Empfehlen Sie uns weiter
  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Facebook übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Twitter übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Hier können Sie mittels unseres Service-Formular eine Seite empfehlen. Es werden keine persönlichen Daten gespeichert.

24. November 2009 | Allgemeines

„Google ist ein zweischneidiges Schwert“

Verlagsentscheider diskutieren über den richtigen Umgang mit der Suchmaschine / weltweit erste Studie zum Thema Google und die Zeitungen vorgestellt

Ist Google Freund oder Feind oder der „Frenemy“ der Verlage – das war die zentrale Fragestellung beim ersten BDZV Google-Fachtag. Rund 70 Verleger, Chefredakteure und Geschäftsführer diskutierten in Berlin wie Verlage am besten vom Suchmaschinenbetreiber profitieren können und an welchen Stellen Google zur Gefahr werden könnte.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERA„Für viele Verlage ist Google ein zweischneidiges Schwert, auf das man gut achtgeben muss“, fasste die Verlagsberaterin und Google-Expertin Katja Riefler zusammen. Zu diesem Ergebnis kommt auch die weltweit erste Studie zum Thema „Umgang von Zeitungsverlagen mit Google“, die Riefler im Auftrag des BDZV erstellt hat. Zwar sei Google durchschnittlich für mehr als 50 Prozent des Website-Traffics verantwortlich, doch tritt die Firma aus Mountain View auf der anderen Seite auch als Konkurrent auf dem Anzeigenmarkt auf. Aufgrund dieses Dualismus geben 71 Prozent der Befragten in der BDZV-Studie an, dass sie Google sowohl als Bedrohung als auch als Partner sehen.

Google hat keine Bindung zu regionalen Werbekunden

OLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERA„Wer das Prinzip Google verstanden hat, kann von Google profitieren“, erläuterte Holger Meyer, Geschäftsführer von „iProspect“ aus Hamburg. Dabei spielte Meyer, der früher selbst für Google arbeitete, auf das Vermarktungsmodell des Suchmaschinenproviders an. „Neben einem Artikel über die neueste Generation von Waschmaschinen platziert Google die Anzeige eines Elektrohändlers. Die Verlage müssen sich fragen lassen, warum sie dies nur in sehr wenigen Fällen selbst machen“, so Meyer. Dabei sei die Vermarktung von lokalen und regionalen Gewerbetreibenden eine der elementarsten Aufgaben und Eigenschaften der Regionalzeitungen. „Und zudem ist die regionale Werbung ein Gebiet, auf dem Google keinen Fuß in die Tür bekommt. Denn Google hat keine gewachsenen Beziehungen zu Lesern und Anzeigenkunden vor Ort“, fuhr der iProspect Geschäftsführer fort. Dies müssten die Verleger für sich nutzen. Wichtig sei es, nicht wie Google die Universaldienstleister zu präsentieren, „sondern neben einem Artikel über Kühlschränke den lokalen Elektrofachmarkt“.

Für eine Rückbesinnung auf die Tugenden des Zeitungshandwerks sprach sich auch Harry Eggensperger von „empm“ aus. „Warum zaudern Zeitungsverlage immer so sehr mit sich selbst? Wir haben gute Verlage, doch diese müssen den Sprung in die nächste Generation von Vermarktungsmodellen schaffen“, so der Hamburger-Werbefachmann. Zwar wollte auch Eggensperger nicht so weit gehen, dass nur noch das Prinzip Google das Geschäftsmodell der Zukunft sei, so wie es etwa Jeff Jarvis auf dem Printgipfel 2009 propagiert hatte. Doch Googles-Modell sei ein sehr gutes, und von diesem sollten die Verlagshäuser lernen.

Wege aus der Kostenlosfalle finden

Dass auch in Zukunft zu diesem Modell nicht die Produktion von eigenem Content gehören wird, erläuterte noch einmal Annabella Weisl, Strategic Partner Manager „Google Book Search“: „Unser Hauptgeschäft ist und bleibt die Suche.“ Von daher sei auch Google sehr daran interessiert, dass ein Weg des Ausgleichs zwischen Verlagen und Google gefunden werde. „Wir wissen, dass es das Internet nicht ohne gute Inhalte geben wird und somit brauchen wir die Verlage“, meinte Weisl. Ein Ansatz, der bei Christoph Keese, Konzerngeschäftsführer der „Axel Springer AG“, auf Zustimmung traf. „Keiner will den totalen Google-Krieg. Aber wir Verlage müssen an den Werbeumsätzen, die Google mit unseren Inhalten erwirtschaftet, in einem fairen Umfang beteiligt werden.“ In diesem Zusammenhang sprach Keese auch noch einmal die seit geraumer Zeit von den Verlegerverbänden diskutierte Einführung eines Leistungsschutzrechts im Internet an. „Es geht uns nicht darum, dem Privatmann in die Tasche zu greifen. Sondern es geht darum, dass wir einen Weg aus der Kostenlosfalle finden“, so Keese. Denn diese würde über Kurz oder Lang das derzeitige Wirtschaftskonzept in Wanken bringen.

 

Websites fürs 21. Jahrhundert fit machen

google BDZVDamit die wirtschaftlichen Fundamente der Verlage nicht noch weiter ins Wanken geraten, appellierten die beiden Suchmaschinenexperten Christoph Burseg und Thomas Kaiser an die Verlage, ihre Websites für das 21. Jahrhundert fit zu machen. „Neben technischen Innovationen gehört dazu auch, dass sich Autoren bereits beim Schreiben ihrer Artikel überlegen, welche Werbung dazu passen würde“, so Kaiser. Speziell im Bereich der Ratgeber- und Servicegeschichten schlummern da noch sehr viel Potenzial in den Verlagen , ergänzte Burseg. Seinen Angaben zufolge nutzen 84 Prozent der rund 43,5 Millionen Internetnuttzer in Deutschland eine Suchmaschine. Das seien durchschnittlich 107 Suchanfragen pro Person im Monat oder 3,8 Milliarden insgesamt. Der Wert des Traffics werde sträflich unterschätzt, versicherte Burseg, der vor Eröffnung einer eigenen Firma mehrere Jahre "Welt Online" für Suchmaschinen optimiert hat. "Oder wissen Sie, was eine Page Impression (PI) im Bereich Sport bei Ihnen wert ist?", frug er provokant.

Mehr Informationen zur Studie von Katja Riefler gibt es hier. Ein ausführliches Interview mit Katja Riefler und Thomas Kaiser sowie Audiomitschnitte der Veranstaltung finden BDZV-Mitglieder in kürzeim internen Bereich.

Fotos: BDZV

zurück