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Schätze im Getreidespeicher

Deutschlands größte Zeitungssammlung

Von Steffen Grimberg

Der Herr der Zeitungen herrscht über ein imposantes Gebäude: Als der ehemalige Getreidespeicher im Berliner Westhafen 1923 seiner Bestimmung übergeben wurde, war er der größte Europas. Früher lagerten hier Tonnen von Weizen. Auch heute hat sich an der Tonnage nicht viel geändert: Nun wird hier zwar kein Getreide mehr gespeichert, dafür aber die große Politik wie der Alltag ganz normaler Menschen - in Form von Zeitungen. 

 

Seit 1997 beherbergt der denkmalgeschützte Speicher die Zeitungsabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin. Und die besteht aus Millionen einzelner Zeitungsausgaben in rund 180.000 Zeitungsbänden, dazu kommen noch einmal Hunderttausende Mikrofilme - und ein Herr mit weißem Haar: Joachim Zeller. Der Zeitung hat er sich auf die beste Art genähert, die es gibt: als Leser.

 

Zeller ist von Hause aus Physiker und Bibliothekar, arbeitete im Naturkundemuseum in Ostberlin und im Physikalischen Institut Potsdam, später dann, nach der Wiedervereinigung, in der Staatsbibliothek unter den Linden. Natürlich hat er - egal welcher Job es gerade war, stets Zeitung gelesen. Aber dieses flüchtige Stück Papier zu seinem Berufs-, ja ein bisschen sogar zu seinem Daseinszweck machen?

 

Als Zellers alte Abteilung ("Zentrale Katalogisierung") abgewickelt und er 1993 zu den Zeitungen versetzt wird, ist es alles andere als eine Liebesheirat. "Die brauchten ja 'nen Job für den Zeller", sagt heute Zeller über Zeller. "Wie ein Wilder" habe er sich damals weg beworben. "Ich war doch Naturwissenschaftler, ich las Zeitungen" - damit war dann aber auch gut. Wirklich ? - "Denkste", berlinert Zeller wie immer, wenn ihm was nahe geht. Wenn er in den seitdem vergangenen zwölf Jahren eins gelernt hat, dann dies: "Zeitung ist faszinierend. Es macht ja so einen Spaß, über Zeitung zu reden".

Die Wandlung muss sehr schnell gegangen sein: Als nach dem Hauptstadtumzug das Bonner Zeitungsarchiv des Bundespresseamts der Staatsbibliothek geschenkt wird, steht Zeller mit an der Rampe im Westhafen und lädt ab, während andere Eier suchen: Es ist Ostersonntag.

Jetzt, zum 400. Geburtstag der Zeitung, organisiert er gemeinsam mit Fachkollegen einen großen Kongress, der am 10. und 11. November in Berlin stattfinden soll. Auch wenn die ältesten Blätter der Berliner Sammlung noch nicht ganz so alt sind - ihre "Schätze" beginnen in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts - sind die Ziele hoch gesteckt: Zeller will zum Jubiläum endlich eine geordnete Sammlung für das zumindest aus archivalischer Sicht "Stiefkind" Zeitung in Deutschland durchsetzen.

Bislang kümmerten sich zu viele Landesbibliotheken parallel. Die Folge, sagt der Wissenschaftler, seien zerrissene, lückenhafte Bestände. Gleichzeitig seien die Aussichten für viele kleinere und mittlere Archive angesichts immer knapperer öffentlicher Kassen alles andere als rosig. "Wir müssen nicht alle 100.000 Mal die Frankfurter Allgemeine sammeln", bringt Zeller sein Credo von der "intelligenten Sammlung" auf den Punkt. Die Berliner Staatsbibliothek und die Universitätsbibliothek München, die ebenfalls über einen riesigen Zeitungsbestand verfügt, könnten hierbei eine Vorreiterrolle spielen.

Und noch einen zweiten Geburtstagswunsch hegt der Herr der Zeitungen zum Jubiläumsjahr des Mediums. Wo aus Kostengründen die Zeitung oft nur noch auf Mikrofilm archiviert werde, setzt er dagegen: "Hebt endlich wieder die Originale auf!"

 

Informationen:

Zeitungsabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin

Westhafen

13353 Berlin

Telefon: 030/266-3710

E-Mail zeitungsabt(at)sbb.spk-berlin.de 

Internet http://zeitungen.staatsbibliothek-berlin.de

Öffnungszeiten: Mo - Fr 9.00 Uhr bis 17.00 Uhr, Sa 9.00 Uhr - 13.00 Uhr

 

Die Sammlung besteht derzeit aus rund 180.000 Bänden mit Zeitungsoriginalen, 60.000 Mikro-Rollfilmen und 120.000 Mikrofiches. Der Bestand umfasst etwa 6.500 Zeitungstitel aus aller Welt und wird von der Deutschen Forschungs-Gesellschaft als Sondersammelgebiet "Ausländische Zeitungen" gefördert. Ältester Originalband: "Berlinische Nachrichten von Staats- und gelehrten Sachen" ("Haude- & Spenersche Zeitung", 1. Jahrgang, ab Juni 1740)