Empfehlen Sie uns weiter
  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Facebook übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Twitter übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Hier können Sie mittels unseres Service-Formular eine Seite empfehlen. Es werden keine persönlichen Daten gespeichert.

04. Juni 1999 | Allgemeines

ZAW warnt Fischer vor bürokratischer Willkür

Zensur bei Alkoholwerbung gesundheitspolitisch untauglich

Entschiedenen Widerstand gegen die von Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer geplante massive Zensur der Werbung alkoholhaltiger Getränke hat der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) in Bonn angekündigt. Ihm liege ein noch unveröffentlichtes Papier des Ministeriums vor, das die bisher freiwilligen Verhaltensregeln des Deutschen Werberats extrem verschärft.

Unter anderem will Frau Fischer die Elininierung der TV und Hörfunkwerbung einschließlich Sponsoring für alkoholhaltige Produkte in der Zeit zwischen 6 Uhr früh bis 22 Uhr sowie ein Verbot jeglicher Berührung von Markenwettbewerb dieses Sektors mit Sportveranstaltungen. Werbung und Produkte sollen umfangreiche Warnaufdrucke erhalten, die zielgruppen und medienspezifisch aufzubereiten sind. Aus der Umgebung von Schulen, Jugendzentren und den sie umgebenden Straßen und Haltestellen soll Markenwerbung für diese Produktgruppe gleichfalls verbannt werden. Verstöße will das Ministerium mit Bußgeldern ahnden lassen.

Ministerin Fischer und ihre Beamten hätten, so der ZAW, die Folgen ihrer Experimente mit der Alkoholwerbung nicht durchdacht. Das Ministerium selber habe nach einem dem Verband vorliegenden Schreiben eingestanden, daß ein Kausalitätsnachweis von Werbung auf das Konsumverhalten "bisher nicht erbracht werden konnte". Ebenso sei dem Ministerium bekannt, daß der Verbrauch an Alkohol in Deutschland seit zwei Jahrzehnten kontinuierlich absinke. Im Kontrast dazu hätten sich die Werbeausgaben wegen des scharfen Wettbewerbs drastisch erhöht (1977: 0,4 Milliarden Mark; 1997: 1,2 Milliarden Mark).

Die Zensurmaßnahmen würden den Wettbewerb der überwiegend mittelständischen Firmen noch weiter unnötig untergraben, Arbeitsplätze bedrohen und vor allem finanziellen Druck auf die Medien ausüben: Ohne die Werbeeinnahmen aus dem Markenwettbewerb der Anbieter dieser Produktpalette fehlten ihnen 1,2 Milliarden Mark an Einnahmen. Ebenso hätte der Breitensport erheblich unter der Werbezensur zu leiden: Auch dieser Sektor könnte die Geldeinbußen nicht verkraften. Außerdem wäre den Käufern eine wesentliche Informationsquelle für einen genußvollen und damit maßvollen Konsum alkoholischer Getränke versperrt.

Eine derartige "Bestrafungsaktion" vieler Bereiche der Gesellschaft durch Entzug der Werbung hätte außer seinen schädlichen Folgen keine Wirkung beim Alkoholentzug: Mißbrauch von Bier, Spirituosen, Wein oder Sekt entstünde eindeutig durch persönliche und soziale Bedingungen. Anstatt die Prävention voranzutreiben, verschleiere das Ministerium mit seiner geplanten Werbezensur die eigene Hilflosigkeit gegenüber Alkoholikern und experimentiere mit gesellschaftsweitem Staatsdirigismus durch Eingriff die Selbstordnung der Wirtschaft.

zurück