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Das Internet kann die Zeitung nicht ersetzen, aber ergänzen

Von Prof. Dr. Renate Köcher

 

Das Medienangebot ist heute so groß wie nie zuvor, und mit jedem neuen Medium verändern sich die Gewohnheiten und das Informationsverhalten der Bevölkerung. Je größer das Angebot in den letzten Jahren wurde, desto mehr Zeit nahmen Medien im Alltag der Bevölkerung ein: allein die durchschnittliche tägliche Fernsehnutzung ist seit Anfang der 90er Jahre von 168 (1992) auf 225 (2004) Minuten angestiegen. Insbesondere die jüngeren Zuschauer, die ursprünglich das Fernsehen weit weniger nutzten als die mittlere und ältere Generation, haben ihre täglichen Fernsehzeiten seit der Etablierung der privaten Programme und Musiksender erheblich ausgeweitet.

 

Das Internet hat sich in Deutschland mit einer mehrjährigen Verzögerung, aber dann um so rascher etabliert. Rund 62 Prozent der 14- bis 64-jährigen Bevölkerung nutzen mittlerweile das Internet; bei den 14- bis 19-Jährigen wuchs der Kreis der Internetnutzer seit 1999 von 18 auf heute 75 Prozent. 39 Prozent der unter 30-Jährigen gehen mittlerweile täglich ins Internet, weitere 26 Prozent mehrmals in der Woche.

TV- und Internetnutzung nehmen zu

Angesichts des Siegeszugs des Internets ist häufig die Prognose zu hören, das Internet werde die Tageszeitung zunehmend ersetzen - auf den ersten Blick eine durchaus ein-leuchtende Erwartung. In absehbarer Zeit wird die überwältigende Mehrheit der Haushalte einen Internet-Zugang haben und damit zu jeder Tages- und Nachtzeit auf aktuelle Informationen zugreifen können; das Medium ist schnell und bietet eine ungeheure Informationsbreite und -tiefe, an die kein anderes Medium heranreicht; die Tageszeitungsreichweiten sind in den letzten 15 Jahren in der überdurchschnittlich internetaffinen jungen Generation erheblich zurückgegangen, während die Fernseh- und Internetnutzung zulegten.

 

Trotzdem deutet bisher wenig darauf hin, dass das Internet die Zeitung tatsächlich ersetzt und überhaupt ersetzen kann. Anders als die Tageszeitungen wird das Internet bisher nur von einer kleinen Minderheit kontinuierlich für die tägliche Information über politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Ereignisse und Entwicklungen genutzt. Zwar informieren sich mittlerweile in der Bevölkerung rund 18 Millionen zumindest gelegentlich auch im Internet über politische Ereignisse, 14 Millionen über wirtschaftliche Entwicklungen. Aber nur acht Prozent informieren sich via Internet regelmäßig oder zumindest häufiger über Politik, vier Prozent über Wirtschaftsthemen.

Auch Stichtagsbefragungen zum Informationsverhalten am Tag vor dem Interview belegen, dass Fernsehen und Tageszeitungen die mit Abstand wichtigsten Informationsquellen für die tägliche Information sind, während sich im Durchschnitt nur sechs Prozent der Bevölkerung, auch nur sieben Prozent der 14- bis 19-Jährigen an einem Tag via Internet über das aktuelle Geschehen informieren.

Rasche Selektion

Das Internet wird im Allgemeinen dann genutzt, wenn ein aktives und zielgerichtetes Informationsinteresse besteht. Als ergänzendes, vertiefendes Informationsmedium ist das Internet ideal und allen anderen Medien überlegen. Es ist jedoch ein Medium, das zur raschen Selektion erzieht. Die Rolle und Nutzung der Tageszeitung sind völlig anders. Sie wird im Allgemeinen regelmäßig genutzt und thematisch wesentlich breiter. Während der Internetnutzer in der Regel weiß, was er an Informationen beziehen will, geht der Zeitungsleser an die Tageszeitung in der Regel mit der Frage heran, was dieser Tag an interessanten Themen und Informationen bieten kann.

Untersuchungen unter jungen Zeitungslesern und Gleichaltrigen, die nicht regelmäßig eine Tageszeitung lesen, zeigen einen klaren Zusammenhang zwischen Zeitunglesen und politischem Interesse und Wissen. Wenn die Tageszeitungslektüre nachhaltig zurückgedrängt würde, wird das zu Lasten der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Bildung gehen.