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Zeitungen und ihre Leser in Stichworten

Von Anja Pasquay

1. Deutschland ist ein Zeitungsland. Täglich erscheinen hier 347 Tageszeitungen mit 1.552 lokalen Ausgaben in einer Gesamtauflage von 22,1 Millionen Exemplaren. Daneben kommen 27 Wochenzeitungen mit 1,9 Millionen Exemplaren und sieben Sonntagszeitungen mit einer Auflage von 4,2 Millionen heraus. Das bedeutet: Auf je 1.000 Einwohner über 14 Jahre kommen in Deutschland 317 Zeitungsexemplare. Und unsere Zeitungen werden gelesen: Durchschnittlich 36 Minuten wenden die Bundesbürger täglich für ihre Lektüre auf; die älteren etwas mehr, die jüngeren etwas weniger.

2. Deutschland war immer schon ein Zeitungsland: Die älteste Zeitung der Welt erschien erstmals vor 400 Jahren: In Straßburg druckte und verkaufte Johann Carolus seine "Relation" genannten Nachrichten aus aller Welt, statt sie, wie bis dahin üblich, mühselig mehrfach von Hand abzuschreiben. Die älteste TAGESzeitung der Welt kommt aus Leipzig. Am 1. Juli 1650 brachte hier der Drucker und Verleger Timotheus Ritzsch erstmals sein "Einkommende Zeitungen" genanntes Blatt heraus, das sechs-, zeitweilig sogar siebenmal die Woche erschien.

3. Die lokalen und regionalen Abonnementzeitungen in Deutschland haben treue Leser. Gut 14,1 Millionen Exemplare werden täglich im Abonnement zugestellt, das heißt, durch Zeitungszusteller oder per Post bis an die Haustür gebracht. Fast eine Million Exemplare pro Tag gehen am Kiosk oder im Laden über die Theke. Die überregionalen Zeitungen verkaufen gut eine Million Zeitungen täglich im Abonnement und weitere 300.000 Exemplare im Einzelverkauf. Bei den Kaufzeitungen dagegen wird der Umsatz mit 4,8 Millionen Exemplaren täglich am Kiosk gemacht, immerhin 126.000 Exemplare werden aber auch Tag für Tag an Abonnenten zugestellt.

4. Wer seine Tageszeitung nicht abonnieren möchte, kann sie auch an einer der 115.825 Verkaufsstellen des Einzelhandels in Deutschland erwerben. Das bedeutet eine "Händlerdichte" von 1,41 Einzelhändlern pro 1.000 Einwohner. In Deutschland gibt es damit das dichteste Händlernetz der Welt. An rund 5.000 Absatzstellen wird zusätzlich internationale Tagespresse angeboten; dabei setzen Bahnhöfe und Flughäfen mit ihren rund 400 Verkaufsstellen weit über die Hälfte der internationalen Presse ab.

5. Mehr als drei Viertel der deutschen Bevölkerung über 14 Jahre (75,7 Prozent) lesen regelmäßig eine Tageszeitung. Das sind gut 49 Millionen Männer und Frauen. Bei den lokalen und regionalen Abonnementzeitungen liegen die Leserinnen (65,2 Prozent) sogar leicht vor den Lesern (63,1 Prozent). Dagegen werden Kaufzeitungen und überregionale Abonnementzeitungen stärker von Männern (27,3 Prozent beziehungsweise 7,0 Prozent) als von Frauen (17,9 Prozent beziehungsweise 4,1 Prozent) genutzt.

6. Nach Altersgruppen betrachtet, erreichen die Tageszeitungen ihre höchste Reichweite traditionell bei den 40- bis 69-jährigen Lesern, nämlich zwischen gut 78 und knapp 85 Prozent. Auch von den über 70-Jährigen greifen mehr als 83 Prozent regelmäßig zur Tageszeitung; und bei den 30- bis 39-Jährigen sind es 71 Prozent. Zwar wird von den jüngeren Altersgruppen im Vergleich weniger und weniger regelmäßig Zeitung gelesen, doch liegen auch hier die Reichweiten auf einem hohen Niveau. Von den 20- bis 29-Jährigen werden 62 Prozent durch die Zeitung erreicht; bei den 14- bis 19-Jährigen sind es immerhin 52 Prozent.

7. Die Netto-Werbeeinnahmen der Tages- und Wochenzeitungen lagen 2003 bei 4,69 Milliarden Euro. In weitem Abstand folgten das Fernsehen (3,81 Milliarden Euro), Werbung per Post (3,30 Milliarden), Publikumszeitschriften (1,86 Milliarden) und Anzeigenblätter (1,75 Milliarden). Damit sind die Zeitungen unangefochten der Werbeträger Nummer eins. Ihr Anteil am Werbemarkt allerdings geht seit Jahren zurück. 2003 betrug er 25 Prozent, 1989 hatte er noch knapp 33 Prozent ausgemacht. Das Fernsehen erlebte im selben Zeitraum einen Sprung von neun Prozent auf 20 Prozent Marktanteil.

8. Die lokalen Nachrichten interessieren die Leser in ihrer Zeitung ganz besonders, 83 Prozent lesen sie "im Allgemeinen immer". Auf den nächsten Plätzen in der Beliebtheitsskala folgen politische Meldungen und Berichte aus Deutschland (69 Prozent) und dem Ausland (60 Prozent) sowie Leitartikel (44 Prozent) und Anzeigen (43 Prozent). Besonders wichtig finden die Leser ferner Tatsachenberichte aus dem Alltag und Sportnachrichten. Nur knapp ein Drittel widmet sich dagegen regelmäßig der Kultur (31 Prozent), 27 Prozent lesen regelmäßig Nachrichten aus Technik und Wissenschaft und gerade einmal fünf Prozent legen Wert auf den Fortsetzungsroman.

9. Anzeigen in der Tageszeitung sind gewünschter Lesestoff. Nach Lokalteil, Politik und Leitartikel nehmen Anzeigen in der Lesergunst den vierten Platz ein. Obendrein gelten Zeitungsanzeigen als besonders glaubwürdig: Während zum Beispiel 82,5 Prozent der Befragten auf Werbung im Fernsehen gut verzichten könnten, legen 80 Prozent der Leser Wert auf Information durch Anzeigen in der Tageszeitung. Dabei profitieren die Anzeigen gewiss auch von der Glaubwürdigkeit des redaktionellen Teils in den Tageszeitungen.

10. Die Zeitung genießt bei ihren Lesern eine besonders hohe Glaubwürdigkeit. Einer Zeitungsmonitor-Umfrage zufolge hielten 43 Prozent der Befragten die Tageszeitung für das glaubwürdigste Medium. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen erzielte einen Wert von 27 Prozent, es folgten der öffentlich-rechtliche Hörfunk (zehn Prozent) und das private Fernsehen (sechs Prozent). Die Schlusslichter bildeten das Internet (sechs Prozent) und der private Hörfunk (zwei Prozent). Immerhin sieben Prozent der Befragten wollten sich für keines der genannten Medien als das glaubwürdigste entscheiden.

11. In den Ländern der Europäischen Union erscheinen täglich 1.350 Zeitungen mit einer Gesamtauflage von gut 88 Millionen Exemplaren. Die Bundesrepublik Deutschland bietet mit 347 Tageszeitungen (davon 133 Zeitungen mit Vollredaktion, die 1.552 lokale Ausgaben herausgeben) das vielfältigste Angebot. An zweiter Stelle steht Spanien mit 135 Zeitungen. Es folgen: Großbritannien (107), Italien (99), Schweden (94), Norwegen (78), Finnland (53), Griechenland (42) und die Niederlande (32) sowie Dänemark (34). Österreich (16), Luxemburg (6) und Irland (7) bilden die Schlusslichter. Unter den neuen EU-Mitgliedern haben Tschechien (65), Polen (50) und Ungarn (34) besonders viele Titel anzubieten.

12. Bei rund 456 Millionen EU-Bürgern kommen im Durchschnitt auf 1.000 Einwohner 193 Zeitungsexemplare. Diese vergleichsweise geringe Zeitungsdichte ist vor allem auf die eher unterentwickelte Lesekultur bei den südlichen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union zurückzuführen. So kommen in Portugal lediglich 66 Exemplare auf 1.000 Einwohner, in Griechenland 67, in Spanien 122 und in Italien 158; die höchsten Auflagen per 1.000 Einwohner weisen Norwegen (684), Schweden (590) und Finnland (524) auf. Im guten Mittelfeld liegen die Schweiz (420), Deutschland (323) und die Niederlande (319).

13. Nach Auflage stellen die deutschen Tageszeitungen mit 22,1 Millionen Exemplaren den mit Abstand größten Tageszeitungsmarkt in West-Europa, gefolgt von Großbritannien mit einer Auflage von 18,6 Millionen Zeitungen täglich. So genannte "Mittelmärkte" sind bei den Tageszeitungen Frankreich (8,0 Millionen Exemplare), Italien (7,9 Millionen) und die Niederlande (4,2 Millionen) sowie Polen (3,9 Millionen). Bei den übrigen nationalen Zeitungsmärkten handelt es sich um "Kleinmärkte" mit Zeitungsauflagen von 115.000 Exemplaren wie in Luxemburg bis zu 1,5 Millionen Exemplaren wie in Belgien und Ungarn.

Weltweit stellen die Chinesen den größten Zeitungsmarkt mit rund 85 Millionen verkauften Exemplaren täglich. Platz zwei belegen die Japaner mit 70 Millionen Exemplaren. Deutschland rangiert - nach den USA und Indien - an fünfter Position.

14. In Westeuropa existieren bei der Zeitungsreichweite deutliche Unterschiede. Die eifrigsten Zeitungsleser wohnen im Norden. In Deutschland greifen knapp 76 Prozent der über 14-Jährigen regelmäßig zur Zeitung. Dabei werden sie noch übertroffen von den Schweden (88 Prozent), Finnen (87 Prozent) und Norwegern (86 Prozent). Vergleichsweise wenig regelmäßige Zeitungsnutzer über 14 Jahre gibt es dagegen in Frankreich (45 Prozent), Spanien (40 Prozent), Italien (39 Prozent) und Portugal (38 Prozent).

15. Bereits sehr früh waren die deutschen Zeitungen im Internet präsent. Als erste machten 1995 die "tageszeitung" (taz, Berlin), "Die Zeit" (Hamburg), die "Süddeutsche Zeitung" (München) und die "Rheinische Post" (Düsseldorf) eigene Online-Angebote. Im Sommer 1996 waren nach einer Zählung des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) bereits 41 Zeitungen neben der gedruckten Ausgabe auch online aktiv; im Jahr 2005 sind es weit über 600. Und ihre Zahl nimmt immer noch zu.

16. In Deutschland besteht eine erhebliche Nachfrage nach internationaler Tagespresse. Etwa 125 fremdsprachige Titel werden täglich angeboten. Besonders groß ist der Markt für türkische Tageszeitungen, allein "Hürriyet" hat eine in Deutschland vertriebene Auflage von gut 50.000 Exemplaren. Den Löwenanteil machen jedoch englischsprachige Titel aus den USA und dem Vereinigten Königreich aus. Gleichzeitig gibt es im Ausland aber auch einiges Interesse an deutschen Tageszeitungen. 1,3 Prozent der Auflage - also erscheinungstäglich knapp 400.000 Exemplare - werden jenseits der Grenzen vertrieben.

Quelle: Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV)

Anja Pasquay, pasquay(at)bdzv.de