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Augmented Reality: Wenn die Wirklichkeit mit dem Internet verschmilzt

Kamerabilder werden mit Informationen angereichert

Augmented Reality (AR), die erweiterte Realität, gehört zu den spannendsten Innovationen im mobilen Internet. Im Kern geht es darum, Informationen in das reale Sichtfeld eines Betrachters per Monitor, Handy-Kamera oder einer Datenbrille einzublenden und mit den realen Bildern zu überlagern. In einer virtuellen Umkleidekabine kann ein Nutzer beispielsweise nicht nur Klamotten anprobieren, sondern auch die ganze Anwendung berührungsfrei steuern, indem er in die Luft greift.

 

 

Bisher konnte sich AR nur in Bereichen der Medizin, Architektur und Technik durchsetzen. Nicht gezündet hat bislang das Konzept für massentaugliche Anwendungen. Das könnte sich nun ändern. Treiber dafür, dass Virtualität und Realität verschmelzen können, ist vor allem der Erfolg des mobilen Internets - zusammen mit der wachsenden Intelligenz der mobilen Endgeräte. Mithilfe integrierter Kameras, GPS-Verortung und Breitbandverbindung wird es für die Smartphones möglich, den Nutzern digitale Informationen zur realen Umgebung anzuzeigen - und diese beiden Ebenen in Echtzeit miteinander zu verbinden.

Dass AR-Anwendungen tatsächlich großes Zukunftspotenzial haben, zeigen eine Reihe von praktischen Anwendungen: Die „Rhein-Zeitung“ (Koblenz) ist die erste deutsche Tageszeitung, die in ihrem Blatt mit AR experimentiert. Voraussetzung ist, dass der Leser einen Computer mit Web-Kamera besitzt. Der Nutzer hält einen bestimmten Abschnitt der Zeitungsseite  vor die Webcam und die Software der Website erkennt den Abschnitt und interagiert mit ihm. Damit kann er auf der gedruckten Zeitungsseite im Monitor Dinge entdecken, die kein anderer Leser sieht. Über der Seite schwebt plötzlich Summ, das Maskottchen der „Rhein-Zeitung“.

Auch für Werbemaßnahmen könnte AR zukünftig interessant werden. Eine Reihe von Marken setzte AR im Jahr 2009 in Online-Kampagnen ein. Den Auftakt machte Mini. Die Marketing-Abteilung der BMW-Tochter ließ einen digitalen Code auf eine Zeitschriftenanzeige drucken. Hielt der Nutzer diese Anzeige vor die Webcam und rief die entsprechende Seite auf, fuhr auf dem Bildschirm plötzlich ein digitales Mini-Cabrio auf dem Magazin herum. Mit der AR-Applikation Layar, die mittlerweile sowohl für Android-Handys als auch für iPhones verfügbar ist, lassen sich reale Umgebungen mit Zusatzinformationen erweitern. Es handelt sich dabei um eine Art Reality-Browser: Mit der Handykamera nimmt der Nutzer reale Bilder seiner Umgebung auf. Die Software markiert bestimmte Punkte und blendet Zusatzinformationen zu Restaurants, Geschäften oder Geldautomaten ein. Der Reiseführer Layar kombiniert auf dem Handy Realbilder mit Geodaten und einem Lexikon, um Sehenswürdigkeiten zu erklären und weitere Informationen zu ihnen auszugeben.  

 

Eine ähnliche Anwendung ist Wikitude. Gerade für das iPhone gibt es bereits eine Reihe weiterer AR-Applikationen. Das Tool TwittARound beispielsweise zeigt, wer von wo welchen Tweet mit seinem iPhone versendet hat. Durch die Kamera geschaut, sieht der Mobilfunker am Horizont Twitter-Avatare, die anzeigen, in welcher Entfernung und Richtung sich der jeweilige Twitter-Nutzer befindet. Die direkte Darstellung ist jedoch nur dann möglich, wenn die Nutzer ihrer Twitter-Anwendung erlauben, die GPS-Position des iPhones zu veröffentlichen. Eine alltagstauglichere AR-Anwendung für Mobiltelefone ist Nearest Tube. Hier sieht der Benutzer im Display des Handys den Weg zur nächsten U-Bahn-Station. Kleine Pfeile im Bild weisen den Weg. Der Nutzer erfährt, wie weit die Station entfernt ist und welche U-Bahn-Linien

dort halten. Sobald die Kamera auf den Boden gerichtet wird, erscheinen im Display Richtungspfeile, die direkt zur Station führen. Großes Potenzial haben AR-Anwendungen im Gaming-Umfeld. Bei dem Mobilfunk-Spiel „Crossroads“ werden Handy-Besitzer via GPS Teil eines Spiels á la Pacmann, bei dem sie von einem digitalen Gespenst ganz real durch die Straßen gejagt werden. Weil Augmented Reality, beschränkt auf die kleinen Handydisplays, unpraktisch ist, tüfteln Forscher weltweit an weitergehenden Lösungen. Unter dem Titel Nokia Mixed Reality zeigt der finnische Handyhersteller, wie er sich die technische Zukunft vorstellt. Die Brille dient als Endgerät, der Nutzer sieht seine Welt und gleichzeitig den Datenoutput. Gesteuert wird das Ganze über ein Nokia-Handy.


24. Februar 2010  1/2010
   





   
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