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08. April 1998 | Allgemeines

Werberat: Alkoholwerbung nicht einschränken

Sexismus und Frauendiskriminierung gerügt

Nach Einschränkungen der Tabakwerbung befürchtet der Deutsche Werberat ähnliche Eingriffe in die Alkohol- und Automobil-Reklame. Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer (CSU) wolle "die Fernsehwerbung der Anbieter alkoholischer Getränke teilweise ausschalten", verweigere aber noch die Veröffentlichung seiner tatsächlichen Pläne, erklärte der Vorsitzende des Werberates, Jürgen Schrader, am 7. April 1998, in Bonn. Dieses Selbstkontrollorgan der werbenden Wirtschaft solle nach diesen Plänen zerschlagen werden.

Eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums bestätigte lediglich die Absicht Seehofers, in freiwilligen Vereinbarungen auch die Alkoholwerbung einzuschränken. Sie fügte aber hinzu: "Wir wollen den Werberat nicht zerschlagen und die Alkoholwerbung nicht abschaffen, aber wir wollen, daß das alles im Rahmen bleibt." Kinder und Jugendliche dürften nicht länger den Eindruck vermittelt bekommen, "daß Sport ohne Alkohol nicht möglich ist".

In seinem Jahrbuch stellt der Werberat, in dem werbungtreibende Wirtschaft und Medien sowie Werbeagenturen vertreten sind, unter Hinweis auf Aktivitäten in den Bundesländern fest: "Die Gesundheitspolitiker drohen mit gesetzlichen Werbeverboten, um das selbstdisziplinäre Regelwerk des Werberats in ihrem Sinn umzuformen." Seehofer plane, das Selbstkontrollorgan, das ähnlich wie der Presserat arbeite, "von einer selbstdiziplinären Institution zu einem gesellschaftlich berherrschten Proporzgremium" umzubauen, meinte Schrader. Die Werbewirtschaft hat den Minister laut Schrader bereits vor Monaten persönlich darauf hingewiesen, daß der Alkoholkonsum insbesondere bei Jugendlichen ständig abgenommen habe. Der häufige Hinweise auf "freiwillige" Einschränkungen der werbenden Wirtschaft auch in anderen Bereichen sei zumeist "Etikettenschwindel".

Auch die EU-Kommission beweise das "Diktat von Verhaltensregeln" durch die Politik. Dies werde durch das "bevorstehende Totalverbot der Tabakwerbung in der EU" demonstriert. "Im Gespann mit der britischen Ratspräsidentschaft soll die Automobilindustrie freiwillig erheblich beschränkende Regeln für die Werbung akzeptieren - obwohl der unterstellte Zusammenhang mit Autounfällen bis heute unbewiesen blieb", sagte Schrader.

Auch in der Jahresbilanz für 1997 spielen Sexismus und Frauendiskriminierung wieder eine besondere Rolle, was zu Rügen des Werberates führte. Allerdings sei dieser Anteil an allen Beschwerden deutlich rückläufig. Insgesamt 330 beim Werberat eingegangene Beschwerden (1996: 324) betrafen 235 beanstandete Werbemaßnahmen (1996: 214). Mit nur noch 124 Beschwerden wegen behaupteter Frauendiskriminierung ging der Anteil auf 38 Prozent aller Eingaben zurück nach noch 56 Prozent im Vorjahr mit 181 Beschwerden. Der Werberat führt dies auf inzwischen erreichte Sensibilität der Werbetreibenden und mehr Toleranz bei den Frauen zurück. Ein Teil der Kritik wurde an die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs in Bad Homburg weitergeleitet. Nur über 181 Werbekampagnen befand der Werberat. In 59 Fällen erklärten sich die Firmen freiwillig bereit, die kritisierte Werbung einzustellen und zu ändern.

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