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Rede von Prof. Ernst Elitz zur Geburtstagsparty für die Zeitung am 10. November 2005 in Berlin

Achte den Leser, gönne ihm ab und zu einen originellen Gedanken.

Ich bin gebeten worden, einige Worte zur aktuellen Situation der Zeitungen und über ihre Zukunft zu sagen. Zum Glück muß ich nicht über das Fernsehen reden. Dort gibt es inzwischen ein Dutzend Shopping-Kanäle, Popping-Kanäle und demnächst wahrscheinlich auch Auktions-Kanäle, in denen man unter Aufsicht des Bundeskartellamtes - das so genannte BÖGE-Fernsehen - Zeitungsverlage ersteigern kann.

Gemessen an diesem bunten Allerlei backen wir beim Deutschlandradio trockenes Brot. Dennoch stellt sich die Frage: Darf ein Radiointendant überhaupt die Zeitung loben? Sind wir nicht Konkurrenz? Sind wir nicht! Der passionierte Hörer stößt im Radio auf viele Themen, die er in der Zeitung in Ruhe nachlesen möchte. Denn das ist der Unterschied: Die elektronischen Medien zwingen dem Nutzer als lineare Medien ihr Tempo auf, bei der Zeitungslektüre aber kann der Begriffsstutzige ebenso wie der vorwärtsstürmende Intellekt die Geschwindigkeit der Informationsaufnahme und des Erkenntnisgewinns selber bestimmen. Er liest langsam oder schnell, überspringt Absätze oder blättert zurück. Die Zeitung respektiert die Individualität des Lesers. Sie ist ein Medium der individuellen Selbstbestimmung. Ein schöner Charakterzug. Und das seit 400 Jahren.

Radio und Zeitung sind am frühen Morgen ein Herz und eine Seele. Sie teilen sich die Aufmerksamkeit ihrer Nutzer. Die neueste Nachricht kommt mit dem Radiowecker ins Haus, noch bevor der schlaftrunkene Früh- oder Spätaufsteher zum Postkasten schlurfen konnte, um sich die Zeitung herauszuziehen. Beim morgendlichen Wecken, beim Rasieren, zum Frühstück, im Stau - der ein Freund des Radios ist - und spät Abends vorm Schlafengehen ist das Radio ein treuer Gefährte des Menschen, ein stets dienstbarer Geist der sich nie in den Vordergrund drängt. Es ist pünktlich, gehorsam und bescheiden und in der strikten Beachtung dieser Sekundärtugenden liegt sein Nachteil: Ordentliche Menschen fallen eben selten auf.

Aber wie schön, daß es Zeitungen gibt, die am Frühstücktisch - während im Hintergrund das Radio murmelt - Marmeladenflecken vertragen und denen auch eine umgestürzte Kaffeetasse nichts ausmacht. Ich bin ein begeisterter Zeitungsleser. Ich lese im Strandkorb oder lümmele mich auf dem Sofa, ich lese am knisternden Kamin oder eingeklemmt in einem Flugzeugsitz, und ich ziehe die Zeitungslektüre der Nachrichtenaufnahme am Computer vor, denn der Computer reagiert allergisch auf Vielfruchtmarmelade und verschütteten Milchkaffee. Er verlangt, daß wir ihm schon mit unserer Körperhaltung Respekt erweisen. Rein wirbelsäulentechnisch ist die Lektüre am PC eine Katastrophe.

Das haben Zeitung und Radio gemeinsam: Sie zwingen uns in keine Hab-Acht-Stellung. Wir müssen uns nicht nach ihnen richten. Sie richten sich nach uns. Sie achten die Freiheit des Individuums.

Zeitungen lesen wir auf dem Weg zur Arbeit, stehend im schwankenden Bus oder an der Bahnsteigkante. Und selbst ein Blick auf die Schlagzeile, die der Nachbar buchstabiert, macht uns fit für das Gespräch in der Mittagspause. Im Zugabteil erkennen wir schon an der Lektüre der Nachbarin - liest sie Bild oder die FAZ? - ob ein Flirt mit ihr reizvoll sein könnte. Die Zeitungslektüre hat schon Ehen gestiftet und gehört deshalb bei den Koalitionsverhandlungen auf die Agenda zum Thema Familienpolitik.

Zur Bildungspolitik gehört sie alle mal. In meiner Bildungsbiografie spielt die Zeitung gleich doppelt eine entscheidende Rolle. Als meine Mutter wieder einmal des vielen Vorlesens überdrüssig wurde, ließ sie mich wissen: Hoffentlich kommst Du bald in die Schule, damit Du selber Lesen lernst! Diese mütterliche Ermahnung trug Früchte. Ich lernte im Eiltempo lesen und war fasziniert von dem täglich neuen Gedruckten, was auf Zeitungsseiten ins Haus flatterte. So begann ich im zarten Alter von sechs Jahren Zeitung zu lesen. Ich weiß nicht, was ich verstanden habe, aber das Faszinosum Zeitung wurde für mich niemals gebrochen.

 

Zeitung war für mich auch politische Bildung. Ich verbrachte meine ersten Schülerjahre im Osten Berlins, im sowjetisch besetzen Sektor. Versteckt unter der Kleidung, immer mit dem Hosengürtel festgezurrt, trug ich die Konterbande von West-Zeitungen als Halbwüchsiger über die von Vopos bewachte Sektorengrenze. Ich war ein Zeitungsschmuggler - und wurde niemals erwischt. Vielleicht ist auch deshalb die Lektüre der Zeitung bei mir immer mit einem leisen Gefühl des Triumphes verbunden.

Umso mehr schmerzt es mich, daß heute jeder ungestraft die Berufsbezeichnung Journalist auf seine Visitenkarte drucken darf. Die Hürden zum Erwerb eines Presseausweises sind mit einem mittleren Intelligenzquotienten und etwas Frechheit leicht zu überwinden, der entsprechende Presserabatt für den Erwerb von Autos, Kühlschränken oder Hotelübernachtungen wird gewährt.

Schwerer wiegt das gesellschaftliche Mißverständnis, das von einer Identität zwischen Medien und Journalismus ausgeht. Aber das ist Vergangenheit, denn in den Medien tummeln sich viele - Schlüssellochreporter, Witwenschüttler, Schleichwerber, Busenwunder, Hosenschneider und Friseure. Die wackeren Aufklärer sind in der Masse des medialen Gewerbes nur noch ein kleines Fähnlein der Aufrechten, die es nicht verdienen, daß der ehrbare Journalistenberuf bei den alljährlichen Allensbacher Berufs-Imagestudien kontinuierlich auf einem der hintersten Plätze landet - dort wo die anderen Aussätzigen dieser Gesellschaft wie Politiker und Gewerkschaftsfunktionäre in Quarantäne gehalten werden.

Deshalb will ich das Lob des Aufklärers singen, dem die Information, die Wissensvermittlung, die Orientierung - heute salopp Service genannt - am Herzen liegt. Davon lebt die Zeitung.

 

Sie alle kennen die Kantinenfrage: "Arbeitest Du heute oder schreibst Du einen Kommentar?" Es gibt keinen wohlfeileren Job im Journalismus als den Irakkrieg zu kommentieren. Je weiter weg, desto einfacher ist das Kommentatorenurteil. Jeder kann den Rücktritt des Bundeskanzlers - demnächst der Bundeskanzlerin - oder irgend eines Landesminister fordern, aber als Lokaljournalist einem Stadtrat oder Bürgermeister Fehlverhalten nachzuweisen, das ist die wahre Herausforderung des Journalismus. Da muß jedes Detail bis ins letzte belegt sein. Da kann man von keinem abschreiben und muß für die eigene Recherche gerade stehen. Solcher Mut und solche Professionalität sind richtungweisend. Deshalb fängt der Journalismus im Lokalen an. Und deshalb haben neunzig Prozent der erfolgreichen Publizisten ihr Handwerk in der Lokalredaktion gelernt.

Schreiben erzieht zur Präzision. Drucken Sie mal den Wortlaut einer politischen Talkshow bei sich in der Zeitung ab. Sie werden feststellen, daß kaum ein Politiker in der Lage ist, einen korrekten Satz mit Subjekt, Prädikat, Objekt zu bilden und ihn zu Ende zu bringen. Und Sie werden feststellen, daß am Abend im Fernsehen nichts gesagt wird, was nicht schon ein paar Tage vorher in der Zeitung gestanden hätte. Das Selbstbewußtsein der Fernsehmacher steht häufig im umgekehrt proportionalen Verhältnis zur Bedeutung der journalistischen Aussagekraft ihres Mediums.

Wenn ich meinen journalistischen Lebensweg zugleich als Abfolge ethnografischer Feldstudien in unterschiedlichen Medien-Regionen betrachte, dann gehören - trotz allen Ursprungs des Journalismus im Druckgewerbe - Radio-, Fernseh- und Zeitungsmacher unterschiedlichen Stämmen an. Machen Sie selber einen Test. Bei jeder Party werden Sie beobachten, daß die Fernsehfrau oder der Fernsehmann sofort zielstrebig ins hell erleuchtete Zentrum des Geschehens streben. Fernsehen ist dort, wo die 1000-Watt-Birne glüht. Deshalb betrachtet der Fernsehschaffende sich als die Krone der Medienschöpfung.

 

Der arme Radiomann dagegen? Er wird an keiner Tankstelle erkannt, und man glaubt ihm nicht, daß er beim Westdeutschen oder beim Norddeutschen Rundfunk angestellt ist, denn er wurde noch nie auf dem Bildschirm gesichtet. Gewöhnt an das schummrige Licht des Hörfunkstudios hält er sich in irgendeiner Ecke versteckt, nestelt an seinem Aufnahmegerät. Ständig mit den Tücken der Technik konfrontiert, und bei Preisverleihungen bekommt er immer - nach den Fernseh- und Zeitungskollegen - den dritten Preis. Radio ist ein Leben mit der Bronze-Medaille. So ungerecht kann das Leben sein.

Der Zeitungsjournalist dagegen betrachtet das Ganze erst einmal aus der Distanz. Klopft sein Jackett ab, ob er den Stift auch nicht vergessen hat, geht von Gruppe zu Gruppe stellt ein paar Fragen und merkt sich was. Bei der Pressekonferenz hat er sich daran gewöhnt, daß die Wichtigtuer der elektronischen Medien ihm grundsätzlich mit ihrem schweren Gerät vor der Nase herumstehen. Aber er weiß: Wer schreibt der bleibt - unabhängig davon, was er schreibt.

Keine Zeitung funktioniert ohne Chefredakteur. Früher gingen Verleger großzügiger mit ihren Chefredakteuren um. Ich will Ihnen nicht vorenthalten, wie Ihr Kollege Cotta versuchte, Friedrich Schiller als Chefredakteur für die "Allgemeine Zeitung" zu gewinnen. Er lud ihn ein, machte ihm verlockende Angebote, bot ihm ein Jahresfixum von 2000 Gulden, leih ihm zinslos Geld, versprach ihm schließlich eine Erfolgsprämie, eine Tantieme von 1500 Gulden. Aber Schiller schreckte dann doch davor zurück, sich im täglichen Redaktionsbetrieb aufzureiben. Wo ist die Kasse, wird mancher Chefredakteur fragen, wo ich zinslos Geld vom Verleger bekommen kann. So ändern sich die Zeiten.

Aber ich glaube, heute möchte auch keiner die großen Schriftsteller der Zeit - Martin Walser, Botho Strauss, Handke oder Friederike Mayröcker täglich auf einer Redaktionskonferenz im Streit mit Wirtschaftsredakteuren und Außenpolitikern erleben und am Balken die Schlagzeilen machen lassen. Trotzdem ein Schriftsteller im Feuilleton schmückt die Zeitung allemal.

 

Die ins Licht drängenden Fernsehgestalten eignen sich seit es Farbfernsehen gibt für die bunten Seiten - wer mit wem, bei welchem Friseur, in welchem Hundesalon, mal wieder geheiratet und im Pyjama auf dem Balkon fotografiert. Und natürlich tauchen sie auf im Reklameteil, denn das was dem braven Zeitungsschreibern und Radioleuten auf ewig versagt bleiben wird, ist die Aufmerksamkeit der werbetreibenden Industrie. Zum Werbestar wird nicht nur Uschi Glas, die ganz  erschüttert war, als die von ihr angepriesene Creme Falten verursachte. Aber sie hieß ja auch Faltencreme. Auch bei dem Weißbier-Sportreporter, wissen wir nie so genau, reportiert er gerade oder macht er nur Reklame. Und wir zweifeln auch, ob Thomas Gottschalk wirklich Thomas Gottschalk ist oder doch nur das fleischgewordene Gummibärchen von Haribo. Seriösere Fernsehstars werben für Enzyklopädien oder gute Werke.

Ich sehe Ihren drohenden Zeigefinger, wenn aus Werbung plötzlich Schleichwerbung wird. Aber  - mal ehrlich - ist das nur eine Versuchung, die die elektronischen Medien trifft? Darf das Boulevard-Blatt bei der spärlich bekleideten Dame auf der Titelseite künftig auch nicht mehr mitteilen, aus welchem Reizwäschekatalog sie das Foto ausgewählt hat? Darf in Reportagen nur noch von Zigaretten oder Zigarren die Rede sein und keine Markennamen mehr genannt werden? Trug Schröder einen Anzug oder war er tatsächlich von Brioni? Darf im Anzeigenblatt wirklich kein gutes Wort über den Schlachtermeister verloren werden, der doch ein so treuer Anzeigenkunde ist?

Als ich in der Zeitung las, daß klamme Finanzpolitiker daran denken, die Autobahnen zu privatisieren, durchfuhr mich ein Schauder. Dann würde selbst der werbefreie Deutschlandfunk, der ihnen noch nie einen müden Euro aus ihren Werbeeinnahmen abgeknapst hat, auf einmal zur Konkurrenz. Unsere Verkehrsmeldungen - sie wissen es - haben Kultstatus. Würden die Autobahnen tatsächlich privatisiert, dann müßten unsere Verkehrsansagen wohl künftig so lauten: Zwanzig Kilometer Stau auf der Schultheiss-Autobahn. Das Steinhäger-Kreuz ist gesperrt. Der Stau auf der Premium-Autobahn der Deutschen Bank hat sich aufgelöst. Und auf der Telekom-Autobahn kommt ihnen zwischen Asbach- und Allianz-Abfahrt ein Falschfahrer entgegen.

Mal unter Brüdern - Sie verstehen vom Werbegeschäft mehr als ich - wie viel würde ein Produktwerber bieten, um das Kamener-Kreuz mit seinem Namen versehen zu können? Millionen Kontakte täglich.

Meine Damen und Herren, Verleger und Verlagsmanager, kämpfen Sie darum mit mir gegen die Privatisierung der Autobahnen. Sonst kämen wir mit dem Deutschlandfunk und den Verlegern in ein unauflösbares Konkurrenzverhältnis, und wir wären irgendwann geschiedene Leute.

Nutzen Sie die hoffentlich bald wieder üppiger sprudelnden Werbeeinnahmen, um in Ihren Blättern sachkundige Information, notwendige Aufklärung und praktischen Service zu verbreiten und verpflichten Sie die Ihnen anvertrauten Journalisten auf ein paar Gebote, die das Image unseres Berufsstandes wieder steigern könnten -weg aus der Allensbach-Umklammerung von Politikern und Gewerkschaftsfunktionären.

       

    1. Achte den Leser. Gönne ihm ab und zu einen überraschenden Gedanken.
    2. Zeitungen müssen nicht die Bauchredner des Publikums sein. Sie müssen sich an den Wünschen ihrer Nutzer orientieren, aber nicht ihre  Vorurteile ständig bestätigen.
    3. Was Du nicht willst, was man Dir tut, daß füg auch keinem anderen zu. Das gilt für die Verbreitung von Klatsch und Gerüchten
    4. Verschwende ab und zu einen Gedanken darauf, daß auch diejenigen, über die berichtet wird, einmal Recht haben könnten.
    5. Bereite Privates und Intimes nur über Personen aus, die sich selber dazu andienen. Es sind genug. Respektiere den Wunsch derjenigen, die davon verschont bleiben möchten.

Ich hoffe, das war keine zu starke Moraldosis am Schluß meines Vortrags. Ich wollte zumindest die Diskussion anregen, aber Ihnen nicht den Appetit verderben. Denn jetzt wird das Buffet eröffnet. Guten Appetit!

 

Prof. Ernst Elitz ist Intendant des Deutschlandradio (Deutschlandfunk/ Deutschlandradio Kultur) und lehrt an der Freien Universität Berlin Kultur und Medienmanagement.

 

Rede von BDZV-Präsident Helmut Heinen anlässlich der „Geburtstagsparty für die Zeitung“ Rede von BDZV-Präsident Helmut Heinen anlässlich der „Geburtstagsparty für die Zeitung“

Ich begrüße Sie auf das Herzlichste bei uns im Haus der Presse. Wir freuen uns sehr, dass Sie heute in so großer Zahl den Weg hierher gefunden haben. Tatsächlich haben wir, als in den vergangenen Tagen immer mehr Zusagen zu unserer kleinen Geburtstagsfeier in der Geschäftsstelle eintrafen, sogar überlegt, draußen ein Zelt aufzuschlagen. Aber dann gelangten wir doch zu der Überzeugung, dass Sie ja auch gekommen sind, um einen Blick auf unsere Schau der Berliner Zeitungen aus vier Jahrhunderten zu werfen. Und so bitte ich diejenigen, die im Moment ein bisschen gedrängt stehen, um ein Quäntchen Geduld. Ganz bewusst halten wir es heute mit dem Reden kurz. Danach haben Sie reichlich Gelegenheit, faksimilierte Titelseiten und Originale zu studieren - und natürlich vor allem unser Geburtstagskind in vielen Gesprächen hoch leben zu lassen.

Den meisten von Ihnen wird die Geschichte des Druckers Johann Carolus, der vor 400 Jahren im damals deutschen Straßburg die erste Zeitung der Welt druckte und verkaufte, bestens geläufig sein. Diese Zeitung, Relation genannt, markiert den Anfang einer ungeheueren Wirkungsgeschichte. Denn eines steht fest: ohne Zeitung keine Aufklärung, keine Meinungsfreiheit, keine Demokratie!

Eine große Ausstellung im Mainzer Gutenbergmuseum, die noch bis zum Jahresende gezeigt wird, würdigt diese Jahrhunderttat und die Geschichte der Zeitung bis in die Gegenwart. Während wir dank der Forschertätigkeit des Pressehistorikers Martin Welke das Gründungsjahr der ersten Zeitung der Welt, also das Jahr 1605, kennen, ist der Gründungstag bis heute leider unbekannt. Und so hat der BDZV die Geburtstagsparty für die Zeitung kurz entschlossen auf den Termin der Berliner Zeitungskonferenz gelegt, die heute und morgen von der Staatsbibliothek zu Berlin in Kooperation mit der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und dem BDZV veranstaltet wird.

Denn wer wäre wohl geeigneter, unser Geburtstagskind angemessen zu würdigen, als gerade auch die Teilnehmer dieser Konferenz, die ich hiermit unter unseren Gästen herzlich begrüßen möchte?  Bitte gestatten Sie mir, dass ich namentlich auch ganz besonders Herrn Dr. Joachim Zeller willkommen heiße, den Leiter der Zeitungsabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin. Ohne Herrn Zellers enthusiastisches Engagement hätte es ganz gewiss die Zeitungskonferenz nicht gegeben. Und ich würde mich sehr freuen, wenn von dem morgigen Fachtag auch Impulse für die bestmögliche Archivierung unserer gedruckten Zeitungen ausgehen, damit auch künftige Generationen noch die Chance haben, in den Originalen zu blättern, und sich nicht allein auf digitale Speichermedien verlassen müssen.

Im Übrigen gibt es auch noch einen weiteren Anlass, hier und heute zu feiern: Zwar kann sich der BDZV, in Jahren gerechnet, in keiner Weise mit der Zeitung messen. Aber mittlerweile sind es immerhin auch schon fünf Jahre, dass unser Verband von seinem ehemaligen Standort nach Berlin wechselte. Ein ganz kleiner Geburtstag ist das also auch für uns und für unser Haus der Presse.

Ich erinnere mich gut, dass der Umzugsbeschluss nach Berlin in unseren Gremien ganz und gar einmütig fiel. Denn es sollte ja wieder an den Ort gehen, an dem das politische Herz dieser Republik schlägt - und wo im Übrigen auch der Vorläufer des Verbands Ende des 19. Jahrhunderts gegründet worden war. Unsere Organisation hat diesen Beschluss, das kann ich heute mit gutem Gewissen sagen, keine Sekunde bereut.

Und sehr bewusst sind wir im Jahr 2000 auch an einen Standort im alten Berliner Zeitungsviertel gezogen. Wir befinden uns hier ja wahrhaft auf historischem Boden. Denn die Kochstraße war für Berlin und seine Zeitungen einst das, was die Fleet Street für London war. Mosse, Scherl, Ullstein, diese Namen haben ihren Klang bis heute nicht verloren. Und wenn auch die großen Rotationen mittlerweile aus dem Zentrum der Stadt in die Peripherie abwandern mussten, so blieb die Kochstraße doch nach wie vor Anziehungspunkt für Verlage.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wollte der Verleger Axel Springer natürlich genau hierher, ins ehemalige Berliner Zeitungsviertel und hart an die Sektorengrenze, an der wenige Jahre später die Mauer gebaut werden sollte. Springer blieb nicht alleine. Es kam die Nachbarin "taz" hinzu, es kamen Agenturen, Medienzulieferer und - im Gefolge der Bundesregierung - im Jahr 2000 auch die Verbände der Zeitungs-, Zeitschriften- und Anzeigenblattverleger. 

Damit beginnt das alte Zeitungsviertel auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten neu zu erblühen. Und heute ist Berlin nicht nur der schwierigste Zeitungsmarkt Deutschlands, sondern ganz gewiss auch der vielfältigste.

So war es im Übrigen auch schon vor den beiden Weltkriegen. Und einen kleinen Einblick in diese Geschichte können Sie sich hier in der Eingangshalle und in unserer Bibliothek verschaffen. Wir danken Herrn Alexander Fiebig und Frau Ute Fischbach von der Staatsbibliothek zu Berlin sehr herzlich für diesen Ausflug in die historische Berliner Zeitungswelt.

Heute Abend ist weder der Ort, noch die Zeit, ausführlich über die politischen Herausforderungen und Probleme zu sprechen, die uns in Brüssel, hier in Berlin oder in den Ländern begegnen. Der BDZV ist auf vielen Feldern gefordert. Seien es die Auseinandersetzungen um EU-weite oder nationale Werbeverbote, die Diskussionen um die Erhöhung der Mehrwertsteuer oder die in jüngster Zeit bedenklich zunehmende Neigung von Staatsanwaltschaften zu Redaktionsdurchsuchungen aus, wie wir meinen, nichtigen Gründen.

Diese Themen werden in den nächsten Wochen wieder ganz oben auf unserer politischen Agenda stehen. Heute Abend jedoch ist unser Gegenstand einzig und allein die Zeitung. Und so möchte ich Sie bitten, auch unseren Festredner, Herrn Professor  Ernst Elitz, den Intendanten des DeutschlandRadios herzlich zu begrüßen. Wir freuen uns sehr, dass Sie, lieber Herr Elitz, zugesagt haben, heute Abend den Zwischenruf zur Zeitung zu übernehmen. Denn Sie sind zwar Vertreter eines Konkurrenzmediums, wenn es um Zeit und Aufmerksamkeit unserer Leser bzw. Hörer geht. Gleichwohl gibt es auch Vieles, das uns verbindet. Nicht zuletzt kennen wir Sie als einen unermüdlichen Streiter für die journalistische Qualität - in allen Medien. Ich bin sehr gespannt, was Sie aus der Sicht des Hörfunkmannes uns Zeitungen zu sagen haben.

Ich danke Ihnen.