heilbronner Stimme“ mit ihrem Chefredakteur Uwe Ralf Heer ein erfolgreiches Bewegtbildformat vom Unterländer Volksfest in den vergangenen zwei Jahren etabliert und bei „RP-Online“ („Rheinische Post“, Düsseldorf) wird konsequent auf die Link-Ökonomie nach Jeff Jarvis gesetzt. Zu mehr als 12.000 privaten Websites verlinkt das Nachrichtenportal seine Artikel, in Facebook wird ein aufwändiges Profil unterhalten und mit speziellen Blogs zu Themen wie Abitur oder dem Fußball-Club Fortuna Düsseldorf wird Lesernähe geschaffen. „Das sind drei hervorragende Beispiele für neues Zeitungsdenken“, meinte zum Abschluss der zehnten Multimedia-Konferenz „Zeitung online“ auch Co-Moderator Peter Stefan Herbst (Chefredakteur der „Saarbrücker Zeitung“), der zusammen mit Silke Springensguth, Geschäftsführerin DuMont Net GmbH, durch die Veranstaltung führte.

„Zeitung online“ 2011 findet voraussichtlich am 24. und 25. Mai 2011 statt. Nähere Informationen erhalten Sie im Laufe des Jahres.

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