Empfehlen Sie uns weiter
  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Facebook übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Twitter übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Hier können Sie mittels unseres Service-Formular eine Seite empfehlen. Es werden keine persönlichen Daten gespeichert.

23. März 2007 |

Web 2.0 als Chance für die Zeitung

Personalisierung gewinnt neue Dimension – unaufdringliche Anzeigen – Bürgerjournalismus bleibt Experimentierfeld mit gemischten Resultaten

Web 2.0 mit seinen zahlreichen Mitwirkungsmöglichkeiten verändert die Aufgabe und Funkti-on von Zeitungen im Internet. Mehr als die Hälfte aller amerikanischen Jugendlichen nützt in-zwischen soziale Netzwerke im Internet. Personalisierung und die künftige Rolle der Communi-ties war entsprechend ein Diskussionsschwerpunkt bei der NAA-Konferenz. Dabei ging es so-wohl um den Ausbau von Bürgerjournalismusprojekten wie ganz generell um Möglichkeiten, im „Zeitalter des Individuums“ für User relevant zu bleiben. Kontextabhängiger Werbung kommt dabei besondere Bedeutung zu – hier stellen sich besondere Anforderungen an die Technolo-gie, damit Werbung als Inhalt akzeptiert wird.

Für Ed Kost, Division Manager bei Tribune-Review Publishing in Pittsburgh, kann aus der zunehmenden Macht der Nutzer eine „Win-Win-Win“-Situation für Konsumenten, Anzeigenkunden und Verleger entstehen. Dadurch, dass Konsumenten mit selektiven Interessen die Möglichkeit zur Personalisierung hätten, litten sie weniger unter Informationsüberflutung und seien offener für passende Anzeigenbotschaften. Die Anzeigenkunden wiederum erreichten gezielter ihr Wunschpublikum. Die Verlage könnten sich über zufriedenere Kunden und stärkere Kundenbindung freuen.

 

Individuelle Schlagzeilen und eine dynamische Startseite

In Pittsburgh wird für das Produkt Pittsburgh live eine lernende Technologie eingesetzt, die auf Basis von einmal geäußerten Wünschen und laufendem Userverhalten die Inhalte des Internetangebots anpasst. Anzeigenkunden können die User exakt bei ihren Themeninteressen abholen.

Pittsburghlive.com ist ein Sport- und Entertainmentportal. Im Bereich “Personalized Headlines” können sich die User ein individuelles Informationsprogramm zusammenstellen, das Nachrichten von lokalen und nationalen Websites enthält – für die Nachrichtenmodule gibt es keine Einschränkung. Artikel können mit Freunden und Arbeitskollegen ausgetauscht werden, Nachrichtenkategorien nach eigenen Präferenzen gewählt werden.

bakersfieldDie angebotenen Schlagzeilen werden dann aufgrund der gewählten Kategorien und des tatsächlichen Leseverhaltens angepasst – je öfter der persönliche Bereich genutzt wird, desto nützlicher wird er für seine User. Zu den personalisierten Nachrichten werden auch personalisierte Anzeigen eingeblendet.

Die Inhalte und das Aussehen des ganzen Portals richten sich nach dem Verhalten und den Interessen der User. Prominent wird beispielsweise mit Hilfe einer „Tag-Wolke“ dargestellt, wonach die User auf der Seite am häufigsten suchen. Ein Klick auf ein Schlagwort wie „billige Hotels“ bringt den Besucher sofort zur entsprechenden Ergebnisliste.

 

Communities – Erfolg nicht vorhersehbar, Fotos beliebt

Weit weniger radikal ist das Vorgehen bei NewsOK.com, einem Gemeinschaftsangebot der Zeitung „The Oklahoman“ und des TV-Senders News 9 (Cox Verlagsgruppe). Auch dort gibt es personalisierte Schlagzeilen, aber eher als Randangebot. Noch setzt Kelly Dyer Fry, Director of Mulitmedia, mehr auf User-Beteiligung in vorgegebenen Communities: „Wir haben zum Beispiel ein gesondertes Angebot für Wetter geschaffen – die Menschen mögen das und machen mit.“

newsok„Dann haben wir versucht, Communities für 62 geographische Gebiete ins Leben zu rufen – mit sehr gemischten Resultaten,“ führt Fry weiter aus. Manche dieser Communities seien zum Leben erwacht – andere dümpelten vor sich hin. Allen gemeinsam sei, dass es nur sehr wenige Menschen gäbe, die selber Artikel schreiben wollten. Fotos sendeten die User häufiger und lieber.

Für Gil Penchina, CEO von Wikia, dem kommerziellen Unternehmen des Wikipedia Gründers Jimmy Wales, lässt es sich vom grünen Tisch aus nie vorhersagen, welche Angebote die User annehmen und welche sie links liegen lassen. Sein Tipp: „Man braucht nicht die volle Kontrolle. Trauen Sie Ihrem Publikum und lassen Sie die Menschen Dinge ausprobieren.“ Das Vertrauen seiner Firma in die User geht so weit, dass diese selbst die Firmenhomepage ändern können, beispielsweise die Pressemitteilungen editieren. Trotz dieser Möglichkeit gebe es aber so gut wie keinen Missbrauch.

Penchina nutzte seinen Auftritt in Las Vegas zur Ankündigung von local.wikia – einer neuen webefinanzierten Plattform für lokale nutzergenerierte Inhalte, die im Februar starten sollte. Bei Redaktionsschluss war die Website zwar freigeschaltet, wurde aber noch nicht intensiv genutzt.

 

Netzwerk von Nischenangeboten als Schlüssel für die Zukunft

Dan Pacheco, Senior Manager of Digital Products bei The Bakersfield Californian, will seine User mit einer ganzen Palette von Angeboten bei Laune halten. Neben der offiziellen Nachrichtenseite Bakersfield.com publiziert sein Haus das jugendliche Community-Angebot Bakotopia.com, die Bürgerjournalismusangebote Northwest Voice und Southwest Voice, neuerdings auch Newtobakersfield, Tehachapinews, und Bakersfieldlife.

Allen gemeinsam: es sind nicht nur passiv konsumierbare Nachrichtenangebote, sondern gleichzeitig Plätze, an denen Menschen zusammenkommen und, eigene Inhalte publizieren und sich ohne „redaktionelle Aufsicht“ austauschen können. Weitere Angebote sollen folgen. Pacheco: „Wenn das Publikum fragmentiert, bringt die Community es wieder zusammen. Wir sehen in einem Netzwerk von Nischenangeboten den Schlüssel zu unserer Zukunft.“

Der jüngste Neuzugang im Strauss der Websites ist The „Southwest Voice“, die 2006 nach dem Vorbild der 2004 als erstes US-Bürgerjournalismusprojekt angetreten Northwest Voice gelauncht wurde. 2007 soll ein weiteres Produkt für den Nordosten folgen. Das Prinzip ist immer gleich: Bürger stellen auf der Website Artikel und Fotos ein, die dann gedruckt und als kostenlose Zeitung nach Hause geliefert werden.

Bakotopia gibt es seit Januar 2005 und wendet sich an die 18 bis 35jährigen. Es geht hier hauptsächlich um Kommunikation und den Austausch mit Gleichgesinnten. Die „Nachrichten“ stammen aus Blogs. Ein Printprodukt gibt es nicht.

pittsburghTehachapinews.com läuft zwar seit Anfang 2005 auf der gleichen Plattform wie Bakotopia, doch gibt es hier zusätzlich ein wöchentliches Printprodukt für die Kleinstadt. Blogs und Kommentare machen es die Website trotz ihrer spitzen Zielgruppe zu der am zweitstärksten genutzten Website der Gruppe.

„Die Mitwirkungselemente haben unserem Unternehmen insgesamt 20 bis 30 Prozent mehr Traffic gebracht“, erläutert Pacheco. Auf Bakersfield.com entfielen inzwischen 15 Prozent der Zugriffe auf Kommunikation. 2007 sollen auch die Einnahmen massiv steigen. Auch hier setzt man in Bakersfield auf die guten Beziehungen zur Community. Ein erster Schritt ist ein lokales Geschäftsverzeichnis, angereichert um User-Rezensionen und -kommentare.

 

Community-Software als Basis für Zeitungs-Website

Wie stark eine Website ein Printprodukt machen kann, zeigte auch Steve Yelvington, Internet Strategist bei Morris Digital Works. „Bluffton Today“ hat sich nach einem Jahr als feste Anlaufstelle für die User etabliert. Anders als bei „Northwest Voice“ gibt es inhaltlich kaum Überschneidungen zwischen der kostenlos an alle Haushalte verteilten Zeitung und der Website. Die Blogs werden gut angenommen. Ganz wichtig seien die erweiterten persönlichen Profile: „Pushen Sie das Ego ihrer User“, betont Yelvington.

Interessanter Weise bevorzugten die User Embleme und Cartoons zur Selbstdarstellung – kaum jemand nutze reale Fotos. Das Angebot werde stark dazu genutzt, andere Menschen mit ähnlichen Interessen zu finden. Ein Hit sei auch die Möglichkeit, mit anderen Usern per Instant Messaging zu kommunizieren, ohne die eigene Identität oder E-Mail-Adresse preisgeben zu müssen. Das vollständig auf Open Source aufgebaute Content Managing System bilde inzwischen auch die Basis für andere Websites von Zeitungen der Morris-Gruppe, beispielsweise von savannahnow.com, wo ein vollständig neues System für eine Zeitungswebsite erprobt werde.

Den Start einer neuen Community-Website für Studenten gab in Las Vegas Dan Wheeler bekannt, Director of Digital Media bei „The Roanoke Times“ / roanoke.com. Diese Zeitung gehört zur Times-World Corp., einem Tochterunternehmen von Landmark Communications. BigLickU ist ein Angebot speziell für Studenten in Southwest Virginia. Obwohl die Website allgemein zugänglich ist, können als registrierte User nur Studenten und Mitarbeiter mit einer gültigen Universität-E-Mail-Adresse („.edu“) alle Funktionalitäten in vollem Umfang nutzen. Rege Teilnahme am virtuellen Universitätsleben auf der Website wird mit Statuspunkten belohnt. Big Lick U sponsort auch Events im realen Universitätsleben, um das reale Miteinander noch stärker zu fördern.

 

Begrenzte Zielgruppen als Garant für Erfolg

Einig waren sich alle Referenten, dass gerade ihre Kleinheit beziehungsweise Begrenztheit den Charme der Community-Websites im Lokalen ausmacht und geradezu Garant für ihren Erfolg ist. Der überschaubare soziale Raum helfe zudem, Vandalismus einzugrenzen. Maßstab für den Erfolg oder Misserfolg eines Community-Projekts sei die Userbeteiligung. Pacheco: „Sie müssen es als Ihre ureigenste Aufgabe ansehen, die Konversation am Laufen zu halten.“

zurück