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21. September 2001 | Allgemeines

Die Zeitung ist und bleibt unser Kerngeschäft

Marco E. de Stoppani über “Neue Strategien in veränderten Märkten

Mit der Explosion der digitalen Möglichkeiten werde das Informationsgeschäft zwar „schneller und globaler, aber auch anspruchsvoller, nervöser, fehleranfälliger und unübersichtlicher“, erklärte der Verlagsdirektor der „Neuen Zürcher Zeitung“ (NZZ), Marco E. de Stoppani, zum Auftakt des Fachprogramms beim Zeitungskongress am 18. September 2001 in Berlin. Genau hier liege aber auch die große Chance der Zeitung.

Auch in einer medientechnisch revolutionierten Welt werde die professionell erarbeitete, zuverlässige Information gefragt bleiben – auf Zeitungspapier wie im digitalen Netz. In der Tat bestehe, versicherte de Stoppani, die große Chance der Zeitung in der nachhaltigen Pflege oder gar der Rückeroberung der Inhalte. Die Zeit dafür sei reif, weil „auch gute Zeitungen immer anfälliger werden für das, was den Journalismus verdächtig macht: Verkürzungen, Vereinfachungen und Zuspitzungen um des Effekts Willen“. Mit Recht werde eine allgemein abnehmende journalistische Sorgfalt beklagt, eine Novellierung nach unten, ein Häppchen-Journalismus und billiges „Infotainment“. In solchen Zeiten könne, versicherte de Stoppani, die seriöse Zeitung wieder stärker zur Alternative für Nachdenkliche werden: Bei der man auch heute noch wisse, was man gestern gesagt habe, bei der Aktualität zwar wichtig, Qualität aber entscheidend sei; bei der Inhalt und Form, Gestalt und Gehalt einander bedingten.

 

Vor diesem Hintergrund bezeichnete der „NZZ“-Verlagsdirektor das Verlegen von Zeitungen als „Kerngeschäft“ der „NZZ“. Alle anderen Aktivitäten der Gruppe – dazu zählen Zeitschriften, Bücher, Druckleistungen, Radio- und Fernsehsendungen – würden als „komplementäre Geschäfte“ betrachtet. Mit Blick auf das Internet formulierte de Stoppani aber auch die These, dass die „New Economy“ alles andere als tot sei. Noch immer sei die Liquidität der Finanzmärkte recht hoch. Nur würden jetzt die Unternehmen sorgfältiger ausgesucht. Die „NZZ“ habe vor zwei Jahren die Online-Aktivitäten zur zweiten Säule ihres Kerngeschäfts erhoben. Dies sei aus der Überzeugung geschehen, dass sich das Online-Medium allmählich zu einem wichtigen, das Printmedium ergänzenden Instrument zur Wahrnehmung der publizistischen Aufgabe entwickeln werde.

 

Notwendig sei es allerdings, schränkte der Verlagsdirektor ein, dass redaktionelle Leistung im Netz nicht länger verschenkt werde. Er sei der festen Überzeugung, dass auch morgen die Inhalte und nicht die Technik der Grund sein werden, warum Menschen mediale Dienstleistungen nutzen. De Stoppanis Vision: „Wenn eine Gruppe von bedeutenden Verlegern sich dazu entschließen könnte, ihre publizistischen Leistungen im Internet gegen Entgelt zu vermarkten, hätte das eine enorme Signalwirkung. Ich bin gerne dabei und ermuntere dazu – selbstverständlich in vollem Respekt vor Ihrem strengen Kartellrecht.“

 

Als größtes Risiko für die Zeitungsbranche betrachtete de Stoppani nicht den schleichenden Leserschwund, sondern vielmehr den „Wandel der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, unter denen künftig Zeitungen verlegt werden“. Leser- und Auflagenzahlen stagnieren, Werbeausgaben in der Presse sinken derzeit dramatisch. Die Preiselastizität ist begrenzt. Personal-, Herstellungs- und Beschaffungskosten steigen. Teure Ersatzinvestitionen drängen sich in immer kürzer werdenden Intervallen auf. Vor diesem Hintergrund sei es dringend nötig, das Zeitungsgeschäft effizienter, flexibler, transparenter und einfacher zu machen. Dies lasse sich, behauptete de Stoppani, oft nur im Verbund erreichen. Der Verlagsdirektor sprach dabei von „Coopetition“ als einer Kombination von „Cooperation“ und „Competition“. Dahinter stecke der Gedanke des Verbunds selbstbewusster, gleichgesinnter Verlagshäuser. Ziel solcher punktuellen, strategischen Allianzen sei es, den Mediennutzern einen Mehrwert anzubieten, den die einzelnen Verlagshäuser im Alleingang nicht erbringen können. Denkbar seien multilaterale Kooperationen in den Bereichen der Zustellung, des Betreibens von Druckzentren, der digitalen Übermittlung von Druckvorlagen, der Realisierung von gemeinsamen Mediendatenbaken, der Verwirklichung von umfassenden Internet-Plattformen oder des Einkaufs von Telefonieleistungen mit dazugehörigen Netzwerken. Die „NZZ“ habe, bestätigte, de Stoppani, schon vor Jahren die Initiative zu einer Reihe von Verbundsystemen ergriffen, mit denen zum Teil beträchtliche Mehrwerte realisiert worden seien.

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