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06. November 2008 | Digitales

Google baut Zeitungsarchiv auf

Verlage: Angebot ist zwiespältig

Google hat in den USA angekündigt, ein Online-Archiv für Zeitungen aus der ganzen Welt aufzubauen. Der Konzern will dafür die für Google Book Search entwickelte Scan-Technik einsetzen. Nutzer sollen Artikel vollständig durchsuchen und Seiten im Original-Layout samt Fotos und Anzeigen aufrufen können. Die Archive sollen zunächst auf der Nachrichtenplattform „Google News“ als kostenlose E-Paper zu finden sein. Im Mittelpunkt stehen dabei historische Ausgaben. Die Zeitungsseiten behalten ihr ursprüngliches Layout.

Leser können innerhalb der E-Paper suchen. Textfundstellen werden jeweils mit gelb-transparenter Farbe markiert. Man erhält eine vollständige Ansicht der Zeitungsseite und kann sich in dieser dann mit Hilfe einer Lupe heranzoomen. In den kommenden Monaten will Google eingescannte Zeitungsseiten bei der normalen Google-Suche mit dem Vermerk "Google News Archive" versehen. Nutzer können sich geschichtliche Abläufe in einer Zeitleiste darstellen lassen, selektiert wird nach Erscheinungsdatum. Das Angebot konzentriert sich derzeit auf Ausgaben aus den 40er- bis 70er Jahren des 20. Jahrhunderts. Diese sind bei vielen Verlagen bereits als Mikrofilm vorhanden, was eine einfachere und schnellere digitale Erfassung erlaubt. Letztlich will man jedoch auch Ausgaben auf Papier einscannen. Technischer Dienstleister des Projekts sind unter anderem die Archivunternehmen ProQuest und Heritage.

Das Kooperationsmodell

Vorerst will sich Google auf den US-amerikanischen Raum konzentrieren, man plane aber auch eine Ausweitung des Projektes auf Europa. Anders als bei der Digitalisierung von Büchern will Google bei seinem Zeitungsprojekt die Zustimmung der Verleger einholen. Gespräche mit deutschen Verlegern seien aber noch nicht geführt worden. Die Kosten für das Einscannen der Seiten will der Internet-Konzern übernehmen. Im Gegenzug beabsichtigt Google Anzeigen neben den Suchergebnissen zu platzieren. Die Verleger der Zeitungen profitieren von der Werbung, die Google über Adsense auf den entsprechendenNews archive 1969 Seiten einblenden will. Die Verlage sollen einen nicht bezifferten Anteil des Umsatzes erhalten. Das Zeitungsarchiv soll auf der Google-Seite frei zugänglich sein. Verlage können das Archiv ebenfalls auf ihrer Zeitungswebsite online verfügbar machen. In den USA werden auch kostenpflichtige Datenbanken in die Suche aufgenommen. Taucht eine Meldung nicht im Gratis-Verzeichnis von Google auf, landet der Nutzer in einem Paid Content-Angebot, wo dann pro Artikel bezahlt werden muss.

Partner des Projektes

Google hat nach eigenen Angaben bereits begonnen, Millionen von Artikeln von Mikrofilmen aus historischen US-Archiven zu digitalisieren und dafür 100 Partnerverlage gefunden. Gestartet wurde mit alten Ausgaben der „Saint Petersburg Times“ und der „Pittsburgh Post Gazette“. Unter den Partnern findet sich auch die älteste Tageszeitung Amerikas, der Quebec „Chronicle-Telegraph“, eine Zeitung, die seit 1864 erscheint.

Das Projekt ist die Fortführung des 2006 gestarteten Versuchs, die Archive wichtiger US-Blätter wie „New York Times“, „Washington Post“ oder „Time Magazine“ über Googles Suchfunktion bereitzustellen. Diese Archive waren aber bereits digitalisiert und haben sich Google nur geöffnet. Der Leser sieht bei Google bislang auch nur die ersten Wörter der Artikel und wird mit einem Link zu den Internet-Angeboten der Zeitungen geleitet. Dort wird für den vollständigen Text häufig eine Gebühr verlangt.

Einschätzungen aus der Branche

Die Google-Initiative fällt in eine Zeit, in der immer mehr Verlage darüber nachdenken, ihre Archive online kostenlos zur Verfügung zu stellen, um Nutzer auf ihre Internetseiten zu locken. Für Verlage ist Google ein wichtiger Partner geworden. Zeitungsportale beziehen heute zum Teil mehr als jeden dritten Besucher über die Webseiten des Suchmaschinenkonzerns. Eine prominente Platzierung bei Google ist immer entscheidender für den Erfolg. Zwar haben manche großen Zeitungen ihr Archiv bereits selbst digitalisiert, doch viele kleine scheuen die Investitionen. Google bietet diesen an, nicht nur die Kosten für das Einscannen zu übernehmen, sondern ihnen auch einen Anteil der Werbeeinnahmen zu zahlen, der durch die Google-Website erzielt wird.

Das Google-Angebot wird in der deutschen Zeitungsbranche ambivalent gesehen. Rainer Esser, Geschäftsführer des Zeit-Verlags, könnte sich vorstellen, die Archive der Wochenzeitung unter bestimmten Umständen zur Verfügung zu stellen. Für Zeitungshäuser wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, die mit einem eigenen kostenpflichtigen Archiv im Internet Umsätze macht, spielt das Google-Angebot hingegen keine Rolle. Der BDZV gibt zu bedenken, dass Verlage, die ihre Archivinhalte an Google weiterreichen, auch ein Stück Kernkompetenz aus der Hand geben. Jede Kooperation mache Google als Wettbewerber der Zeitungen stärker. Letztlich müsse jeder Verlag jedoch selbst entscheiden, ob er mit Google im Archivbereich zusammen arbeiten wolle oder nicht.

Peter Horvath, Geschäftsführer der Presse-Monitor Gesellschaft, sieht das Kooperationsangebot ebenfalls kritisch: „Google ist eine Suchmaschine, die von fremdem Content lebt. Das, was Google bisher fehlt, ist der Inhalt der gedruckten Zeitungen und Zeitschriften.“ Mit diesen Inhalten würde Google das eigene Angebot erheblich aufwerten und seine Marktstellung deutlich verbessern können. Für die Verlage ergeben sich daraus keine Vorteile, im Gegenteil. Sie würden dazu beitragen, Google weiter zu stärken, und damit die eigene Position im Netz schwächen. Den Preis den Google bereit ist dafür zu zahlen, nämlich die Archive zu digitalisieren, sei vergleichsweise gering. Außerdem würden die Verlage damit die Geschäftsfelder, in denen sie heute ihren digitalen Content vermarkten, erheblich gefährden.

Nach Ansicht von Dr. Frank Meik, IFRA-Senator und Managing Director der MW-Verlagsgesellschaft dürfe weder die Leserbeziehung noch die Werbekundenbeziehung aus den Händen der Verlage gegeben werden. Harsche Kritik äußerte „FAZ“-Autor Michael Hanfeld zum Google-Zeitungsarchiv. Es stellt in seinen Augen eine Enteignung von Autoren dar. Google sei nichts anderes als ein Raubkopierer, der letztendlich zum Tod der Zeitungskultur beitrage. Die Suchmaschine errichte ein virtuelles Zeitungsmuseum, zu dem die Zeitungsleute selbst nur als Besucher Zutritt haben.

ACAP - Schutz vor Urheberrechtsverletzungen

Urheberrechtsverletzungen waren auch der Auslöser für die Initiative des Weltzeitungsverbands (WAN), den offenen Standard „Automated Content Access Protocol (ACAP) zu entwickeln. Nachrichtenanbieter und Medienunternehmen werfen Suchmaschinenanbietern seit geraumer Zeit vor, dass bei der Suche nach neuen Nachrichten mehr abgegriffen wird, als vom Anbieter eigentlich vorgesehen und erlaubt. Gavin O´Reilly, Präsident des Weltverbands der Zeitungen WAN, nahm den diesjährigen BDZV-Kongress in Berlin zum Anlass, die Filter-Software für Verlage vorzustellen. ACAP soll Zeitungsverlagen mehr Kontrolle darüber geben, was Suchmaschinen mit ihren im Web veröffentlichten Inhalten anstellen. So erlaubt ACAP beispielsweise, Artikel nur für begrenzte Zeit oder gegen Bezahlung zu indexieren. Es können zudem Textlängen festgelegt werden, die der Bot beim Crawlen nicht überschreiten darf. Auf diese Weise können kurze Teaser indiziert werden, während der Gesamttext vom Bot unberücksichtigt bleibt. Die Sache hat allerdings noch einen Haken: Die Beachtung der ACAP-Befehle bleibt für Suchmaschinen ebenso freiwillig wie die der robots-Befehle. Bislang hat keiner der großen Suchmaschinenbetreiber Unterstützung signalisiert. Google selbst hat technische Schwierigkeiten in der Anwendung von ACAP geltend gemacht. In Deutschland nehmen an der Initiative bisher der „Donaukurier“ (Ingolstadt) und der „Reutlinger General-Anzeiger“ teil.

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