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09. Februar 2001 | Digitales

Verlagsmanager und Wissenschaftler diskutieren "Zukunft der Zeitung"

Nicht repräsentative Umfrage zum Nutzungsverhalten sorgt für Irritationen

Für erfolgreiche Internet-Auftritte von Zeitungsangeboten gibt es kein Patentrezept. Dies war einmal mehr das Fazit eines Workshops "Die Zukunft der Zeitung", zu dem die Forschungsstelle für neue Kommunikationsmedien der Universität Bamberg in Zusammenarbeit mit der Zeitungs Marketing Gesellschaft und der Volkswagen Stiftung am 2. Februar in Bamberg eingeladen hatte.

Für eine Irritation in der Branche sorgte die von Professor Joachim Höflich (Universität Erfurt) im Rahmen des Workshops geäußerte These von einer angeblichen "Krise der Online-Zeitungen", die leider unkritisch von Medien weiter verbreitet wurde. "Die Online-Zeitung wird unwichtiger, obwohl die Nutzer mehr Zeit im Internet verbringen", fasste Höflich die Ergebnisse einer Umfrage provokant zusammen: Im Vergleich zu 1999 stieg die durchschnittliche monatliche "Online-Zeit" der Befragten von 30 auf 40 Stunden. Gleichzeitig gaben die Nutzer an, weniger häufig bei Zeitungsangeboten vorbeizusurfen. Lediglich 21,5 Prozent waren die Nutzung der Online-Zeitung im Vergleich zu den sonstigen Internet-Aktivitäten wichtig oder sehr wichtig. Im Vorjahr gaben dies noch 30 Prozent an.

Ob die Untersuchung aber repräsentativ für die gesamte Branche ist, kann bezweifelt werden: Die Daten basieren auf einer Online-Umfrage von 670 Nutzern dreier lokaler bayerischer Online-Angebote von Tageszeitungen. Breit angelegte Untersuchungen kommen zu völlig anderen Ergebnissen: So ermittelte die Marktforscher von MMXI Europe auf der Basis eines 6.000 Personen umfassenden Panels für den Monat November 2000 eine durchschnittliche Internetnutzungsdauer von 584 Minuten und damit nicht mal zehn Stunden (statt 40 Stunden). Außerdem registrierte MMXI Europe eine deutliche Nutzungssteigerung von Informationsangeboten im Web. Die User halten sich im Schnitt 33,8 Minuten pro Monat auf solchen Websites auf und steigerten damit die Nutzungszeit um das Zweieinhalbfache. Auch ein Blick auf die IVW-Zahlen von Zeitungsangeboten relativiert die Aussagen der Studie. Praktisch alle Zeitungsangebote konnten ihre PageImpressions im vergangenen Jahr deutlich steigern.

Wie ein mittelständisches Verlagshaus die multimedialen Möglichkeiten offensiv nutzt, zeigte Stefan Hilscher, Mitglied der Verlagsleitung "Augsburger Allgemeine" (Mediengruppe Presse-Druck). Die Mediengruppe Presse-Druck sei kein Verlagshaus mehr, sondern ein Cross-Media-Dienstleister, der auf vier Säulen ruht: Der Zeitungsgruppe für Tages- und Wochenzeitungen sowie Online-Diensten, der Druckgruppe für Druckerzeugnisse, der RT.1 Media Group für elektronische Medien sowie der Factory-Gruppe, die Dienstleistungen im Bereich Internet-Solutions, Call-Center und Logistik anbietet.

Eher amüsiert folgte das Auditorium während der abschließenden Podiumsdiskussion den Ausführungen von Dieter Cohnen, dem Macher des reinen Online-Angebots Regioblick Aachen. Cohnen kritisierte, dass die Verlage ihren Content kostenlos ins Netz stellten. Bei Regioblick müssten die Nutzer journalistische Leistungen auch honorieren. Nach eigenen Angaben hat Regioblick zurzeit 150 Abonnenten, die fünf Euro pro Monat bezahlen. Da die Redakteure bei Regioblick kein Gehalt bekommen, sondern laut Cohnen "in ihre eigene Zukunft investieren", könnte das sogar ein Geschäft sein. Unter www.uni-bamberg.de/split/kowi/fnk/programm.html können die Präsentationen des Workshops heruntergeladen werden.

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