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Zeitungsportale nutzen Twitter als Nachrichtenkanal

Microblogging-Dienst erobert Medienwelt

Immer mehr Zeitungswebsites nutzen den Microblogging-Dienst Twitter (englisch to twitter = zwitschern). Bei Twitter können angemeldete Nutzer kurze Texte mit maximal 140 Zeichen senden und die Texte anderer Nutzer über ihr Mobiltelefon oder eine Internet-Seite lesen. Twitter gehört zu den sozialen Netzwerken, die darauf beruhen, dass man Texte anderer Nutzer als so genannte „Follower“ abonniert. Ebenso können diese die eigenen Aktualisierungen abonnieren.

Twitter bietet schnelle, einfache und effiziente Kommunikationsmöglichkeiten. Wie der Live-Ticker einer Nachrichtenseite lesen sich die telegrammartigen Notizen. Den Link mit den ersten Bildern der Beinahe-Flugzeug-Katastrophe auf dem Hudson River lieferte ein Augenzeuge über Twitter. Quasi als Live-Ticker nutzten die Medien den Kurznachrichtendienst, um über die aktuellen Ereignisse des Amoklaufs von Winnenden zu erfahren. Auch bei der Amtseinführungszeremonie von Barack Obama wurden die Fans mit Twitter und Fotoblogs ständig auf dem Laufenden gehalten. Was die ungefilterten Augenzeugenberichte für die Zuschauer so interessant mache, sei der „Anschein von Authentizität“, sagt Medienwissenschaftler Christoph Neuberger.

 

 

Über eine Million Nutzer veröffentlichen täglich Millionen kurzer Sätze im Netz, dokumentieren die Banalität des Alltags ebenso wie weltbewegende Ereignisse. Weltweit nutzen inzwischen rund 55 Millionen Menschen den Microblogging-Dienst. In Deutschland sind es nach einer Schätzung der Social Media-Expertin Nicole Simon rund 85.000 Nutzer. Dass Zeitungswebsites durch Twitter massive Reichweitengewinne erzielen können, dafür ist es wohl noch zu früh. Das derzeit beliebteste deutsche Medienangebot bei Twitter, „Welt kompakt“, zählt gerade mal knapp 3.000 Abonnenten. Trotzdem lässt sich die Leserbindung und Vernetzung mit dem eigenen Onlineangebot mit geringem Aufwand verbessern.

Nachrichtenkanal der Zeitungsportale

Inzwischen nutzen mehr als 20 Zeitungsportale Twitter als Nachrichtenkanal, um auf die eigenen Medienangebote zu verweisen. So präsentieren viele Zeitungshäuser ihre neuesten Schlagzeilen zusätzlich auf Twitter. Mit mittlerweile 2.600 Followern gehört das WAZ-Portal „DerWesten“ zu den erfolgreichsten Zeitungsangeboten. Die Redaktion von DerWesten twittert live vom Newsdesk und von wichtigen Terminen. Der Dienst wird auch für Umfragen und als Servicekanal genutzt, zum Beispiel um Staumeldungen schnell zu verbreiten. Per Twitter ist „DerWesten“ 18 Stunden täglich präsent. Zeit Online versucht, Twitter für klassische Publikationszwecke zu nutzen: zum Beispiel, um Liveschnipsel aus dem hessischen Wahlkampfalltag zu vermelden. Die Kurzberichte wurden direkt auf der Website angezeigt. Wer Follower des Twitter-Users HAZde ist, bekommt die wichtigsten Nachrichten aus der Online-Redaktion der „Hannoverschen Allgemeinen“ zugestellt.

Recherchieren und Themen finden

Twitter wird auch als ergänzendes Recherchemedium geschätzt. Allein „DerWesten“ hat rund 1.300 Twitter-Angebote abonniert. Twitterer sind in der Regel Multiplikatoren, die Themen setzen und Trends generieren. Viele einflussreiche Twitterer schreiben kaum noch etwas in ihre Blogs, sondern haben sich dem neuen Twitter-Medium verschrieben. Der stellvertretende Chefredakteur von „Welt kompakt“, Frank Schmiechen, nennt Twitter für Medien „als einzige Quelle problematisch“. Doch sinnvoll eingesetzt sei Twitter ein ideales Mittel, um am Puls der Zeit zu horchen. „Wir finden auf Twitter Anregungen für Geschichten. Oder irgendwo auf der Welt passiert gerade etwas Ungewöhnliches und wir werden über Twitter darauf hingewiesen“, sagte Schmiechen gegenüber dem Online-Mediendienst Meedia.

Eine ständig aktualisierte Zusammenstellung von deutschsprachigen Medien, die Twitter nutzen, bietet Peter Jebsen auf seinem Weblog Sozialgeschnatter: tinyurl.com/twittermedien


07. April 2009  1/2009
   





   
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