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28. September 2009 | Allgemeines

Presserat rügt Michael-Jackson-Berichte

Unangemessen sensationelle Darstellung/ Eingriff in postmortale Persönlichkeitsrechte

Der Deutsche Presserat hat die Berichterstattung mehrerer Medien zum Tod von Popstar Michael Jackson ins Visier genommen. Nach Angaben des Selbstkontrollgremiums vom 11. September 2009 wurde die „Bild“-Zeitung wegen „unangemessen sensationeller Berichterstattung“ gerügt. Ein großes Foto auf der Titelseite habe Jackson auf einer Bahre liegend und an Beatmungsgeräte angeschlossen gezeigt. Die Kombination mit der Überschrift „Hier verliert er den Kampf um sein Leben“ habe Lesern suggeriert, sie könnten einem Menschen unmittelbar beim Sterben zusehen. Das hielt der Beschwerdeausschuss des Presserats für einen Verstoß gegen die Menschenwürde.

Im Zusammenhang mit dem Jackson-Tod wurde auch Bild.de wegen „schwerwiegenden Eingriffs in postmortale Persönlichkeitsrechte“ gerügt. Eine Rüge erhielt ferner „Das Neue Blatt“ wegen Verstoßes gegen die journalistische Sorgfaltspflicht. Die Zeitschrift hatte über die an­geblich schwer demenzkranke Schauspiele Doris Day ohne eigene Recherche berichtet und auf Quellenangaben verzichtet. Dies „schade dem Ansehen der Presse in Deutschland“, kritisierte das Selbstkontrollgremium. Eine weitere Rüge ging an die Fernsehbeilage „Prisma“ wegen Schleichwerbung. Mit zwei nicht-öffentlichen Rü­gen kritisierte der Presserat die Verletzung des Persönlichkeitsschutzes in einem Artikel der „Schwäbischen Zeitung“ (Leutkirch) und die un­angemessen sensationelle Darstellung eines brutalen Überfalls bei Bild.de. Insgesamt wurden in den drei Beschwerdeausschüssen 112 Be­schwerden behandelt. Dabei wurden neben den Rügen 17 Missbilligungen und 17 Hinweise aus­gesprochen. In 34 Fällen wurden die Beschwer­den als unbegründet erachtet.

Berichte über Amokläufe

Im Rahmen der Sitzung diskutierte das Plenum des Deutschen Presserats gemeinsam mit Ex­perten aus der Wissenschaft auch über die mög­lichen Folgen der Berichterstattungen über Amokläufe. Anlass war eine Vielzahl von Be­schwerden nach dem Amoklauf von Winnenden. Die Beschwerdeausschüsse hatten bei ihren Sit­zungen im Mai unter anderem die Nennung von Opfernamen, eine „heroisierende Darstellung des Täters“ und die fiktive Nachstellung der Tat mit grafischen Mitteln beanstandet. 47 Beschwerde­verfahren wurden eingeleitet, insgesamt 79 Leser hatten sich beim Presserat beschwert.

„Wenn über einen Amoklauf berichtet wird, muss der Opferschutz im Vordergrund stehen. Medienberichte dürfen nicht zu weiteren Opfern führen“, sagte dazu Professor Rüdiger Wulf, Kri­minologe und Viktimologe an der Universität Tü­bingen. Der Sprecher des Deutschen Presserats, Manfred Protze, wies auf das „natürliche und zugleich schwierige Spannungsverhältnis zwi­schen dem begründeten öffentlichen Interesse an einem Ereignis dieser Art auf der einen Seite und den Interessen der Angehörigen in ihrer Rolle als authentische Quellen für eine verlässliche Be­richterstattung auf der anderen Seite“ hin. Der Entwicklungspsychologe und Entwicklungsfor­scher Professor Herbert Scheithauer (Freie Uni­versität Berlin) warnte, dass eine gewisse Form der Berichterstattung mögliche Nachahmungstä­ter bestärken könne. Er riet: „Nicht den Täter und seine Motive in den Vordergrund rücken, sondern die Tat; keine Klischees fördern, keine Bilder vom Täter zeigen und keine Namen nennen.“

Beschwerde über Internet-Video

Im Zusammenhang mit der Winnenden-Be­richterstattung hatte der Presserat in seiner neuen Zuständigkeit auch für Online-Veröffentli­chungen erstmals Beschwerden über ein Internet-Video zu beurteilen. Das Video unter dem Titel „Die letzten Sekunden des Amokläufers Tim K.“ war auf den Onlineseiten einer Tageszeitung und einer Wochenzeitschrift veröffentlicht worden. Die Filmsequenz, die von einem Passanten mit einer Handykamera aufgenommen worden war, zeigte die Selbsttötung des Amokläufers auf einem Parkplatz. Der Presserat stellte bei der Diskus­sion dar, dass die Regeln des Pressekodex grundsätzlich auch für alle Bewegtbilder gelten, die in den Onlineausgaben von Printmedien ein­gestellt werden und dort abrufbar sind. Wichtig sei bei der Beurteilung von Videos der beim Be­trachter entstehende Gesamteindruck. Im kon­kreten Fall sah das Gremium die Grenzen des Zulässigen überschritten. Es erteilte beiden Me­dien einen Hinweis.

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