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Das ernsteste Geschäft der Welt

Die tägliche Glosse

Von Hermann Unterstöger

Früher hing in vielen Haushaltungen ein Bild, worauf eine Kerze war und ein Gedicht mit den Anfangszeilen: "Immer wenn du meinst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her." In der Publizistik heißt dieses Lichtlein Glosse; man nimmt von ihr an, dass sie sich, wenn für die sog. seriöse Kommentierung weder Thema noch Autor zu finden ist, schon einstellen werde. "Hat vielleicht jemand noch ein Glösschen auf der Pfanne?", pflegt der Chefredakteur in solchen Fällen zu fragen, und wer sich daraufhin zur Lückenbuße meldet, erntet in der Regel ein "Na also!" oder "Siehste, der Beck, immer lustig und fidel!" Im Grunde bedeutet das: Für was Ernstes ist der eh nicht zu gebrauchen.

Dabei ist der Mann, er heiße nun Beck oder sonst wie, im ernstesten Geschäft der Welt tätig, auch wenn er als Thema nur Stieglers roten Pullunder (früher: Genschers gelben Pullunder) oder den einst wie jetzt zur Unzeit krähenden Gockel vorschlägt. Die Glosse hat ihren Ursprung in der wissenschaftlichen Literatur, sie wurde von den Forschern und Denkern des Mittelalters an den Rand des Gedruckten geschrieben, weswegen noch heute manche Kolumne "Am Rande" heißt, ohne es mit ihren ehrwürdigen Vorläufern aufnehmen zu können. Wenn einer wie der bayerische Geschichtsschreiber Aventinus "Narrenwerk" an den Rand schrieb, so tat er das einerseits aus dem Reichtum seines Wissens heraus, andererseits im Hinblick auf die Dürftigkeit seiner Vorlage und dritterseits in der guten Laune, die ihm aus dem Gefälle zwischen diesen zwei Ebenen erwuchs.

Man wird kaum zu viel sagen, wenn man der Glosse attestiert, sie offenbare - nicht immer, aber bei glücklichen Umständen und jedenfalls öfter als der Leitartikel - das Gefüge der Welt. Denn dass sich dies am liebsten in roten oder gelben Pullundern und in vorlauten Gockeln verbirgt, ist ja wohl unbestritten.